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TV-Kritik/Review: "Heated Rivalry": Wenn das die ganze Liga wüsste
von Gian-Philip Andreas(05.02.2026)

Von YouTube über TikTok bis Instagram konnte man den Bildern kaum entrinnen: wohlproportionierte Sportler, die sich aufreizende Blicke zuwerfen und brünftig übereinander herfallen. Ohne bekannte Stars in den Hauptrollen ist die kanadische Romance-Serie
Hockey (womit in Nordamerika grundsätzlich Eishockey gemeint ist) ist in Kanada ungefähr so populär wie Baseball in den USA oder Fußball bei uns: ein Massensport, dessen Stars selbst jene kennen, die sich eigentlich überhaupt nicht dafür interessieren. Mit dem Fußball gemein hat der Profi-Hockeysport, dass es keine bekannten schwulen Aushängeschilder gibt, keine geouteten aktiven Stars. Zu groß ist offenbar immer noch die Furcht davor, als queerer Profi den homophoben Routinen der Fanszenen und innerhalb der Branche unterworfen zu sein. Um sich also die Dimensionen dessen vorstellen zu können, was die Autorin Rachel Reid in ihrer Romanserie "Game Changers" seit 2018 anstellt, könnte man sich beispielsweise vorstellen, es gehe um eine erotische Liaison zwischen Harry Kane und Florian Wirtz. Oder zwischen Manuel Neuer und Robert Lewandowski. Undenkbar? Nicht in der Fantasie!
In Reids sieben "Game Changers"-Romanzen werden derartige schwule Märchen an Eishockeyspielern durchgespielt, also innerhalb des kanadischen Nationalsports, in dem heteronormatives Denken den Ton vorgibt. Die wilde Hatz auf den Puck wird immer noch eher mit ausgeschlagenen Zähnen und Gehirnerschütterungen assoziiert als mit gegenseitiger Fürsorge - geschweige denn mit erotischer Leidenschaft für den Gegner.Die vom ehemaligen

Shane landet bei den Montreal Metros in Kanada, Ilya bei den Boston Raiders in den USA - zwei fiktive Teams, die genauso dezent "verfremdet" wurden wie die nordamerikanisch-länderübergreifende Hockeyliga MLH. Die steht stellvertretend für die real-existierende NHL (National Hockey League), in der Montreal und Boston tatsächlich als medial perfekt verwertbare Rivalen um die Wette kämpfen.
Shane und Ilya lernen sich schon 2008 kennen, nach den ersten Spielen ihrer Jugendnationalmannschaften. Die gegenseitige Anerkennung ist auf den ersten Blick spür- und nach dem ersten gemeinsamen Workout im Hotel-Fitnesskeller greifbar. Bald darauf steigen sie in eine Frenemy-with-Benefits-Beziehung ein: Offiziell gelten sie als Rivalen, doch bei Hockeymatches in derselben Stadt, also in Montreal oder Boston bzw. bei Aufeinandertreffen ihrer Nationalteams, treffen sie sich zum Sex. Von einer "Beziehung" ist dabei lange Zeit keine Rede - es sind heimliche Sextreffen, bei denen sich die beiden Sportler, als Distanzierungsmaßnahme, konsequent mit ihren Nachnamen ansprechen. Nur das Smartphone-Sexting, bei dem sie sich zur Sicherheit weibliche Tarnnamen geben, könnte man als beziehungsnah einstufen: Shane heißt "Jane", Ilya "Lily".
Die ersten zwei Episoden stürmen durch die ersten sechs Jahre dieses Arrangements, bei dem die Rollen klar verteilt sind. Ilya, der sich als bisexuell identifiziert, übernimmt den dominanten "Top"-Part, Shane, der zuvor noch nie etwas mit Männern hatte, ist der "Bottom". Ein Großteil des Hypes, der "Heated Rivalry" in den vergangenen Wochen umwehte, kreist um eben diese Sexszenen, die in ihrer Explizitheit zwar nie an das heranreichen, was wagemutigere HBO-Serien wie
Noch bemerkenswerter indes ist, dass "Heated Rivalry" eine queere Liebesgeschichte erzählen will, die nicht im tragischen Abgrund endet - wie es jahrzehntelang in Kino und TV Usus war. Niemand bringt sich um, niemand stirbt an Aids: Die sogenannte "Bury your Gays"-Devise, die noch bis zu

Natürlich gelangt die über neun Jahre hinweg geschilderte Sex-Affäre irgendwann an einen Punkt, an dem es um die Frage geht, ob das, was sich da entwickelt hat, nicht längst "Beziehung" genannt werden muss - oder gar Liebe. Und müsste eine solche Liebe dann immer heimlich gelebt werden müssen?
Wie das Sportlerpaar auf diese Fragen gestoßen wird, gehört zu den größten Stärken dieser sechs Folgen: In der dritten Episode nämlich schwenkt der erzählerische Fokus plötzlich kühn um zu einem weiteren Star-Profi der Hockeyliga. Scott Hunter, Kapitän der New York Admirals, gespielt von François Arnaud (
Das große Profi-Coming-Out von Shane und Ilya wird es dagegen - auch das darf man getrost verraten - in dieser Staffel noch nicht geben. Allerdings ist längst eine zweite Staffel bestellt, in der wohl alles auf ein solche Szenario hinauslaufen dürfte. Basis dafür wird Reids sechster "Game Changers"-Roman sein.
Große Aufmerksamkeit hat die Serie auch deshalb auf sich gezogen, weil sich ihr Publikum zu einem großen Teil aus Frauen zusammensetzt. Das mag sicher auch an der literarischen Vorlage liegen: Schwule New-Adult-Liebesromane wie "Game Changers" richten sich, ähnlich wie die "Boy's Love"-Mangas, die in den Buchläden ganze Regale in Beschlag nehmen, weniger an ein queeres als an ein weibliches Publikum. Das hat offenbar von heterozentrischen Liebesgeschichten und dem darin verfestigten male gaze genug und sieht in den Romanzen zwischen (selbstredend attraktiven) Männern ihre Idealvorstellung einer zugewandten, zärtlichen, auch vulnerablen Maskulinität durchgespielt.
Das wird in der Serie ein wenig zum Problem, denn die Liebesgeschichte bekommt dadurch etwas Klinisches, Aseptisches. Gewiss, die Serie spielt unter voll austrainierten Spitzensportlern, insofern lassen sich die makellosen Idealkörper der hier Herumbalzenden besser rechtfertigen als in einer Serie über, sagen wir mal, Versicherungsangestellte oder Filmkritiker. In "Heated Rivalry" aber sind alle sexuell aktiven Menschen exzessiv attraktiv, selbst der Smoothie-Verkäufer sieht so athletisch aus, als stünde er jeden Tag fünf Stunden samt Personal Trainer im Gym. Svetlana (Ksenia Daniela Kharlamova), Ilyas Kindheitsfreundin und Gelegenheitsbeischläferin, scheint ebenso einem Model-Katalog entnommen worden zu sein wie Rose (Sophie Nélisse aus

Dieser Fokus aufs Eye Candy führt eine gewisse Oberflächlichkeit mit sich, die sich auch auf erzählerischer Ebene ausbreitet. Shanes Eltern etwa (gespielt von Christina Chang aus
Dinge, die in anderen Film- oder Serienzusammenhängen dramatisch ausgeschlachtet würden, wirken hier fast unterspielt. Zwei Coming-Out-Szenen etwa kommen und gehen ohne große Not. Selbst die Homophobie in den Hockeymannschaften wird nur am Rande berührt, Gleiches gilt für Ilyas russischem Background: Putins extrem queerfeindliche Politik, die der russischen Bevölkerung bis ins Privateste zusetzt und ausgelebte Homosexualität unter Strafe stellt, wird zwar dezent angedeutet, doch nie wirklich zum Thema. Der Fokus liegt hier - ganz bewusst - auf der sogenannten queer joy, die man fraglos als willkommene bis überfällige Abwechslung betrachten darf, obgleich sie das dramatische Potenzial der Handlung unterminiert.
Hockeyszenen gibt es übrigens erstaunlich wenige in den sechs Episoden. Falls sich also jemand davon abgeschreckt fühlen sollte, kann er diesbezüglich beruhigt sein. Im Mittelpunkt steht ganz die Beziehung von Shane und Ilya, weshalb das Gelingen der Serie zwangsläufig an ihren zuvor fast unbekannten Darstellern hängt. Williams spielt den zu Beginn sehr unsicheren Shane introvertiert und (in Absprache mit Autorin Reid) auf dem Autismus-Spektrum angesiedelt. Das Verschlossene hat in schlechteren Momenten leider auch etwas Hölzernes. Storrie wiederum, kein Russe, spricht Ilya durchweg mit einem russischen Akzent, der bisweilen parodistisch wirkt. Wie gut ihm die russischen Mono- und Dialoge gelingen, die er zu absolvieren hat, können russische Muttersprachler ja gerne mal in die Kommentare schreiben.
Die Chemie zwischen den beiden gegensätzlichen Hauptdarstellern ist dennoch von Anfang an spürbar - und maßgeblich dafür verantwortlich, dass "Heated Rivalry" seine intensive emotionale Wirkung am Ende voll entfalten kann. Bei allen Oberflächlichkeiten: Rein als verfilmte Romance betrachtet ist "Heated Rivalry" ohne Zweifel ein Volltreffer.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten ersten Staffel von "Heated Rivalry".
HBO Max veröffentlicht "Heated Rivalry" in Deutschland ab dem 6. Februar.
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