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TV-Kritik/Review: "Vanished - Vertraust du ihm": "The Big Bang Theory"-Star Kaley Cuoco trifft in mauem Vermisstenthriller auf Matthias Schweighöfer
von Christopher Diekhaus(12.03.2026)

Ein Mensch verschwindet von jetzt auf gleich, ohne Erklärungen, und eine nahestehende Person stößt eine fieberhafte Suche an. Thriller-Werke mit dieser Ausgangslage gibt es zuhauf, weshalb es in derartigen Geschichten umso mehr darauf ankommt, einige unerwartete Akzente einzustreuen, soll das Ganze nicht schon früh an Zugkraft verlieren. Wie man die griffige, aber sattsam bekannte Prämisse besser nicht angeht, veranschaulicht die Miniserie
Der am 13. März in der ARD Mediathek startende Vierteiler folgt zum Einstieg einem Trend, der im TV- und Streamingbereich seit einiger Zeit zu beobachten ist: Statt die handelnden Figuren und den Ort des Geschehens unaufgeregt einzuführen, geht es gleich mit einer Art aufgeheiztem Teaser los: Eine Frau, die von Cuoco gespielte Alice Monroe, wäscht sich ihre blutverschmierten Hände und wird in ihrer Unterkunft plötzlich von einem Motorradfahrer (Said Kachar) mit offenkundig mörderischen Absichten überrascht. Panisch flieht sie durch ein Fenster, springt von einem Vordach auf die Straße, scheint aber schon bald von ihrem Verfolger eingeholt zu werden. Schnitt: "Eine Woche zuvor!"

Die Angst, die Aufmerksamkeit des Publikums schnell zu verlieren, treibt immer mehr Serienmacher dazu, ihre Geschichten gleich mit einem knalligen Vorausblick zu beginnen, dessen Kontextualisierung anschließend schrittweise erfolgt. Auch wenn sich das Muster langsam, aber sicher abnutzt, geht die Strategie im Fall von "Vanished - Vertraust du ihm" halbwegs auf. Dank einer effektiven Inszenierung ist gleich ordentlich Druck auf dem Kessel, und man geht mit der Heldin Alice mit.
Sieben Tage früher ist die Welt freilich noch in bester Ordnung, wie uns die sonnendurchfluteten Paris-Bilder vom Wiedersehen Monroes mit ihrem Lebensgefährten Tom Parker (wirkt glatt und schmierig: Sam Claflin) demonstrativ signalisieren. Das Paar führt bislang eine meistens auf Hoteltreffen begrenzte Fernbeziehung, da beide international aktiv sind. Sie als Archäologin, er als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in der Flüchtlingsarbeit. Nun, da Alice eine Professur in Princeton in Aussicht hat, möchte sie mit ihm zusammen sesshaft werden. Ein Wunsch, den Tom etwas zögerlich bejaht.
Auf einer Zugfahrt von Paris ins südfranzösische Arles geschieht dann das handlungsauslösenden Ereignis. Parker erhält einen Anruf, verlässt das Abteil - und ward nach einem außerplanmäßigen Halt der Bahn auf freier Strecke nicht mehr gesehen. Die rasch anwachsende Panik seiner Freundin, ihren Taumel macht die wackelige Kamera sofort spürbar. Denkt man kurz an ein
Weil sie nicht auf Hilfe warten will, geht unsere Protagonistin in und um Marseille, eingefangen in Bildern mit Lokalkolorit, schließlich selbst auf Spurensuche. Dabei trifft sie nicht nur Toms Kollegen Alex Durand (in sommerliche Sakkos gekleidet: Matthias Schweighöfer), der Alice die Sorgen zu nehmen versucht, sondern auch auf die bereits im Zug anwesende Journalistin Hélène Lando (Karin Viard). Mit Letzterer soll wohl so etwas wie schwungvolle Buddy-Dynamik in die Miniserie einziehen. Tatsächlich hat die Reporterin aber eher gewaltiges Nervpotenzial, entpuppt sie sich doch in Windeseile als Knallcharge mit gefährlichem Hang zum Populismus. "Es geht immer nur ums Geld!" und "Die Polizei ist entweder unfähig oder korrupt!" sind zwei der "Weisheiten", die sie der - Achtung Wortspiel! - aus der Bahn geworfenen Alice einbläut. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Immerhin meidet die Amerikanerin fortan, trotz neuer Erkenntnisse, den Gang zu den Ermittlungsbehörden wie der Teufel das Weihwasser.
Dass Hélène früher als seriöse, investigative Berichterstatterin unterwegs war, glaubt man spätestens dann nicht mehr, als sie einen fetten Bolzenschneider aus der Tasche zieht, um sich Zugang zu einer Yacht zu verschaffen. Ihre mittendrin enthüllte, Monroes Erfahrung in gewisser Weise spiegelnde Vorgeschichte soll erklären, warum die Möchtegernjournalistin den Halt verloren hat, und unterstreicht ein immer wieder mitschwingendes, gegen Ende noch einmal groß werdendes Thema: toxische Männlichkeit. Darüber ließe sich vieles sagen. "Vanished - Vertraust du ihm" ruft allerdings lieber Stichworte in den Raum, anstatt sich ernsthaft mit diesem Problem zu befassen.

Einige Verfolgungsjagden und Recherchesituationen sorgen für gesteigerten Nervenkitzel. Viel zu oft flacht die Spannungskurve jedoch ab, obschon die teils penetrante Musik uns anderes vorgaukeln will. Manche Drehbuchmanöver sind arg durchschaubar. Mitunter kreiert Autor Preston Thompson künstliche Druckmomente, etwa, als Alice in einem Hochhauskomplex plötzlich von einer Gruppe junger Männer bedrängt wird. Und auch die sporadisch eingeflochtenen Rückblenden, die das Kennenlernen von Monroe und Parker (in erdigen Farbtönen) und als Paar verbrachte Stunden (in goldenes Licht getaucht) bebildern, haben keinen großen Mehrwert.
Fast schon folgerichtig läuft der pseudofesselnde Thriller auf ein Finale hinaus, das die schon vorher gelegentlich eingerissene Grenze zur unfreiwilligen Komik erneut überschreitet. Was allerdings noch mehr stört, ist folgende Erkenntnis: Für die Geschichte spielt auch das Leid von Flüchtlingen eine Rolle, die selbst bezeichnenderweise aber keine echte Stimme erhalten. Im Stile einer Exploitation-Produktion benutzt "Vanished - Vertraust du ihm" vielmehr den beschriebenen Horror als billiges Material, als effekthascherischen Aufhänger. Ganz schön armselig!
Die Miniserie "Vanished - Vertraust du ihm" steht ab Freitag, dem 13. März, ab 10 Uhr in der ARD Mediathek zum Abruf bereit. Die lineare Veröffentlichung erfolgt am Samstag, dem 21. März, ab 22.05 Uhr (Episoden 1+2) und am Montag, dem 23. März, ab 0.15 Uhr (Episoden 3+4) im Ersten.
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