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Im jüngsten "FBI"-Spin-Off geben Tom "Lucifer" Ellis und Nick "Chicago Med" Gehlfuss routiniert gegensätzliche Agenten
Müssen sich erst zusammenraufen: Korinthenkacker Bill Goodman (Nick Gehlfuss, l.) vom FBI und CIA-Haudegen Colin Glass (Tom Ellis).
CBS
TV-Kritik/Review: "CIA": Der Spion und der Erbsenzähler/CBS

Im neuesten Spin-Off der  "FBI"-Serienfamilie geht es mal nicht zentral um die bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde FBI, sondern um den Auslandsgeheimdienst CIA. Der Titel aber trügt: In  "CIA" nämlich muss sich ein Topspion mit einem FBI-Agenten zusammenraufen, um auf US-amerikanischem Boden Terroristen jagen zu dürfen. Eine Buddy-Cop-Situation also! Einen deutschen Starttermin gibt es für die Serie noch nicht, wir aber haben schon mal reingeschaut in die ersten beiden Episoden, die bei CBS bereits gelaufen sind.

Im vergangenen November sind die letzten beiden "FBI"-Spin-offs fast gleichzeitig eingemottet worden:  "FBI: International" machte nach vier Staffeln dicht,  "FBI: Most Wanted" musste die Hatz nach den meistgesuchten Verbrechern nach sechs Staffeln beenden. Gerade Letzteres sorgte für Stirnrunzeln, wurde die Produktion mit ihren fünf Emmy-Nominierungen für die im Network-TV sehr aufsehenerregenden Stunts von vielen doch als eigentlich hochwertiger eingestuft als die seit 2018 laufende Mutterserie.

Grund für das doppelte Serien-Aus beim Network-Sender CBS war, so wurde gemunkelt, die Entwicklung des neuen Ablegers "CIA". Der bald 80-jährige Procedural-Veteran Dick Wolf ( "Law & Order" plus Spin-offs,  "Chicago Fire" plus Spin-offs) verlagert den Fokus darin auf die andere große US-Behörde, die jeder aus ungezählten Filmen und Serien kennt: die CIA, Central Intelligence Agency, Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten. Das Prinzip bleibt gleich: Vermittels einer Procedural-Struktur wird pro Folge ein Fall gelöst, im Mittelpunkt stehen die Ermittlungen. Das Ganze spielt sich, wie immer bei Wolf, im Universum der Mutterserie ab, das heißt: Mit Gastauftritten der Stammbesetzung ist, von Folge eins an, stets zu rechnen.

Einen gravierenden Unterschied zu den "FBI"-Serien gibt es dann aber doch, und der hat unmittelbar damit zu tun, dass das Versprechen des Serientitels nur halb eingehalten wird. Bekanntermaßen darf die CIA keine Geheimoperationen auf US-amerikanischem Boden durchführen - ein Dilemma, das die Serie dadurch löst, dass sie dem handlungsdominierenden CIA-Agenten Colin Glass einen FBI-Mann an die Seite stellt: Special Agent Bill Goodman. Um aus dieser herbeikonstruierten Prämisse Kapital zu schlagen, macht "CIA" das Naheliegendste draus: eine Buddy-Konstellation zweier charakterlich komplett verschiedener Persönlichkeiten.

Kommt bestens klar mit streitenden Männern: Nikki Reynard (Necar Zadegan) leitet das New Yorker CIA-Team.
Kommt bestens klar mit streitenden Männern: Nikki Reynard (Necar Zadegan) leitet das New Yorker CIA-Team. CBS

Das heißt: Anders als in "FBI" und den beiden bisherigen Spin-offs steht keine komplette Task Force im Zentrum des Geschehens, sondern eine sogenannte fusion cell der beiden Behörden, die im Wesentlichen aus besagtem Duo besteht. Hinzu kommen dann noch, im Büro, Nikki Reynard, Deputy Chief der New Yorker CIA-Abteilung, sowie die junge Analystin Gina Gosian, die hier das tut, was in solchen Serien Analysten immer tun: zwei Sekunden auf einer Tastatur herumtippen und damit Zugriff haben auf gefühlt sämtliche Kameras, Mikrofone und Datenbanken der Welt.

Besetzt wurden in den beiden Hauptrollen zwei Schauspieler, die sich geschmeidig in die schematischen Rollenprofile einfügen: CIA-Agent Colin Glass, ein weltgewandter Haudegen, der sich um Gesetze und Regeln nicht schert, wird gespielt vom Waliser Tom Ellis, bekannt als  "Lucifer". In "CIA" darf er sich wieder seines so herrlich sonoren und smoothen Brit-Akzents bedienen, der selbst räudigste Schmähungen höflich klingen lässt. Glass ist kein Brite, sondern ein in England aufgewachsener US-Amerikaner, der das Spiel mit seinem Zungenschlag je nach Situation gewinnbringend einzusetzen vermag - bei Bedarf kann er also auch wie ein Ami klingen. (Schon jetzt kann man gespannt sein, wie die deutsche Synchro über die entsprechenden, dramaturgisch nicht unwichtigen Szenen hinwegfegen wird.)

Ihm gegenüber steht mit  "Chicago Med"-Oberarzt Nick Gehlfuss ein fast karikaturesk verkniffener FBI-Agent. Goodman (der Name ist Programm) ist Veteran im Dienste der "Feds" und hat die undankbare Aufgabe, ständig den Bremser, Bedenkenträger und Mahner geben zu müssen, der mit Entsetzen aufs unkonventionelle Vorgehen seines CIA-Partners blickt. Auch den Autoren der Serie dürfte schnell klar geworden sein, dass diese Gegensatzbesetzung kaum über allzu viele Episoden tragen dürfte, weshalb die gegenseitige Annäherung und Anerkennung bereits in der Pilotepisode beginnt. Zu erwarten ist, dass es pro Folge zwei, drei Szenen geben wird, in denen Goodman Einspruch (oder nur seine Augenbrauen) hebt, ehe dann doch gewinnbringend kooperiert wird gegen die meist arabisch klingenden oder aussehenden Feinde des US-amerikanischen Gemeinwesens. Aus Zweckpartnern dürften also zweifelsohne schnell Freunde werden.

Womit wir bei den Fällen selbst wären. Obwohl da nach nur zwei Episoden selbstredend kein abschließendes Urteil gefällt werden kann, ist von Beginn an eine gewisse Grundroutine zu beklagen. Gerade der erste Fall, der sich um den illegalen Handel mit Energie- und Strahlenwaffen und einen möglichen "Test"-Anschlag auf New York dreht, krankt an mangelnder Spannung und recht uninteressanten Figuren. Zu entschuldigen ist das allenfalls damit, dass es in der ersten Episode vor allem darum gehen muss, die Hauptfiguren einzuführen.

Hackt sich überall schnell rein: Auf CIA-Analystin Gina Gosian (Natalee Linez) ist Verlass.
Hackt sich überall schnell rein: Auf CIA-Analystin Gina Gosian (Natalee Linez) ist Verlass. CBS

Die zweite Episode ist dann prompt etwas aufregender geraten, was vor allem an Melinda Michael ( "Bereit für einen Prinzen") liegt, die als libanesische Spionin ein halbwegs cleveres Doppelspiel mit den Protagonisten veranstaltet, wobei man die Kompetenzen unserer Helden freiich hinterfragen muss, wenn sie sich von der eigentlich verhafteten Agentin in einem Safe House Essen und Trinken vorsetzen (und betäuben) lassen. Zum Glück hat 007 das nicht gesehen, als dessen mögliche neue Besetzung Tom Ellis ja immer mal wieder gehandelt wird...

Plotmäßig ist hier definitiv noch jede Menge Luft nach oben. Vieles wirkt schleppend und regelrecht konfus, obwohl mit Regieveteranen wie Ken Girotti (der zahlreiche "Most Wanted"-Episoden inszenierte) oder  "24"-Routinier Jon Cassar versierte Leute am Werk waren. Das Vorbeischneien von "FBI"-Stammpersonal, das schon bei "Most Wanted" und "International" durchgezogen wurde, hat auch hier wieder was von einer etwas bemühten Starthilfe. Fans sollten sich entsprechend auf nicht auf allzu viele Szenen mit Jeremy Sisto (aka ASAC Jubal Valentine) oder James Chen (aka Ian Lim) einstellen; für spätere Folgen werden zudem Auftritte von Missy Peregrym und Alana de la Garza versprochen. Derlei Crossover-Jobs stehen bei ihnen wohl im Vertrag.

Nicht verschwiegen werden sollte in diesem Zusammenhang die problematische Entstehungsgeschichte von "CIA". Der Serie waren nacheinander gleich zwei Showrunner abgesprungen - erst "Most Wanted"-Macher David Hudgins, dann Warren Leight, ein Zentralgestirn des "Law & Order"-Universums. (Provisorisch erledigt den Job nun, sozusagen nebenher, "FBI"-Showrunner Mike Weiss.) Hinzu kam, dass die Darstellerin der CIA-Chefin ausgewechselt wurde, als die Dreharbeiten bereits liefen. Eine Folge dieses Kuddelmuddels ist, dass nun gleich fünf Autoren als Serienschöpfer gelistet werden - neben Wolf, Hudgins und Leight noch der Ex-CIA-Mitarbeiter David Chasteen plus Marvel-Autorin Nicole Perlman ( "Guardians of the Galaxy"). Wenn einem die ersten Episoden also zugleich überladen und unterwältigend vorkommen, mag es auch am Viele-Köche-Syndrom liegen.

Etwas Hoffnung macht, dass zwischen Ellis und Goodman recht zügig eine brauchbare Buddy-Chemie zündet, die auch schwache Fälle überbrücken helfen könnte. Mit Necar Zadegan ( "Girlfriends' Guide to Divorce") als Chefin Nikki und Natalee Linez ( "Power Book III: Raising Kanan") als Tech-Analystin steht den beiden ein Büro-Duo von vergleichbarem Potenzial gegenüber - keineswegs revolutionär im Procedural-Serienkosmos zwar, aber doch sympathisch genug, sodass man nicht gleich den Stab über ihnen brechen will, wenn die Folgenplots mal hinken.

Schaut aus der Mutterserie vorbei: FBI-Vizeboss Jubal Valentine (Jeremy Sisto) führt die Protagonisten eingangs zusammen.
Schaut aus der Mutterserie vorbei: FBI-Vizeboss Jubal Valentine (Jeremy Sisto) führt die Protagonisten eingangs zusammen. CBS

Noch dazu wird gleich in der ersten Folge ein übergreifender und spannungsfördernder Mystery-Plot lanciert: Valentine steckt Goodman, dass sich unter den New Yorker CIA-Leuten ein Maulwurf versteckt. Da wir Zuschauer bislang überhaupt nur drei infrage kommende Personen kennen, schärft sich bei jeder Szene der Blick: Wer könnte es sein? Colin Glass jedenfalls erweist sich spätestens in der zweiten Episode als jemand, dessen Aussagen auch das Publikum keinesfalls trauen sollte.

In kleineren, möglicherweise wiederkehrenden Parts von Zuarbeitern und Informantinnen tauchen ein paar bekannte Seriengesichter auf, Jake Matthews aus  "Wisdom of the Crowd" etwa oder Kyra Zagorsky aus  "Helix", die in einer besonders bescheuerten, aber daher auch recht unterhaltsamen Szene als "geheime Quelle" halbnackt in der Sauna liegt und Agent Glass in einem dahingeworfenen Nebensatz mal eben darüber informiert, dass wenige Stunden später ein verheerender Anschlag in Manhattan bevorsteht: "Ach, du wusstest das gar nicht?"

In solchen, das Katastrophische geradezu putzig verharmlosenden Szenen macht sich denn auch am ehesten bemerkbar, wie (vor-)gestrig diese Art von Procedural über die "Helden" US-amerikanischer Geheimdienste geworden ist. Gewiss, als niedrigschwellige Krimiunterhaltung mag das alles immer noch funktionieren wie eh und je. Der Eskapismus stößt jedoch schnell an seine Grenzen, wenn man die honorigen Agenten mit ihrem Diversity-Kollegium und ihrer ausgesprochen weltoffenen Einstellung mit den derzeitigen US-amerikanischen Realitäten abgleicht. Denn da wird das CIA vom ultrarechten Texaner John Ratcliffe geleitet und das FBI vom bekennenden QAnon-Anhänger Kash Patel. Für den zu arbeiten hätten sich die legendärsten FBI-Agenten der TV-Geschichte, Dale Cooper ( "Twin Peaks") oder Dana Scully ( "Akte X"), wohl niemals herabgelassen.

In "CIA" wird Topspion Glass mit bewunderndem Pathos als jemand beschrieben, der sich im südamerikanischen Dschungel unter Lebensgefahr für seinen schwulen venezolanischen Informanten einsetzte. Es sind weichgezeichnete Heldenbilder, die im Programm des Senders CBS, der seit 2025 zur Trump-nahen Mediengruppe Paramount Skydance gehört, wie Märchen aus längst vergangenen Zeiten wirken.

Meine Wertung: 2.5/5

Die Serie "CIA" wird in den Vereinigten Staaten seit dem 23. Februar wöchentlich auf CBS ausgestrahlt. Ein deutscher Starttermin ist noch nicht bekannt.



 

Über den Autor

Gian-Philip Andreas hat Kom­mu­ni­ka­tions­wis­sen­schaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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Leserkommentare

  • Hauptkommissar schrieb am 04.03.2026, 20.10 Uhr:
    Nichtsdestotrotz bin ich auf "CIA" Gespannt! Tom Ellis und Nick Gehlfuss sind definitiv Gründe die Serie zu schauen!