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TV-Kritik/Review: "Biester": Erfrischende ORF-Serie um vier junge Frauen erlebt deutsche TV-Premiere
von Marcus Kirzynowski(19.08.2026)

Jennifer "Jenny" Tichy (Anja Pichler) relaxt bei ihrem Job im Nagelstudio mit ihrer besten Freundin Vero Amos (Mara Romei) mit Schokokussbrötchen und Leute beobachten durchs Schaufenster. Aus der Menge der Passanten stechen zwei andere junge Frauen heraus, die in teuren Klamotten und noch teureren Sneakers die Treppe runtergehen. Jenny und Vero geraten ins Träumen: Ach, könnten sie sich doch auch mal solche Schuhe leisten! Aber eigentlich will ich gar kein besseres Leben, sondern eins, das richtig geil ist.
Irgendwie besonders halt, nicht so gewöhnlich und deprimierend wie in der Sozialsiedlung im Wiener Bezirk Floridsdorf, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Jennys draußen mit der roten Rennschüssel wartender Freund Marvin (Felix Oitzinger) wird zum Spottobjekt eines der beiden reichen Mädels, Nelly (eigentlich Penelope) Sund (Fanni Schneider). Einmal in so einer Asikarre kutschiert zu werden wäre ihr Traum, foppt sie ihn. Da kann sie noch nicht ahnen, dass sich ihre Schicksale bald kreuzen werden.
Gleich mit der Auftaktszene der ersten Episode der ORF-Serie

Nach ihrem Job im Maniküresalon trifft Jenny vor ihrem Sozialbau auf Vater Günter (Aleksandar Petrović), wie die Mutter seit Jahren arbeitslos, jetzt aber angeblich auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch. Völlig aufgegeben hat sich hingegen Mutter Sandra (Claudia Kottal), die den ganzen Tag Trash-TV glotzend auf der Couch liegt und sich noch darüber beklagt, dass ihr Gatte jeden Tag eine Bewerbung abschickt, weil das so viel Porto koste. Viel Zeit für die nervende Auseinandersetzung mit Sandra hat Jenny aber eh nicht, weil sie zur Abendschule muss, wo sie ihr Abi nachholen will. Danach geht es noch zum Zweitjob im Paketzentrum. Unterdessen arbeitet BFF Vero als Hilfspflegerin/Haushälterin für einen wohlhabenden älteren Herrn respektive dessen arrogante Tochter (Annabelle Mandeng), die es sich von dessen Geld gutgehen lässt. Herrlich hier das bissige Porträt dieser Frau, die ihre vermutlich schwarz beschäftigte Hilfskraft mit einer Mischung aus Mitleid, Anbiederung und Verachtung behandelt und die glaubt, Armut riechen zu können.
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Uli Brée schafft es, mit relativ wenigen Szenen die beiden völlig entgegengesetzten sozialen Welten zu porträtieren, die jeweils ihre eigenen Zwänge mit sich bringen. Richtig glücklich scheint hier jedenfalls kaum jemand zu sein: auf der einen Seite der sozialen Schere der tägliche Kampf mit Stütze, Minijobs und Sparzwang, auf der anderen enttäuschte Erwartungen der Eltern, das lauernde Finanzamt und Sinnsuche. Für Erfrischung sorgt, dass diesmal eben nicht mittelalte Hausfrauen im Mittelpunkt stehen, sondern junge Frauen, die noch versuchen, sich selbst neu zu erfinden - und dabei fast jede Handlung bei Instagram dokumentieren. "Biester" verbindet ein sympathisches Ensemble unverbrauchter Newcomerinnen mit arrivierten Fernsehstars in den Erwachsenenrollen. Dort ist mit dem allgegenwärtigen Schwarz (
Während die Inszenierung (Regie bei den ersten fünf Folgen: Mirjam Unger) weitgehend konventionell ausfällt, stechen die Drehbücher aus der Vielzahl deutschsprachiger Serien heraus. Die Dialoge sind bissig, die Wendungen unerwartet, die sozialen Nuancen trotz aller satirischer Überspitzung genau beobachtet. Wie schon in "Vorstadtweiber", aber auch anderen ORF-Serien wie "Braunschlag" oder "CopStories" sagt "Biester" neben allem Witz und Unterhaltungswert eben auch etwas über die Welt aus, in der wir leben. Bei den vielen miteinander verknüpften Handlungssträngen und Personen sowie den ständigen Wendungen bleiben etwas zu sehr in Richtung Soap neigende Elemente leider nicht ganz aus. Auf der Habenseite steht dann wieder die Auswahl der Songs - inklusive dem von Valentina Thoms gesungenen Titellied "Luftschloss".

Nicht verschwiegen werden soll, dass die zweite Staffel das hohe Niveau nicht halten kann. Hier bestätigt sich ein Problem, das schon "Vorstadtweiber" hatte: Brée kann sehr gute auf eine Staffel angelegte Handlungen schreiben. Geht es dann aber wegen des Erfolgs in die Verlängerung, wirken die Geschichten auserzählt. Wie alle zentralen Figuren nach dem eigentlich runden Ende der ersten "Biester"-Staffel - einer fast spiegelbildlichen Variante der Anfangsszene - wieder zusammengebracht werden müssen, wirkt bemüht und danach mäandert die Handlung weitgehend ziellos vor sich hin. Das ändert aber nichts daran, dass Staffel 1 fast uneingeschränkt zu empfehlen ist: Sie hat Witz, Biss, viel Wiener Schmäh und ist manchmal auch ganz schön sexy.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten ersten Staffel von "Biester".
One zeigt die komplette zehnteilige Staffel 1 am Donnerstag, den 20. August, ab 21.45 Uhr am Stück. Danach ist sie auch in der ARD Mediathek verfügbar.
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