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Programmänderung: Das Erste streicht Wuhan-Dokumentation am Montagabend

Das Erste ändert äußerst kurzfristig sein Programm am späten Montagabend (15. Juni). Ursprünglich sollte um 22.45 Uhr innerhalb der Reihe
Die Dokumentation sollte den Ausbruch der Corona-Pandemie in Wuhan rekonstruieren - von der Entdeckung und Ausbreitung des Virus bis zur Lockerung der Maßnahmen. Die Zuschauer solten Einblicke in eine beispiellose Kette aus radikalen Entscheidungen bekommen. Zu sehen sein sollten auch exklusive Interviews mit Epidemiologen aus China, die der Zentralregierung zum Lockdown geraten haben.
Durch die Einschränkungen der Pressefreiheit in China wurde es unabhängigen Journalisten jedoch erschwert, sich ein Bild vor Ort zu machen. Zwischenzeitlich kam durch die Süddeutsche Zeitung ans Tageslicht, dass die Produktionsfirma keine eigenen Journalisten nach Wuhan geschickt hatte, sondern auf Filmmaterial und Interviews zurückgreift. Die Produktionsfirma arbeitete mit dem China Intercontinental Communication Center (CICC) zusammen, einer Unterabteilung des Informationsbüros des chinesischen Staatsrats. Seit Februar wird im Zentrum des Ausbruchs gedreht. CICC bot den Filmemachern der Gebrüder Beetz Filmproduktion Berlin einen vorgeschnittenen Film mit ausgewählten Interviews an. Doch da es sich um Propaganda handelte, in der China als Held der Krise dargestellt wird, lehnten die Filmemacher den vorgeschnittenen Film ab und fragten nach dem Rohmaterial.
Dort stießen sie auf überraschende Aufnahmen: Interviews mit chinesischen Virologen und Ärzten, die eine Zurückhaltung von Informationen bestätigen, Berichte von überfüllten Krankenhäusern, Aufnahmen aus Hochsicherheitslaboren von internen Videoanlagen -Material, das das CICC für den Propagandafilm nicht ausgewählt hat. Die Produzenten der SWR-Doku sicherten sich angeblich das Material vertraglich und akzeptierten eine Beratung durch CICC. Das "editorial right" und damit das redaktionelle Letztentscheidungsrecht über die Verwendung und freie Auswahl des Materials in Text und Bild liegt allein beim SWR als ausstrahlenden Sender.
Aus insgesamt 67 Stunden Rohmaterial sollten Fakten überprüft und eingeordnet werden. Welche Informationen gibt das Material her? Und vor allem: Was erzählt es nicht? Die Puzzleteile liefern kein vollständiges Bild, sollten aber eine Momentaufnahme zur Zeit des Ausbruchs wiedergeben. In der am Vormittag veröffentlichten Pressemitteilung teilt der SWR nun jedoch mit, dass es dem Sender bei der intensiven redaktionellen und rechtlichen Prüfung wichtig war, dass die Dokumentation allen journalistischen und juristischen Ansprüchen genügt. Erst am gestrigen Sonntag habe der SWR erfahren, dass die beauftragte Produktionsfirma - anders als zunächst gedacht - nicht die erforderlichen Rechte am verwendeten Filmmaterial des China Intercontinental Communication Center (CICC) einräumen kann.
Damit fehlt eine Grundvoraussetzung für die beim SWR gültigen journalistischen Standards für das Verwenden von fremdem Rohmaterial. Da eine einvernehmliche und für den SWR akzeptable Rechteklärung zwischen dem Produzenten und CICC leider nicht erreichbar erscheint, plant der SWR derzeit keine Ausstrahlung
, heißt es. Bis zuletzt habe man mit der Produktionsfirma für die Realisierung dieses "wichtigen Projekts" gekämpft. Der SWR bedaure nun die kurzfristige Absage und bittet dafür um Verständnis.
Anstatt der Wuhan-Doku zeigt Das Erste als Ersatz um 22.45 Uhr nun die Dokumentation "Sneaker - Der große Deal mit Turnschuhen". Die Autoren Fabian Nast und Jannes Giessel erklären, wie der Hype um Sneaker entstanden ist, wie das Geschäft mit der Streatwear funktioniert und wer wie davon profitiert.
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Leserkommentare
snuw2net schrieb am 15.06.2020, 19.38 Uhr:
Herr Riedmeier, vielen Dank für ihren ausfühlichen (und wie immer fundierten) Beitrag, den ich mit großem Interesse aufgenommen habe, da ich mich schon verwundert fragte, warum diese Programmänderung stattgefunden hat. Es ist also nicht die chinesische Botschaft, die intervenierte :)
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