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Adorno

D, 2003
Adorno
Bild: SWR
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Filminfos

Mythos Adorno. Er wurde bewundert, ja verehrt - die Schärfe seines Denkens, die Geschliffenheit seiner Sprache. Adorno war die Instanz schlechthin, das kritische Gewissen der jungen Bundesrepublik Deutschland. Auch die revoltierenden Studenten beriefen sich auf ihn. Bis zu seinem Tod 1969 leitete Adorno das Frankfurter Institut für Sozialforschung, das 1924 gegründet worden war, um das kritische Potenzial der marxistischen Theorie wiederzubeleben, um den Marxismus aus den sozialdemokratischen und stalinistischen Vereinfachungen und Verkrustungen zu befreien und zu öffnen für damals neue wissenschaftliche Disziplinen wie Psychologie oder angewandte Sozialforschung. Neben Adorno gehörten unter anderem Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und Erich Fromm zum Institut. Nach 1933 mussten sie in die USA emigrieren. Nach ihrer Rückkehr im Jahre 1949 kamen sie in der intellektuellen Szene der Bundesrepublik schnell zu jenem legendären Ruf, der ihnen und dem Frankfurter Institut bis heute anhaftet. Der Erfolg von Adornos pessimistischer Philosophie ist eine spannende Geschichte, auf deren Spuren sich die Autoren Meinhard Prill und Kurt Schneider in einer zweiteiligen Dokumentation begeben haben. Sie erzählen den Werdegang eines bürgerlichen Intellektuellen und Kunstliebhabers, der sich - durch die Umstände der Zeit in die Emigration gezwungen - zeitlebens die Frage stellte: "Wie konnte sich Auschwitz inmitten von einigermaßen gesitteten und harmlosen Menschen abspielen?" und der mit dieser Frage im Nachkriegsdeutschland Karriere machte und zu Weltruhm kam. Prominente Schüler und Zeitzeugen Adornos wie Alexander Kluge, Rüdiger Safranski, Joachim Kaiser, Richard Sennett oder Pierre Boulez erhellen die Zusammenhänge und geben erstaunlich offen über Adornos Privatleben Auskunft. Teil 1: Der Bürger als Revolutionär Eigentlich wollte Adorno Musiker werden. Nach eigenen Angaben konnte er singen, bevor er sprechen lernte. Doch in Wien, wo er bei Alban Berg Komposition studierte, fand er keinen richtigen Anschluss an die musikalische Avantgarde. Dafür lernte er Max Horkheimer kennen, den jungen Marxisten und späteren Direktor des Instituts für Sozialforschung. Was als freie Mitarbeit Adornos für das Institut begann, mündete in einen lebenslangen Männerbund. Horkheimer holte Adorno 1938 nach, in die USA, und rettete ihm so das Leben - Adornos Vater war Jude. Die deutschen Sozialforscher fanden sich im amerikanischen Wissenschaftsbetrieb nicht zurecht. Es blieb nur der Rückzug ins Private. Während in Europa der Krieg tobte, schrieb Adorno die Werke, die seinen späteren Ruf begründeten: "Minima Moralia" und zusammen mit Horkheimer die "Dialektik der Aufklärung". Dass der Faschismus ohne Kapitalismus nicht zu erklären sei, war eine immer wieder geäußerte Einsicht Adornos in der Zeit des Exils. Den modernen Menschen sah er im "Verhängniszusammenhang", gefangen in einer von ihm selbst technisierten Welt - mit fatalen Folgen: "Jeder Mensch heute fühlt sich zu wenig geliebt, weil jeder zu wenig lieben kann". In der "Studie über den autoritären Charakter" versuchte Adorno, diese Tendenz auch in der amerikanischen Gesellschaft nachzuweisen und so Kritische Theorie und moderne empirische Sozialforschung zu verbinden.
(SWR)
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