Till Eulenspiegel tanzt auf dem Seil über dem Erfurter Domplatz und bewirft die Schaulustigen mit ihren Schuhen. Die Geschichte über böswillig gesäte Zwietracht ging vor rund 700 Jahren mit einer handfesten Prügelei aus. Ob es heute versöhnlicher endet, wenn die "Zugereisten", den alteingesessenen Erfurtern den Spiegel vorhalten? Die Zugereisten sind teilweise schon Jahrzehnte in Erfurt. Längst ist die Stadt ihr Zuhause. Dennoch bleibt da dieser Unterschied zwischen Wessi und Ossi. Die Zugereisten kamen einst aus Neugier, aus Gestaltungswillen, der Liebe oder Karriere wegen in die Stadt: Eine Ärztin, ein Wirtschaftsmann, eine Gastronomin, ein Kultur-Tausendsassa und eine Logopädin sind die Protagonisten des Films. Sie spiegeln mit ihren Geschichten das Werden der letzten Jahrzehnte. Sie erzählen vom Fremdsein oder vom Ankommen, von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Fünf Porträts, die vom Zustand der inneren Einheit Deutschlands erzählen. Und dabei porträtieren die Zugereisten Erfurt, eine der schönsten und vielleicht am wenigsten bekannten Städte Deutschlands. Wenn die Zugereisten zu ihren Lieblingsorten in der Stadt führen, begegnen ihnen historische Zugereiste. Dabei wird deutlich, wie bedeutend Erfurt für die deutsche Geschichte war. Wie wäre die Reformation verlaufen, wenn Luther nicht in Erfurt studiert hätte und Mönch geworden wäre? Wie wäre Europas Geschichte ohne das Erfurter Treffen Napoleons mit dem russischen Zaren Anfang des 19. Jahrhunderts verlaufen? Wie wäre der Weg zur deutschen Einheit gewesen, wenn Willi Brandt 1970 nicht ans Fenster des "Erfurter Hofes" getreten wäre? Eine Hommage an Erfurt und fünf Lebensgeschichten von Fremden, die heimisch geworden sind. Dass die Deutsche Einheit gänzlich vollzogen ist, glauben die Zugereisten nicht so recht. Aber sie meinen: Das Erreichte kann sich sehen lassen, vor allem in Erfurt. Und die Widersprüche müssen ja nicht in Zwietracht und Prügeleien ausarten - wie einst beim Eulenspiegel.
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Die Zugereisten
3sat3satMi, 30.09.202603:40 hDie Zugereisten
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Till Eulenspiegel hält dem Prozess der Deutschen Einheit symbolisch einen Spiegel vor. Die historische Figur gehört seit dem Mittelalter zur Erfurter Stadtgeschichte. Für die Dreharbeiten haben die „Hochseilartisten Geschwister Weisheit“ die Rolle übernommen.
Auch der Kulturmanager und Kneipier Volker Nienstedt ist gekommen um zu bleiben. Der ehemalige Hamburger sitzt gern mit Freunden auf der weltberühmten Krämerbrücke. Die Menschen in Erfurt sind ihm ans Herz gewachsen.
Das Augustinerkloster in Erfurt ist durch Luther weltberühmt. Nach der Wende hat es einen modernen Anbau bekommen. Das ist einer der Lieblingsorte von Ärztin Ursula Winker.
Die Schrift-Installation erinnert an den Besuch des Bundeskanzlers 1970 in Erfurt. Der Ruf der Erfurter „Willi Brandt ans Fenster“ war ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Wende.
Karina Both-Peckham betreibt ein kleines Restaurant in der Altstadt. Sie kam zum Studium aus den alten Ländern nach Erfurt und verliebte sich in die Stadt und die Menschen hier.
Thomas Malcherek zog vor Jahren von Hessen nach Thüringen. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt verbringt am liebsten seine knapp bemessenen Pausen am Erfurter Fischmarkt.