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Ende Januar 2026 schlug Horroraltmeister Sam Raimi (
Der popkulturelle Einfluss des 1954 veröffentlichten Buchs, das die Natur des Menschen am Beispiel einer urplötzlich ums Überleben kämpfender Gruppe britischer Jungen mit einem nihilistischen Blick seziert, ist enorm. Geschichten wie
Wie auch die literarische Vorlage beginnt die erste Serienbearbeitung in media res, schleudert den Zuschauer unvermittelt ins Geschehen hinein: Während eines nicht näher beschriebenen Krieges in den 1950er-Jahren stürzt ein Flugzeug mit britischen Schuljungen auf einer namenlos bleibenden, unbewohnten Tropeninsel ab. Da alle Erwachsenen an Bord ums Leben kommen, sind die Heranwachsenden komplett auf sich allein gestellt. Auf zivile Umgangsformen trainiert, versuchen sie, auch hier, weit weg von allen gesellschaftlichen Leitplanken, eine Ordnung zu errichten. Doch schon die demokratische Wahl des Anführers ist mit Konfliktpotenzial verbunden.

Gegenüber stehen sich der eher sanftmütige Ralph (Winston Sawyers), der die schreckliche Situation als Oberhaupt für alle so erträglich wie möglich machen möchte, und der dominante Jack (Lox Pratt), Kopf einer militärisch aufmarschierenden Chorgruppe. Dass die meisten Stimmen auf Ersteren entfallen, schmeckt Letzterem gar nicht. Zunächst gibt er sich aber damit zufrieden, dass er und seine Sangesknaben als Wildschweinjäger eine wichtige Rolle innerhalb der Gemeinschaft übernehmen können. Auch das Signalfeuer, das vorbeifahrende Schiffe auf die Gestrandeten aufmerksam machen und daher immer brennen soll, verspricht er, mit seinen Leuten zu überwachen.
Risse bekommt das fragile Zusammenleben, als vor allem einige der kleineren Kinder von einem angeblich auf der Insel hausenden Monster berichten und Jacks Trupp im Jagdfieber wichtige Aufgaben und Erfordernisse vernachlässigt. Ralph und seine rechte Hand Piggy (David McKenna), ein korpulenter Asthmatiker mit Brille, der eigentlich Nicholas heißt (im Roman wird er nur bei seinem abwertenden Spitznahmen genannt) und als Stimme der Vernunft mit vielen pragmatischen Ideen aufwartet, bemühen sich, die Ordnung aufrechtzuerhalten. Allerdings kommt es schon bald zu ersten Zersetzungserscheinungen, bricht die wilde, archaische Seite der Schuljungen durch.So weit das Grundgerüst von Goldings Buch, dem Jack Thorne in seiner Version größtenteils treu bleibt. Spannungsfanatikern sei gleich gesagt:

Protagonisten, die Golding fast nur über ihr konkretes Handeln in ihrer Notlage auf der Insel beschreibt, genauer auszuleuchten, ist keineswegs ungefährlich. Denn schnell kann man da auf küchenpsychologischem Terrain landen. Tatsächlich sind längst nicht alle Flashbacks so ergiebig, wie es die Serienmacher gerne hätten. Manchmal gelingen ihnen aber Momente kluger, erhellender Präzision. Etwa, wenn Jack kurz vor dem Abflug allein auf dem Rollfeld steht, während die anderen Kinder von ihren Eltern verabschiedet werden.
Zweifellos baut "Lord of the Flies" den Anführer der Chorgruppe, gemäß dem Ursprungswerk, als großen Antagonisten auf, als einen charismatischen Manipulator, einen Populisten, der die Wirkmacht der Angst, vor allem vor dem mutmaßlichen Monster, geschickt für seine Zwecke zu nutzen weiß. Besonders in ihm zeigt sich der zeitlose Charakter von Goldings Klassiker, haben gewaltbereite Verführer wie Jack doch in unserer so aufgeheizten Gegenwart immer mehr Rückenwind. Einerseits steht er für das Böse im Menschen, die destruktiven Triebe, die unter normalen Umständen durch gesellschaftliche Regeln zumeist im Zaum gehalten werden.
Gleichzeitig betont die neue Adaption jedoch, dass wir alle mehrere Seiten haben, fast niemand einfach nur abgrundtief niederträchtig ist. Jack mag wie der geborene Anführer auftreten, sich selbstsicher präsentieren, aus allem einen Wettbewerb machen und mitunter erschreckend rücksichtslos sein. Mehrfach blitzt in seinen Augen, in seiner Mimik aber auch Furcht und Verwunderung über die Gewalteruptionen auf. Augenblicke, in denen eine Deeskalation möglich erscheint. Wären da nicht die Gruppendynamik, der Erwartungsdruck und die Selbstansprüche, die zu groß sind, um den Schalter umzulegen. Lox Pratt, bald als Draco Malfoy in der

Ralph bildet mit seiner besonnenen Art sicherlich einen Gegenpol zu Jack. Er, der zusammen mit Piggy immer wieder Versammlungen einberuft, um Probleme zu diskutieren, verkörpert den demokratischen Geist, will auch in der Wildnis die Zivilisation nicht aufgeben. Und doch lässt er sich wiederholt aufs Jacks Machtspiele, sein Kräftemessen ein. Obwohl die Serie Ralph bzw. sein Verhalten zum Ende hin als Hoffnungsschimmer in einer düsteren Geschichte anpreist, ist er nicht frei von Schwächen. Piggys Bitte, den anderen Jungen seinen Spitznamen nicht zu verraten, schießt Ralph in den Wind. Nach einem grausamen Todesfall sucht er, freilich unter Schock stehend, nach Ausreden (eine weitere Abweichung vom Roman, wo Piggy Ausflüchte vorbringt). Und was wohl am schwersten wiegt: Dem grüblerischen, das blutige Chaos voraussehenden Simon schenkt er zu wenig Gehör.
Womit wir bei der vielleicht interessantesten Figur des Vierteilers wären, der Darsteller Ike Talbut eine faszinierend-rätselhafte Aura verleiht. Simon ist ein Beobachter, spricht nur das Nötigste. Sagt er dann aber doch mal etwas, hat es Hand und Fuß. Oder hätte es, wenn man ihn denn öfters ausreden lassen würde. Nicht nur als Mitglied der Chorgruppe hat er ein besonderes Verhältnis zu Jack, das schon in der ersten Folge einen Knacks bekommt. Wie ein Geist wandelt Simon des nachts über die Insel und begreift als Einziger bzw. vor allen anderen, was das Angst und Schrecken verbreitende Inselmonster in Wahrheit bedeuten könnte. Unter die Haut geht auch seine Vorgeschichte, die Talbut in einer Szene mit wenigen Worten und intensiven Blicken greifbar macht. Schade ist allerdings, dass der Herr der Fliegen aus dem Titel, ein aufgespießter, von Insekten belagerter, das Teuflische symbolisierender Schweinekopf, in der BBC-Produktion selten richtig zur Geltung kommt. Ein "Zwiegespräch" mit Simon an einer markanten Stelle der Handlung fehlt dadurch etwas der Punch. Die in Goldings Roman angelegten Bezüge zwischen dem Grübler und Jesus Christus stellt die Serie dafür womöglich etwas zu explizit aus.
Dass "Lord of the Flies" trotz kleiner Schwächen in den Bann zieht, liegt nicht zuletzt am eigenwilligen visuellen Konzept, das die kreativen Entscheidungsträger um Regisseur Marc Munden für Goldings grimmige Coming-of-Age-Story entwickelt haben. Ähnlich wie in der Folkhorrorminiserie
Die ersten beiden Folgen der Miniserie "Lord of the Flies" werden am 24. Februar um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic veröffentlicht und sind am selben Tag über WOW und Sky Go verfügbar. Kapitel 3 und 4 folgen eine Woche später am 3. März.
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