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Interview mit "Traumschiff"-Regisseur Hans-Jürgen Tögel
(16.03.2010)

HJT: Auf jeden Fall, das ist es. Es gab Sachen, da wusste man, man bekommt eine schöne Geschichte, gute Schauspieler, ein bissel spannend ist es auch, so wie "Derrick" zum Beispiel. In der damaligen Zeit war das sensationell, nicht umsonst haben wir 283 Folgen gedreht. Irgendwoher muss das ja kommen.
Nachdem Sie so lange und so viel gedreht haben, ist Regie führen für Sie eher Kunst oder Handwerk?
HJT: Ich würde sagen, es ist ein Mix aus beidem. Es ist unbedingt wichtig, das Handwerk so gut zu beherrschen, dass man das, was man künstlerisch machen will auch umsetzen kann. Wenn ich eine Idee habe, muss ich auch wissen, wie man diese realisieren kann. Und ob die Produktion das auch finanzieren kann.
Wie sehen Sie heute Ihre älteren Serien, "Derrick" zum Beispiel?
HJT: Es ist natürlich eine Form der Dramaturgie, die ist heute indiskutabel. Die Art der Umsetzung. Diese Großaufnahmen auf das Gesicht einer Person, und die sagt dann irgendwas Unbedeutendes. Das geht heute gar nicht mehr. Wer da stehen geblieben ist, der kann gleich nach Hause gehen, der kriegt keinen Job mehr.
Beeinflusst es ihren Stil, für welche Serie Sie drehen?
HJT: Ich suche mir den Film so aus, dass er auch als Einzelstück bestehen kann. Dass ich mich an etwas anlehne, weil der Stil so oder so ist, das gibt es nicht.
In den 90ern ist es eine Zeitlang vollkommen out gewesen, amerikanische Serien zu importieren, seit ein paar Jahren machen es zumindest die Privaten wieder verstärkt. Was halten Sie von den US-Serien?
HJT: Erstmal sind die Serien teuer, mit unglaublich viel Fantasie erzählt, an so was trauen wir uns ja gar nicht ran. Nehmen Sie zum Beispiel "Der Schwarm" von Schätzing, das ist doch ein geniales Buch. Das haben die Amerikaner sofort gekauft. Aber bei uns traut sich keiner, das zu machen. Die meisten haben auch gar kein Geld dafür. Die Amis trauen es sich, da ist Power, da ist Action, alles was man sich wünscht. Weil die auch bereit sind, sich das was kosten zu lassen. Und in Deutschland muss man halt alles einfacher machen, weil es kein Geld gibt.
Würde es Sie reizen, unter amerikanischen Bedingungen zu drehen?
HJT: Ja natürlich. Selbstverständlich. Denn was das Tolle ist: Man hat vorher lange Besprechungen, man redet mit allen Leuten, dann werden die Sachen gebaut, dann wird präzise gesagt, wo man was haben will. In Amerika ist es so: Wenn man einmal was gesagt hat, dann kriegt man es auch. Aber dann kann man nicht mehr umswitchen und noch mal Änderungen wollen, das geht nicht mehr. Die Vorbereitung ist da viel genauer.
Gibt es aktuelle Serien, die Ihnen gut gefallen?
HJT:
Was ist als nächstes von Ihnen zu sehen?
HJT: Ich hab jetzt gerade das "Traumschiff" gemacht. Das läuft am ersten Januar, da geht?s nach Bora Bora. Und dann mache ich "Kreuzfahrt ins Glück", erfreulicherweise läuft das aber alles immer um die Weihnachtszeit.
Ist das "Traumschiff" Arbeit oder Urlaub?
HJT: Das ist schon richtig Arbeit. Wir drehen ja jeden Tag unsere sieben Minuten, und das dann an drei oder vier verschiedenen Orten, also da gibt es schon richtig was zu tun. Urlaub gibt?s da nicht. Auch die Logistik stellt dich vor immer neue Aufgaben. Jetzt waren wir wie gesagt auf Bora Bora, da konnten wir nicht drehen, weil es geregnet hat. Dann kam auch noch ein Taifun vorbei und dann muss man abwarten. Da war der Zeitplan natürlich im Eimer, da haben wir dann sechs Tage einfach so rumgesessen und konnten gar nichts machen. Das ist dann allerdings Urlaub.
Das Interview führte Jens Dehn für wunschliste.de
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