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Interview mit "Dexter" Michael C. Hall
(23.11.2009)


Amerikaner empfinden eine Faszination für Serienkiller, die es so in Europa nicht wirklich gibt. Weshalb kommt "Dexter" trotzdem auch in Europa so gut an?
Michael C. Hall: Sicher, sieht man die Serie mit größerem Abstand, quasi durch einen Filter, als Produkt einer Kultur, die nicht die eigene ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir alle eine Art Blutdurst haben. Das ist etwas Fundamentales. Es kommt in verschiedenen Menschen unterschiedlich zum Ausdruck, aber wir alle haben diesen Schatten, den wir mit uns herumtragen. Und ich glaube es spricht die Leute an, wenn wir diesen Schatten auf eine Art und Weise beleuchten, die über das pure Töten hinausgeht. Man könnte ja sogar argumentieren, dass Dexter durch seine Taten mehr Morde verhindert, als er selbst begeht. Aber würde Dexter nicht diese bestimmte Gruppe von Menschen töten, sich nicht an den Kodex seines Vaters halten, dann würde niemand die Serie anschauen. Das ist der Schlüssel.
Welche Erfahrung haben Sie mit der Serie auf der internationalen Ebene gemacht, besonders im Vergleich zu Reaktionen in den USA?
MCH In Europa gab es ein Erlebnis, das sich stets wiederholte: Wenn mich jemand in den Vereinigten Staaten interviewt fragt er meistens: "Wie kann man diese Figur mögen? Er bringt doch Leute um!" Ich antworte darauf in der Regel: "Ja, aber er bringt Mörder um!" Ein amerikanischer Journalist gibt sich meistens damit zufrieden. Aber in Europa kontern Journalisten immer mit: "Ja, aber bringt trotzdem Menschen um!" Das scheint der größte Unterschied in der Mentalität zu sein.
Die Ausstrahlung der vierten Staffel ist in den USA bereits so gut wie abgeschlossen. Wie war es mit John Lithgow (aus
MCH Es war traumhaft. Er ist so ein wunderbarer Schauspieler und Mensch, der jede Menge Intelligenz und Enthusiasmus mitbringt. Es war einfach nur traumhaft. Ich glaube, wir haben es zu einem großen Teil seiner Präsenz zu verdanken, dass die Zuschauer in den USA von dieser Staffel so begeistert sind.
Gibt es eine Chance, dass Rita vielleicht in diesem Jahr hinter das Geheimnis ihres Ehemanns kommt, oder eher nicht?
MCH Doch, ich glaube schon, aber in Babyschritten. Und vielleicht... manchmal auch in Riesenschritten. Wir werden sehen.
MCH Ich denke, die unausweichliche Erkenntnis für Dexter dadurch ist, dass er real ist. Das Kind ist der Beweis dafür, in Fleisch und Blut. Er ist ein menschliches Wesen, egal wie sehr er sich selbst und uns etwas anderes erzählt. Er kann das nicht länger abstreiten, auch wenn er sich die Dinge manchmal so zurecht legt, dass er so wie bisher weitermachen kann. Im Moment ist er aber so sehr damit beschäftigt nur das logistische Chaos zu bewältigen, das eine Frau und drei Kinder mit sich bringen. Er hat keine Zeit wirklich darüber nachzudenken. Aber je mehr ich selbst darüber nachdenke, so glaube ich, dass Dexter von diesem kleinen Wesen fasziniert ist, so wie er auf eine kindliche Art und Weise von seiner eigenen Existenz fasziniert ist.
Ganz praktisch gesehen, wie war es als Schauspieler mit den Babies am Set zu arbeiten? Können Sie gut mit Kindern umgehen?
MCH Ich glaube schon! Ich wuchs zwar ohne Geschwister auf, aber mit vielen Cousins, kleinen Kindern und Babies. Ich fühle mich also wohl. Wir hatten wirklich viel Glück mit dem kleinen Mädchen und dem kleinen Jungen, die Dexters Baby spielen. Das sind die besten Kleinkinder, die ich je an einem Set gesehen habe. Irgendwie haben sie einen Sinn für Kontinuität und machen während dem Filmen oft am selben Punkt genau das gleiche. Sie scheinen den Unterschied zwischen der Zeit des Filmens und dem normalen Alltag zu verstehen. Es sind tolle kleine Schauspieler. Wir nennen beide "Baby Brando".
Sie haben bereits angedeutet was Dexter durch seinen Sohn über sich in dieser Staffel lernt. Was haben Sie ganz persönlich über sich gelernt dadurch, dass Sie diese Rolle nun vier Jahre lang spielen?
MCH Es ist schwer für mich zu sagen, wie viel mehr oder weniger ich über mich selbst wissen würde, hätte ich mehr Abwechslung gehabt. Schließlich spielte ich David Fisher (in "Six Feet Under") davor auch fünf Jahre lang. Aber ich denke, ich habe gelernt, dass ich die harte Arbeit mag und ich dazu auch fähig bin. Ich mag die Länge des Ganzen, das ist für einen Schauspieler ein einzigartiger Job. Man kann sich auf allen Ebenen richtig in eine Figur vertiefen, das kannte ich davor nicht. Das hat auch etwas mit der immer stärker werdenden Präsenz von Originalserien im amerikanischen Kabelfernsehen zu tun. Ich bin froh, dass ich davon ein Teil bin.
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