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TV-Kritik/Review: "Vanished - Vertraust du ihm": "The Big Bang Theory"-Star Kaley Cuoco trifft in mauem Vermisstenthriller auf Matthias Schweighöfer

Ich bin dann mal weg
Alice (Kaley Cuoco) muss bei ihren Nachforschungen auf der Hut sein.
AGC Studios/Fragile Film/MGM+/Bruno Calvo
TV-Kritik/Review: "Vanished - Vertraust du ihm": "The Big Bang Theory"-Star Kaley Cuoco trifft in mauem Vermisstenthriller auf Matthias Schweighöfer/AGC Studios/Fragile Film/MGM+/Bruno Calvo

Ein Mensch verschwindet von jetzt auf gleich, ohne Erklärungen, und eine nahestehende Person stößt eine fieberhafte Suche an. Thriller-Werke mit dieser Ausgangslage gibt es zuhauf, weshalb es in derartigen Geschichten umso mehr darauf ankommt, einige unerwartete Akzente einzustreuen, soll das Ganze nicht schon früh an Zugkraft verlieren. Wie man die griffige, aber sattsam bekannte Prämisse besser nicht angeht, veranschaulicht die Miniserie  "Vanished - Vertraust du ihm", an der als Koproduzent auch das zur ARD gehörende Unternehmen Degeto beteiligt ist. Hauptdarstellerin Kaley Cuoco, vor allem bekannt durch ihre Rolle in der US-Sitcom  "The Big Bang Theory", gibt sich alle Mühe, uns auf eine nervenaufreibende Reise mitzunehmen. Ein logisch wackeliges und klischeebeladenes Drehbuch wirft ihr und den Zuschauern jedoch immer wieder Knüppel zwischen die Beine.

Der am 13. März in der ARD Mediathek startende Vierteiler folgt zum Einstieg einem Trend, der im TV- und Streamingbereich seit einiger Zeit zu beobachten ist: Statt die handelnden Figuren und den Ort des Geschehens unaufgeregt einzuführen, geht es gleich mit einer Art aufgeheiztem Teaser los: Eine Frau, die von Cuoco gespielte Alice Monroe, wäscht sich ihre blutverschmierten Hände und wird in ihrer Unterkunft plötzlich von einem Motorradfahrer (Said Kachar) mit offenkundig mörderischen Absichten überrascht. Panisch flieht sie durch ein Fenster, springt von einem Vordach auf die Straße, scheint aber schon bald von ihrem Verfolger eingeholt zu werden. Schnitt: "Eine Woche zuvor!"

Tom (Sam Claflin) und Alice (Kaley Cuoco) lassen ihren Gefühlen freien Lauf.
Tom (Sam Claflin) und Alice (Kaley Cuoco) lassen ihren Gefühlen freien Lauf.AGC Studios/Fragile Film/MGM+/ARD Degeto Film/Bruno Calvo

Die Angst, die Aufmerksamkeit des Publikums schnell zu verlieren, treibt immer mehr Serienmacher dazu, ihre Geschichten gleich mit einem knalligen Vorausblick zu beginnen, dessen Kontextualisierung anschließend schrittweise erfolgt. Auch wenn sich das Muster langsam, aber sicher abnutzt, geht die Strategie im Fall von "Vanished - Vertraust du ihm" halbwegs auf. Dank einer effektiven Inszenierung ist gleich ordentlich Druck auf dem Kessel, und man geht mit der Heldin Alice mit.

Sieben Tage früher ist die Welt freilich noch in bester Ordnung, wie uns die sonnendurchfluteten Paris-Bilder vom Wiedersehen Monroes mit ihrem Lebensgefährten Tom Parker (wirkt glatt und schmierig: Sam Claflin) demonstrativ signalisieren. Das Paar führt bislang eine meistens auf Hoteltreffen begrenzte Fernbeziehung, da beide international aktiv sind. Sie als Archäologin, er als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in der Flüchtlingsarbeit. Nun, da Alice eine Professur in Princeton in Aussicht hat, möchte sie mit ihm zusammen sesshaft werden. Ein Wunsch, den Tom etwas zögerlich bejaht.

Auf einer Zugfahrt von Paris ins südfranzösische Arles geschieht dann das handlungsauslösenden Ereignis. Parker erhält einen Anruf, verlässt das Abteil - und ward nach einem außerplanmäßigen Halt der Bahn auf freier Strecke nicht mehr gesehen. Die rasch anwachsende Panik seiner Freundin, ihren Taumel macht die wackelige Kamera sofort spürbar. Denkt man kurz an ein  "Flightplan"-Szenario (in diesem Locked-Room-Thriller sucht Jodie Foster an Bord eines Flugzeugs nach ihrem spurlos verschwundenen Filmsohn) auf Schienen, verlassen wir mit Alice in Marseille auch schon den Zug und begeben uns zur nächsten Polizeidienststelle. Erwartungsgemäß stößt die US-Amerikanerin dort zunächst auf taube Ohren. Denn erst nach 48 Stunden könne eine erwachsene Person als vermisst gemeldet werden, betont Inspektor Gaspard Drax (Simon Abkarian). Nicht ohne Grund legt Drehbuchautor und "Vanished"-Ko-Schöpfer Preston Thompson (Mitentwickler David Hilton zeichnete auch für die Story-Idee verantwortlich) den Ermittler von Anfang an als eine zwielichtige, Alice herablassend begegnende Figur an. Dass der Polizist mehrfach seine nie in Erscheinung tretende Ehefrau erwähnt, dürfte eine Anspielung auf eben jenen Running Gag aus der Fernsehkultreihe  "Columbo" sein.

Kann man Alex Durand (Matthias Schweighöfer) trauen?
Kann man Alex Durand (Matthias Schweighöfer) trauen? AGC Studios/Fragile Film/MGM+/Bruno Calvo

Weil sie nicht auf Hilfe warten will, geht unsere Protagonistin in und um Marseille, eingefangen in Bildern mit Lokalkolorit, schließlich selbst auf Spurensuche. Dabei trifft sie nicht nur Toms Kollegen Alex Durand (in sommerliche Sakkos gekleidet: Matthias Schweighöfer), der Alice die Sorgen zu nehmen versucht, sondern auch auf die bereits im Zug anwesende Journalistin Hélène Lando (Karin Viard). Mit Letzterer soll wohl so etwas wie schwungvolle Buddy-Dynamik in die Miniserie einziehen. Tatsächlich hat die Reporterin aber eher gewaltiges Nervpotenzial, entpuppt sie sich doch in Windeseile als Knallcharge mit gefährlichem Hang zum Populismus. "Es geht immer nur ums Geld!" und "Die Polizei ist entweder unfähig oder korrupt!" sind zwei der "Weisheiten", die sie der - Achtung Wortspiel! - aus der Bahn geworfenen Alice einbläut. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Immerhin meidet die Amerikanerin fortan, trotz neuer Erkenntnisse, den Gang zu den Ermittlungsbehörden wie der Teufel das Weihwasser.

Dass Hélène früher als seriöse, investigative Berichterstatterin unterwegs war, glaubt man spätestens dann nicht mehr, als sie einen fetten Bolzenschneider aus der Tasche zieht, um sich Zugang zu einer Yacht zu verschaffen. Ihre mittendrin enthüllte, Monroes Erfahrung in gewisser Weise spiegelnde Vorgeschichte soll erklären, warum die Möchtegernjournalistin den Halt verloren hat, und unterstreicht ein immer wieder mitschwingendes, gegen Ende noch einmal groß werdendes Thema: toxische Männlichkeit. Darüber ließe sich vieles sagen. "Vanished - Vertraust du ihm" ruft allerdings lieber Stichworte in den Raum, anstatt sich ernsthaft mit diesem Problem zu befassen.

Hélène (Karin Viard, links) und Alice (Kaley Cuoco) gehen hohes Risiko.
Hélène (Karin Viard, links) und Alice (Kaley Cuoco) gehen hohes Risiko.AGC Studios/Fragile Film/MGM+/Bruno Calvo

Einige Verfolgungsjagden und Recherchesituationen sorgen für gesteigerten Nervenkitzel. Viel zu oft flacht die Spannungskurve jedoch ab, obschon die teils penetrante Musik uns anderes vorgaukeln will. Manche Drehbuchmanöver sind arg durchschaubar. Mitunter kreiert Autor Preston Thompson künstliche Druckmomente, etwa, als Alice in einem Hochhauskomplex plötzlich von einer Gruppe junger Männer bedrängt wird. Und auch die sporadisch eingeflochtenen Rückblenden, die das Kennenlernen von Monroe und Parker (in erdigen Farbtönen) und als Paar verbrachte Stunden (in goldenes Licht getaucht) bebildern, haben keinen großen Mehrwert.

Fast schon folgerichtig läuft der pseudofesselnde Thriller auf ein Finale hinaus, das die schon vorher gelegentlich eingerissene Grenze zur unfreiwilligen Komik erneut überschreitet. Was allerdings noch mehr stört, ist folgende Erkenntnis: Für die Geschichte spielt auch das Leid von Flüchtlingen eine Rolle, die selbst bezeichnenderweise aber keine echte Stimme erhalten. Im Stile einer Exploitation-Produktion benutzt "Vanished - Vertraust du ihm" vielmehr den beschriebenen Horror als billiges Material, als effekthascherischen Aufhänger. Ganz schön armselig!

Meine Wertung: 2/5

Die Miniserie "Vanished - Vertraust du ihm" steht ab Freitag, dem 13. März, ab 10 Uhr in der ARD Mediathek zum Abruf bereit. Die lineare Veröffentlichung erfolgt am Samstag, dem 21. März, ab 22.05 Uhr (Episoden 1+2) und am Montag, dem 23. März, ab 0.15 Uhr (Episoden 3+4) im Ersten.



 

Über den Autor

  • Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.
Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

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