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Update Gefakete Sexarbeit-Doku "Lovemobil": NDR distanziert sich von Grimme-Preis-nominierter Produktion

von Glenn Riedmeier in News national
(23.03.2021, 12.20 Uhr)
Dokumentation enthält über weite Strecken gestellte Szenen
"Lovemobil"
WDR/NDR/Christoph Rohrscheidt
Gefakete Sexarbeit-Doku "Lovemobil": NDR distanziert sich von Grimme-Preis-nominierter Produktion/WDR/NDR/Christoph Rohrscheidt

UPDATE: Das Grimme-Institut hat nun die Nominierung der Dokumentation zurückgezogen. Nach Kenntnisnahme der massiven Vorwürfe rund um den Film 'Lovemobil' hat die Nominierungskommission entschieden, die Produktion auf Grund schwer wiegender Verstöße die Nominierung für den Grimme-Preis zu entziehen, so Grimme-Direktorin Dr. Frauke Gerlach.

ZUVOR: Der NDR distanziert sich von der Kino-Dokumentation  "Lovemobil" der Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss, die der Sender mitproduziert hat. 2020 wurde die Produktion mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet, aktuell ist sie für einen  Grimme-Preis im Wettbewerb Information & Kultur nominiert. Doch interne Recherchen der NDR-Redaktion "STRG_F" haben ergeben, dass der Film in weiten Strecken Szenen enthält, die nicht authentisch sind.

Zwar soll der Film auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, zentrale Protagonistinnen des Films schildern jedoch nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Dementsprechend sind zahlreiche gezeigte Situationen nachgestellt oder inszeniert worden.

Die Dokumentation schildert das Leben von Prostituierten, die unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen arbeiten. Stein des Anstoßes der kritischen Untersuchung des Films waren Recherchen der NDR Redaktion  "STRG_F", die Informationen aus dem Umfeld der Produktion bekommen hatte und nach eigenen Nachforschungen auf Unstimmigkeiten stieß.

Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss räumt im Interview mit "STRG_F" ein, es versäumt zu haben, den NDR über die Inszenierungen zu informieren. Sie bereue das und behauptet zugleich, der NDR habe nicht nachgefragt. Gleichzeitig verteidigt sie ihre Vorgehensweise: Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, ist eine viel authentischere Realität.

Lehrenkrauss gab zu, dass sie Darstellerinnen als Protagonistinnen eingesetzt hat, darunter auch Bekannte der Autorin. Die beiden Hauptprotagonistinnen waren nicht echt. Keine der beiden Frauen hat als Sexarbeiterin auf den Landstraßen von Niedersachsen gearbeitet. So ist die im Film porträtierte "Rita" keine Prostituierte. Laut Lehrenkrauss soll sie Geschichten von anderen Prostituierten nachgespielt haben. Auch "Milena" arbeitet nicht wie im Film dargestellt als Prostituierte in einem Wohnmobil an der B188/ B4 bei Gifhorn, sondern kam nur für die Dreharbeiten nach Niedersachsen. Bei einem der gezeigten "Freier" soll es sich um einen Bekannten der Autorin handeln.

Gegenüber dem Tagesspiegel erläutert Lehrenkrauss ihre eigenwillige Auffassung von Dokumentarfilmen. Ich bin keine Journalistin, ich mache künstlerische Dokumentarfilme. Für mich gibt es eine offenere Form von Dokumentarfilmen, mit denen man sich der Realität annähert. Sie habe nichts erfunden. Alles, was wir gedreht haben, waren Momente und Situationen, die wir tatsächlich so erlebt haben. Zudem könne man nicht erkennen, dass in einigen Szenen mit Darstellern gearbeitet wurde. Das Problem ist, dass der NDR journalistische Maßstäbe an den Film anlegt, die dieser niemals zum Ziel und als Methode hatte. Dokumentarfilm kann auch anders definiert werden. Sie entschuldige sich aber dafür, wenn ich die sensiblen Gefühle der Zuschauer verletzt habe.

Der Film, der unter anderem aus Mitteln der Nordmedia Filmförderung finanziert wurde und an dem die NDR Dokumentarfilmredaktion als Ko-Produzent beteiligt war, kam Corona-bedingt nur kurzzeitig ins Kino, ist aber weltweit auf Festivals gelaufen. Die NDR Dokumentarfilmredaktion hat den Film "Lovemobil" redaktionell begleitet und abgenommen. Während der mehrjährigen Produktionszeit sei die Redaktion zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden. Die NDR Dokumentarfilmredaktion weist den Vorwurf von Elke Margarete Lehrenkrauss zurück, keine Nachfragen zur Authentizität gestellt zu haben. Der NDR steht mit der Aufklärung des Vorfalls noch am Anfang.

Frank Beckmann, Programmdirektion Fernsehen: Der Film 'Lovemobil' entspricht nicht den Standards, die der NDR an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat. Journalist*innen des NDR haben aufgedeckt, dass weite Teile des Films frei inszeniert wurden. Der NDR wird den Sachverhalt in seinen Programmen transparent machen und unabhängig berichten. Wir müssen neben der vollständigen Aufklärung noch bessere Wege finden, wie wir uns vor solchen Irreführungen schützen können.

Das investigative Reportageformat "STRG_F" hat im Zuge der Recherchen mit Protagonisten des Dokumentarfilms, der Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss sowie dem NDR-Redakteur gesprochen, der den Film "Lovemobil" betreut hat. Der ausführliche Bericht über den Fall wird am heutigen Dienstag, 23. März, um 17 Uhr auf dem YouTube-Kanal von "STRG_F" veröffentlicht. Im NDR Fernsehen berichtet ebenfalls heute um 21.15 Uhr das Magazin  "Panorama 3". Die Dokumentation "Lovemobil" selbst wurde vorerst aus der ARD Mediathek genommen und für Wiederholungen gesperrt.

Und was wird nun aus der Nominierung für den Grimme-Preis? Gegenüber der dpa teilte Grimme-Direktorin Dr. Frauke Gerlach mit: Die Vorwürfe sind schwerwiegend. Deshalb prüfen unsere Gremien die vorliegenden Informationen und beraten darüber, ob die Nominierung aufrechterhalten werden kann oder nicht. Das muss jetzt sehr schnell gehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass "STRG_F" Unregelmäßigkeiten bei angeblich authentischen Szenen aufgedeckt hat. Im vergangenen Jahr kam durch das Format ans Tageslicht, dass mehrere Situationen bei  "Late Night Berlin" und  "Das Duell um die Welt" inszeniert wurden (TV Wunschliste berichtete).


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