In einer Zeit der Industrialisierung und Uniformisierung fühlte Käthe Kruse (1883-1968) sich intensiv in die Welt der Kinder ein. Ihr Lebensweg entsprach dabei kaum den traditionellen Erwartungen an Frauen. Nach einer kurzen Karriere als Schauspielerin lebte sie als junge Mutter alleinerziehend mit ihren beiden kleinen Töchtern in einer Freidenkerkolonie bei Ascona in der Schweiz. Dort kam sie mit verschiedenen Reformbewegungen in Berührung. Das naturnahe Leben prägte sie. Ihre weichen, handgefertigten Puppen, die die natürliche Schönheit und Individualität von Kindern widerspiegeln, waren ein Ausdruck dieser Ideale. Anhand der Lebensgeschichte von Käthe Kruse zeigt die Dokumentation, dass Puppen immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind. Sie bilden Familie und Gesellschaft im Kleinen ab. Damit sind sie auch anfällig für ideologische Einflüsse. Die Kriegs- und Krisenzeiten überstand die Puppenmacherin mit immer neuen Geschäftsideen und Anpassung an die politischen Verhältnisse. So schuf sie während des Dritten Reiches auch Puppen in NS-Uniform. Dem Fortbestand ihres Unternehmens ordnete sie alles unter. Dazu gehörte auch der Mut, gegen den damals größten Spielzeughersteller zu klagen, der ihre Puppen kopiert hatte. Käthe Kruses Leben war voller Widersprüche: Als Mutter und Ehefrau vertrat sie traditionelle Werte, aber ihre Beziehung lebte sie unkonventionell. Als Unternehmerin war sie emanzipiert, mit ihren Puppen jedoch passte sie sich an die Familien- und Weiblichkeitsvorstellungen ihres bürgerlichen Publikums an.
(arte)
Daten
Weiterer Titel: Käthe Kruse - Puppenspiele zwischen Ideologie und Lebenstraum
Länge: ca. 43 min.
| Deutsche TV-Premiere | Do, 12.03.2026 (arte) |
| Originalsprache: | Deutsch |
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Cast & Crew
- Drehbuch: Maria Anna Tappeiner











