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TV-Kritik/Review: "Wonder Man": Die wohl beste Marvel-Serie, die Marvel-Fans nicht mögen werden
von Bernd Krannich(27.01.2026)

Marvel veröffentlicht die neue Miniserie Wonder Man
hinterherhechelt: Erzählt wird hier zu 90 Prozent eine Geschichte über das Filmgeschäft im Allgemeinen und über Schauspieler im Speziellen. Fast wirft die Serie auch die Frage auf: Muss das eine Marvel-Geschichte sein?
Freigeschaltet wird "Wonder Man" mit seinen 8 knapp halbstündigen Episoden auf einen Schlag - das lädt einerseits zum Bingen an, ist andererseits auch ein Markenzeichen von Spotlight-Serien (wie

Zum Rahmen
Simon Williams ist seit seiner Jugend geradezu besessen von Film, Fernsehen und Schauspiel. Er ist ein wandelndes Lexikon der Filmgeschichte, kennt auch obskurste Rollen von Schauspielkollegen. Eine besondere Liebe hat er zum 80er-Jahre Comic-Film "Wonder Man" - den er mit seinem jung verstorbenen Vater im Kino gesehen hatte. Über diesen "Wonder Man"-Film und seinen Protagonisten erfahren die Zuschauer in Filmausschnitten mit cringen Spezialeffekten nur sehr wenig: Wonder Man ist ein sehr einsamer Superheld, der nur einen wahren Freund hat, für dessen Rettung er im immer wieder präsenten Filmausschnitt bereit ist, in den Tod zu gehen. Damit kann Simon sich identifizieren, er lebt in der stillen Hoffnung, irgendwann auch so einen Freund zu finden.

Einstweilen ist Simon total verkopft und steht sich bei seinen Versuchen in Hollywood meist selbst im Weg. Später erfahren wir, dass sein großer Bruder, Versicherungsvertreter Eric (Demetrius Grosse), dem finanziell erfolglosen Schauspieler Simon schon seit Jahren den Lebensunterhalt finanziert. Und auch Martha (Shola Adewusi aus
Die Handlung beginnt
In einer neuen beruflichen und privaten Krise kreuzt Simon in einer Nachmittagsaufführung von Then I took a role posing as an international terrorist to pay my drug and prostitution debts
, wie er es an einer Stelle selbst erklärt, als er mal wieder wiedererkannt wird). Durch Slattery erfährt Simon, dass der berühmte, oscarprämierte Regisseur Von Kovak (Zlatko Buric) seinem alten Film "Wonder Man" einen neuen Anlauf geben will.
Simon ist sofort Feuer und Flamme und setzt in seiner manischen Art Himmel und Hölle in Bewegung, um durch seine treue Agentin Janelle Jackson (X Mayo) ein Vorsprechen zu bekommen. Als das nicht fruchtet, weil Simon für die Titelrolle in einem Superheldenfilm einfach nicht bekannt genug ist, trickst er sich eben in die Casting-Session. Dort begegnet er erneut Slattery. Obwohl beide um die selbe Rolle konkurrieren, greift der abgeklärte Veteran dem "Neuling" unter die Arme und coacht ihn zu einem erfolgreichen Vorsprechen. Die Grundlage für eine Odd-Couple-Freundschaft und damit das Rückgrat der Serie ist gelegt: Die blickt im Folgenden auf die Abenteuer von Simon und Trevor.
In einer Mischung irgendwo zwischen

Parallel bekommen die Zuschauer diverse Facetten des Schauspielerlebens vorgeführt: Vorsprechen in Konkurrenz zu Dutzenden Kollegen; die Notwendigkeit, weiteres eigenes Videomaterial als Bewerbungsmaterialien zur Verfügung zu stellen (seit der Pandemie besonders bei Arbeitgebern beliebt unter dem Begriff "self-taping"), der Umgang von Simons Familienmitgliedern mit dessen mangelndem Erfolg und schließlich Umgang mit dem extrem exzentrischen Regisseur Von Kovak.
Im Kontext von "Wonder Man" ist es kein wirklicher Spoiler anzumerken, dass die Geschichte von einem Schauspieler in der Rolle eines Superhelden handelt, der schließlich selbst mit Superkräften zurechtkommen muss. Dadurch kommt die letzte Handlungsebene ins Spiel. In seiner Situation muss Simon zusätzlich zu allen anderen Belastungen damit klarkommen, dass sogenannte "enhanced humans" (Menschen mit besonderen Kräften) nicht in professionellen Film- und Fernsehproduktionen engagiert werden dürfen - es fallen einfach gewaltige Versicherungskosten wegen möglicher Schäden an. Die Serie widmet eine komplette, sehr eigenwillige Episode dem Hintergrund dieser Regelung - durch die leider auch der komplette Erzählfluss der Miniserie zerrissen wird, was auch den Gesamteindruck "um einen halben Stern" schmälert.
Bittere Realität
An dieser Stelle kommt dann auch endlich mal was mit Superhelden in die Serie, zusammen mit einem fetten Schuss bitterer Realität. Das Department of Damage Control in Gestalt von Agent Cleary (Arian Moayed) hat das "Problem", das zum Wegsperren potentiell gefährlicher "enhanced humans" ein tolles Hochsicherheitsgefängnis gebaut wurde - das nun "unterbelegt" ist. So suchen die Agenten verzweifelt nach "Nachschub" und Agent Cleary versteift sich dabei auf unerklärte Vorgänge um Simon, gegen den er daher Ermittlungen führt. In den USA sind privatwirtschaftlich betriebene Gefängnisse und die Lobby-Arbeit, die sie füllen soll, schon seit Jahrzehnten ein nationales Problem. Das hat zudem mit der zweiten Amtszeit von Präsident Trump und ihrem Kampf gegen undokumentierte Einwanderer eine neue Qualität erreicht, wobei es aktuell zu einem Gutteil auch darum geht, Quoten von verhafteten Verdächtigen zu erfüllen, statt wie proklamiert die Sicherheit der Bevölkerung etwa vor organisierter Kriminalität und Banden zu gewährleisten.
Wie zuvor angesprochen geht es in "Wonder Man" recht meta zu. Das macht in der Regel Spaß und regt auch zu einer Auseinandersetzung an: Marvel-Leute blicken auf Schauspieler, aber auch auf die Filmindustrie allgemein. Neben pointierten Diskussionen unter den schauspielenden Charakteren über ihren Beruf und ihr Selbstverständnis (ihre Berufung) geht es auch um Karriereplanung, finanzielle Absicherung oder Hierarchien am Set. Natürlich dürfen auch Meinungen über Remakes (wie es der Film im Film "Wonder Man" ja ist) oder Sequels nicht fehlen. Ebensowenig wie diverse Easter Eggs und natürlich Schauspieler, die verfremdete Versionen ihrer selbst spielen (worüber Rezensenten aber zum Schweigen verdammt wurden).
Hauptargument für "Wonder Man" sind aber unzweifelhaft die schauspielerischen Leistungen von Yahya Abdul-Mateen II als getriebenem Mann, der sich selbst noch mehr unter Druck setzt, als es sein Umfeld schon tut, und Ben Kingsley in der Rolle des "alten Narren": Der kann hier ebenso in einer "Diskussion unter Kollegen" mit unglaublicher Gravitas ein paar Zeilen Shakespeare zum Besten geben, wie auch ins Plappern verfallen, wenn sein "altes Leben" ihn einholt, und sich schließlich als fürsorglicher Freund zeigen, wenn er Simon dabei hilft, Anspannung und/oder Lampenfieber zu bezwingen.
Um den Kreis zum Anfang zu schließen: Die wesentlichen Inhalte von "Wonder Man" hätte man auch außerhalb des Marvel-Universums erzählen können, etwa indem Simon aus anderen Gründen ungerechtfertigt ins Visier von Strafverfolgungsbehörden gerät. Aber am Ende, so viel sei verraten, braucht es dann halt doch (kurz) noch einen Superhelden...
Die Miniserie "Wonder Man" wird auf Disney+ in Deutschland mit allen acht Episoden am 28. Januar um 3.00 Uhr morgens veröffentlicht.
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