Im Norden der Ukraine, mitten in einem Wald, liegt das kleine Dorf Jahidne: ein paar Straßen, zwei Geschäfte und mehr Tiere in den Obstgärten als Menschen auf den Feldern. Doch die Idylle trügt: Am 5. März 2022 fielen russische Truppen in das Dorf ein und sperrten die rund 400 Einwohner, darunter 77 Kinder, in den Keller der Schule. Dort wurden sie bis zum Abzug der Truppen unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Die 51-jährige Olha führte während der Freiheitsberaubung Tagebuch und kämpft heute gegen die von allen verspürte Versuchung an, die traumatischen Erlebnisse einfach zu verdrängen. In Roman Blazhans Film liest sie Seite für Seite aus ihrem Tagebuch vor, während andere Dorfbewohner die Erzählung vervollständigen. Valérivna, eine kleine, stämmige Frau mit dem Beinamen "Hexe", erzählt verschmitzt lächelnd, wie sie den russischen Wärtern mit bösen Zaubern drohte, um an etwas Brot zu kommen. Ein alter Mann mit Schnurrbart erklärt, dass er lieber nach vorn schaut, um die Lebensfreude wiederzufinden, die ihm durch die Gefangenschaft und den nicht enden wollenden Krieg genommen wurde. Durch die Thematisierung der immer noch schmerzlichen Erfahrungen geben die Dorfbewohner dem Trauma einen kollektiven Charakter. Gemeinsam setzen sie alle Teile des Puzzles wieder zusammen. Durch den Film nimmt die Erinnerung Gestalt an: Worte werden mit Bildern verknüpft, die Vergangenheit mit der Gegenwart - und das Leben, das weitergehen muss, mit den traumatischen Erlebnissen im dunklen Schulkeller.
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Am 5. März 2022 fielen russische Truppen in das ukrainische Dorf Jahidne ein und sperrten die rund 400 Einwohner, darunter 77 Kinder, in den Keller der Schule.
Gemeinsam setzen die Dorfbewohner alle Teile des Puzzles wieder zusammen: Durch die Thematisierung der schmerzhaften Erfahrung geben sie dem Trauma einen kollektiven Charakter.
Olha führte während der Freiheitsberaubung Tagebuch und kämpft heute gegen die von allen verspürte Versuchung an, die traumatischen Erlebnisse einfach zu verdrängen.
Rund 400 Einwohner des Dorfs Jahidne wurden im März 2022 in den Keller der Schule gesperrt. Dort wurden sie bis zum Abzug der Truppen unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten.