Bildergalerie zu "Glückstadt und die Abschiebehaft"
Wohnen minus Freiheit
Weil sein Leben im Iran bedroht war, floh der Regimekritiker und politische Aktivist Ehsan Abri aus seiner Heimat nach Europa. In Deutschland wird er von der Polizei aufgegriffen und sitzt in Abschiebungshaft in Rendsburg (Schleswig-Holstein). Die Ungewissheit und Ohnmacht in so einer Hafteinrichtung seien zermürbend, denn man habe "keine Kontrolle mehr über sein Leben, ist wie eine Puppe und ist nicht mehr ein Mensch." (
Mit dem "politisch brisanten Thema" Abschiebungshaft muss sie sich nun auseinandersetzen - ob sie will oder nicht: Bürgermeisterin Manja Biel. Bei den Plänen des Landes für die neue Haftanstalt in Glückstadt hat sie nur wenig mitzureden. Die Kommunalpolitikerin sitzt "am kürzeren Hebel" und gibt zu: "Natürlich hätte man an einem so wichtigen Punkt gerne mehr Einfluss!" (
Hinter den hohen Mauern ist der Weg für die Menschen in Abschiebungshaft zu Ende. Sie müssen Deutschland wieder verlassen. Wie sich das anfühlt, beschreibt der Iraner Ehsan Abri, der schon mal für 49 Tage in Abschiebungshaft war, so: "Man ist hoffnungslos, fühlt sich einsam." Insgesamt 50 Millionen hat der Umbau der ehemaligen Kaserne zur Abschiebungshafteinrichtung gekostet, jährlich kommen Betriebskosten von 18 Millionen (6 Millionen je Bundesland) hinzu. (
Stück für Stück wird aus der alten Kaserne eine Hafteinrichtung. Insgesamt 60 Plätze für Abschiebungshäftlinge sollen dort geschaffen werden. Mehrere Freistundenhöfe sind geplant, in denen Freizeit- und Sportaktivitäten nachgegangen werden kann. (
Im Glückstädter Bauausschuss ringen die Gemeindevertreter*innen um eine Entscheidung. Für den Umbau der alten Marinekaserne zu einer Abschiebungshaftanstalt braucht das Land Schleswig-Holstein die Zustimmung der Stadt. Es sei "eine der schwersten Entscheidungen" in seiner Zeit als Kommunalpolitiker, erklärt ein Gemeindevertreter am Ende sein Votum. (
"Unbegreiflich, dass man so eine Gefängnisanlage mitten in einem Wohngebiet aufbaut", findet Anwohner Jürgen Fehrs. Gemeinsam mit seinem Enkel blickt der Pensionär durch das Haupttor der ehemaligen Kaserne. Seit Bekanntwerden der Pläne für die Abschiebungshafteinrichtung beobachtet Fehrs den Fortschritt auf der Baustelle und für ihn steht fest: "Zehn Nummern zu groß!" (
"Je milder der Umgang mit den Inhaftierten erscheint, desto leichter lässt sich das durchziehen", meint Aktivist Frank Thurow. Bis zuletzt begleiten Aktivisten den Bau der Abschiebungshafteinrichtung in Glückstadt kritisch. Den Bau der Einrichtung können sie nicht verhindern, machen stattdessen immer wieder auf die Schicksale der Menschen in Abschiebungshaft aufmerksam. (
Die ehemalige Marinekaserne in Glückstadt soll zu einer Abschiebungshaftanstalt umgebaut werden. Schleswig-Holstein will die die Einrichtung gemeinsam mit den Bundesländern Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern betreiben. Über viele Jahre stand das Gebäude leer. Ab August 2021 sollen dort Abschiebungshäftlinge untergebracht sein. (
Jürgen Fehrs ist im Haus gegenüber der alten Marinekaserne geboren und aufgewachsen, wohnt dort bereits in dritter Generation. "Wenn die Soldaten Feierabend hatten, war das Gelände ein Abenteuerspielplatz für uns", erinnert er sich an Kindertage. Bei dem Gedanken, vielleicht schon bald gegenüber einer Haftanstalt zu wohnen, ist ihm und seiner Frau nicht ganz wohl. (