Franziskus, reicher Kaufmannssohn aus Assisi in Umbrien, hatte all seinen Besitz aufgegeben, lebte bei den Leprakranken und pflegte sie. Er trug nur eine einfache Kutte mit Hanfkordel und oft nicht einmal Sandalen. Er schrieb und predigte in der Volkssprache, anders als die gelehrten Theologen und religiösen Spezialisten seiner Zeit. Er konnte so gut diskutieren und argumentieren, dass selbst der Sultan in Ägypten beeindruckt war. All das machte auf alle Bevölkerungsschichten, reich und arm, ungeheuren Eindruck. Dass sein radikales Armutsideal die Menschen begeisterte, war kein Zufall. Die katholische Kirche war im 13. Jahrhundert ein dominanter Machtfaktor, reich und beim Volk durchaus unbeliebt. Widerstand konnte damals schon auf dem Scheiterhaufen enden. Religiöse Armutsbewegungen wie die Katharer, Waldenser und Humiliaten opponierten und beriefen sich dabei auf Christus. Franziskus teilte deren Armutsideal, suchte aber für seine Bewegung den Segen von Ortsbischof und Papst. Das Papsttum konnte den neuen Orden – so wie den annähernd zeitgleich gegründeten Predigerorden des heiligen Dominikus – gewissermaßen als "Waffe" einsetzen. Franziskus und seine Minderbrüder zogen durch die Lande, predigten und lehrten. Dass sie dabei arm und bescheiden auftraten, ihren Unterhalt aus kleinen Zuwendungen und durch ihrer Hände Arbeit bestritten, entzog den anderen Bewegungen und vermeintlichen Feinden der Kirche die Grundlage. Die Erfindung der Weihnachtskrippe, die Franziskus zugeschrieben wird, zeigt, mit welchen einfachen und plakativen Mitteln Franziskus den Menschen die Botschaft Christi nahebringen wollte: Er baute in der Kirche im kleinen Ort Greccio einen Futtertrog auf, füllte ihn mit Stroh, stellte einen lebenden Ochsen und einen lebenden Esel dazu, baute über dem Trog einen Altar und hielt die Eucharistie: Seht, so arm ist Gott zur Welt gekommen, seht, diesem Beispiel sollt ihr folgen. Franziskus glaubte, alle Menschen und natürlichen Wesen seien von Gott beseelt. Folgerichtig hielt er nicht nur alle Menschen, sondern die ganze Schöpfung für schützenswert – ein Vorgriff auf moderne Menschenrechts- und Umweltschutzideen. Franziskus gilt als der erste Heilige, der Stigmata, die Wundmale Christi, empfangen haben soll – ob er sich diese selbst beigebracht hat oder ob sie sich wirklich spontan bildeten, war schon damals umstritten. Sie dokumentierten seine vollkommene Identifikation mit dem Heiland. Franziskus wurde 1228, nur zwei Jahre nach seinem Tod, heiliggesprochen – ein damals unerhörter Vorgang.
* Transparenzhinweis: Für gekennzeichnete Links erhalten wir Provisionen im Rahmen eines Affiliate-Partnerprogramms. Das bedeutet keine Mehrkosten für Käufer, unterstützt uns aber bei der Finanzierung dieser Website.
Alle Preisangaben ohne Gewähr, Preise ggf. plus Porto & Versandkosten.
Bestimmte Inhalte, die auf dieser Website angezeigt werden, stammen von Amazon. Diese Inhalte werden "wie besehen" bereitgestellt und können jederzeit geändert oder entfernt werden.