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Vom Lesetisch auf die Bühne

F, 2011
Vom Lesetisch auf die Bühne
Bild: arte
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Filminfos

Deutsche Erstausstrahlung: 06.11.2011 (arte)
Anton Tschechow (1860-1904) schrieb seinen Einakter "Auf der großen Straße" im Jahr 1884. Er war damals 24 Jahre alt und hatte gerade sein Medizinstudium abgeschlossen. Schauplatz der dramatischen Skizze ist eine armselige russische Provinzschenke, in der alle möglichen heruntergekommenen Gestalten wie ehemalige Sträflinge, Muschiks und Pilger Schutz vor der Kälte und der hereinbrechenden Nacht finden, miteinander trinken und ins Gespräch kommen. Das Stück "Auf der großen Straße" wurde von der Zensur umgehend als ein "schmutziges und finsteres" Werk verboten - unter anderem deshalb, weil es darin um einen alkoholkranken und verarmten Aristokraten geht. Im Juni 1903 wurden sämtliche Theaterstücke von Tschechow aus dem Repertoire der Volksbühnen gestrichen. Im Dezember 2006 begann Guillaume Gallienne, das Stück mit dem Ensemble der Comédie Française einzustudieren. Der Film zeichnet den Weg der Erarbeitung des Stücks durch die Schauspieler und den Regisseur nach: von den ersten Begegnungen, dem ersten Kennenlernen des Textes am "Lesetisch" bis hin zum Lampenfieber der Premiere. Er macht deutlich, wie sorgfältig sich das Ensemble mit Tschechows Text und Subtext, seinen Regieanweisungen und Interpunktion auseinandersetzt. Gleichzeitig werden die Umstände von Tschechows weniger bekanntem Frühwerk beleuchtet. In jener Zeit kam Tschechow als junger Arzt, Reporter und Lehrling der Fotografie in enge Berührung mit dem menschlichen Elend. Im Jahr 1890 beschloss er, eine beschwerliche Reise zu unternehmen, die ihn auf die Insel Sachalin, im äußersten Osten Sibiriens, führte: Die Insel war eine im Pazifik gelegene Strafkolonie und als Verbannungsort des russischen Kaiserreichs berüchtigt. An diesem gefürchteten Ort studierte Tschechow die Haftbedingungen in den Zuchthäusern, half, wo er konnte, und führte eine Volkszählung durch. Er hatte sich gewissermaßen selbst in eine "geschlossene Anstalt" eingewiesen und bezeichnete diese Phase als seine "Mania Sachalinosa". Historische Aufnahmen eröffnen Tschechows Welt. Parallel dazu gehen die Proben voran. Der Weg führte die Schauspieler vom Lesetisch quer durch das "Heilige Russland" mit seiner Armut, seinem menschlichen Leiden und seinem Lebenswillen.
(arte)
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