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TV-Kritik: "Lifelines" - Diagnose Langeweile
(07.05.2018)

Mit
Truppenarzt Alex Rode (Hartmann) kehrt nach Jahren bei der Bundeswehr für den 43. Hochzeitstag seiner Eltern nach Köln zurück. Bereits kurz nachdem sein erfolgloser Bruder Tobias (Ben Blaskovic) ihn abgeholt hat, fällt ihm sein erster Patient buchstäblich in die Arme - oder besser gesagt auf die Motorhaube. Der am Arm verletzte Mann wollte sich offensichtlich durch einen Sprung von einer Brücke umbringen und wird von Alex erstmal beherzt mittels eines gezielten Faustschlags ruhig gestellt. Da der Krankenwagen viel zu lange brauchen würde und der Mann zusätzlich zu seiner Armfraktur jetzt wahrscheinlich auch noch eine Gehirnerschütterung hat, ordert Alex kurzerhand einen Helikopter vom Bund. Wie ein Actionheld landet der Truppenarzt so auf dem Dach des nächsten Krankenhauses. Dort ist man über den ungewöhnlichen Transportweg überrascht, vielleicht auch deswegen, weil der im Heli eingeflogene Patient keine lebensgefährliche Verletzung, sondern lediglich eine Unterarmfraktur aufweist. Die größte Überraschung steht Alex allerdings noch bevor, denn die leitende Oberärztin Dr. Seifert (Hoecke) erweist sich als seine Studienliebe Laura, die er vor 15 Jahren vor dem Altar in Las Vegas stehen ließ.
Wie sich später noch in einem Gespräch zwischen den beiden herausstellt, haben die beiden sich unwissentlich gegenseitig vor dem Altar stehen gelassen und danach aus Scham nie wieder ein Wort miteinander gewechselt. Alex findet das ziemlich lustig, Laura ist auf einmal sauer, der Zuschauer irritiert. Ob man diese Geschichte jetzt besonders glaubwürdig findet, sei dahingestellt, immerhin lässt sie keinen Zweifel mehr daran, dass Alex und Laura eine gemeinsame Vergangenheit haben. Und mit großer Wahrscheinlichkeit werden die beiden auch eine gemeinsame Zukunft haben, jedenfalls werden von den Serienmachern wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu suggerieren - bedeutungsschwere Blicke und gestammelte Dialoge inklusive.

Der einzige Haken, der ihrem Glück (noch) im Wege steht, ist Lauras Lebensgefährte Richard (Marc Oliver Schulze), der in der Nähe des Krankenhauses ein Restaurant betreibt und gleichzeitig der Vermieter von Alex' Bruder ist. So hat man es zumindest mehr oder weniger geschickt geschafft, zwischen allen Hauptfiguren eine Verbindung herzustellen. Oder zumindest einen Vorwand dafür geliefert, warum sich Alex und Laura dauernd zufällig über den Weg laufen. So ein glücklicher Zufall aber auch, denn Tobias ist Alex' alter Flamme noch nie begegnet. Das muss doch einfach Schicksal sein.
Auf jeden Fall ist Richard eigentlich ein Freund, wie Laura ihn sich besser nicht wünschen könnte. Humorvoll, bodenständig und sehr verständnisvoll. Und sie ist im Prinzip auch glücklich mit ihm und will "bestimmt irgendwann" mal bei ihm einziehen. Aber er ist eben kein abenteuerlustiger Draufgänger wie Alex, der es ständig schafft, die eigentlich so taffe Ärztin aus dem Konzept zu bringen. Damit wären dann auch das Liebesdreieck und der Konflikt Herz gegen Kopf etabliert.
Und so eine Geschichte, auch wenn sie bereits tausendfach erzählt wurde, kann den Zuschauer durchaus in ihren Bann ziehen. Sie muss nur spannend und interessant aufbereitet werden. Und genau das gelingt "Lifelines" eben nicht. Schon nach wenigen Minuten ist klar, wie sich die Geschichte zwischen der ehrgeizigen aber verkopften Oberärztin und dem smarten Unfallchirurg mit Bindungsängsten weiter entwickeln wird. Und wer es noch nicht verstanden hat, dem erklären es die beiden noch einmal ganz genau, indem sie ihre gemeinsame Vergangenheit immer wieder in detaillierten Gesprächen aufrollen. Dabei hätte das Ganze durchaus interessant werden können, wenn man ihre gemeinsame Geschichte nicht innerhalb der ersten 30 Minuten der Serie einfach vor die Füße geworfen bekommen hätte. Nicht umsonst lautet eine der wichtigsten Regeln für Autoren "Show, don't tell" (dt.: "Zeigen, nicht erzählen") - ein Grundsatz, der bei "Lifelines" nahezu ins Gegenteil verkehrt scheint. Dadurch, dass seit der ersten Folge mit der Holzhammermethode auf ein romantisches Geplänkel zwischen Alex und Laura hingearbeitet wird, nimmt es sämtliche, eventuell da gewesene Spannung vorweg. So kann man als Zuschauer nur noch der Dinge harren, die da kommen werden. Und das sorgt nicht gerade für spannende Unterhaltung.
Aber in einer Krankenhausserie geht es natürlich nicht nur um die privaten Irrungen und Wirrungen der Figuren, sondern auch um verzwickte medizinische Fälle. Die spielen in der Serie jedoch definitiv die zweite Geige. Der Mann, der von der Brücke gestürzt ist, stellt die Ärzte zwar vor Rätsel, da es ihm unerklärlicherweise immer schlechter geht, für wirkliche Dramatik sorgt das aber auch nicht. Die Tatsache, dass es sich um keinen Unfall, sondern einen Suizidversuch gehandelt hat, wird mehr oder weniger unter den Teppich gekehrt. Psychologisches Gutachten? Fehlanzeige. Aber es steht ja auch der 43. Hochzeitstag von Alex' Eltern an, wo der mit Laura erst noch das Tanzbein schwingen muss. Dann lässt ihnen der sich zunehmend verschlechternde Zustand des Patienten doch keine Ruhe, und mit dem dynamischen Satz "Na los, wir müssen das rausfinden" macht sich das Paar in spe wieder auf den Weg zum Krankenhaus.
Als man dem vom Sturz auf die Fahrbahn unabhängigen Gesundheitsproblem des Patienten auf die Schliche kommt, muss er direkt notoperiert werden. Da im gesamten Krankenhaus kein anderer Chirurg zur Verfügung steht, darf Alex Laura im OP zur Hand gehen. Dabei ist es dann egal, dass die beiden sich 15 Jahre lang nicht gesehen haben und sie im Prinzip auch nichts über seine Fähigkeiten als Arzt weiß. Untermalt von dem Song "Whatever it Takes" von Imagine Dragons gelingt dem neuen Dreamteam die Operation natürlich mit links.
Einer erfolgreichen Arztserie muss der Spagat zwischen dem komplizierten Privatleben der Protagonisten und dramatischen medizinischen Notfällen gelingen. "Lifelines" kann mit keinem von beiden punkten. Die Geschichte um Alex, Laura und Richard steht klar im Vordergrund, kann aber aufgrund ihrer vorhersehbaren Aufbereitung auch keine Spannung erzeugen. Alex entscheidet sich, eine freie Stelle im Krankenhaus anzunehmen, obwohl er ursprünglich seinen Vertrag als Truppenarzt verlängern wollte. Was wohl für seinen plötzlichen Meinungswechsel verantwortlich ist? Den Vertrag verbrennt er dann symbolträchtig vor dem Restaurant von Richard, in dem der gerade mit Laura und ihren Kollegen feiert. Alex kann nur froh sein, dass sich niemand von den Feiernden umdreht, und sieht, wie er draußen vor dem Fenster steht und sie lächelnd beobachtet.
Mit "Lifelines" startet RTL nun bereits den fünften Versuch, eine fiktionale Eigenproduktion auf dem Serienmarkt zu etablieren. Die vorherigen Formate waren bisher nur von mäßigem Erfolg gekrönt, wobei
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten beiden Episoden der Serie "Lifelines".
Die zehn Folgen der RTL-Serie laufen ab dem 8. Mai 2018 immer dienstags ab 20.15 Uhr im Doppelpack zur Primetime.
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