Er kostete seine Blockfreiheit voll aus: Während er das vibrierende West-Berliner Nachtleben orchestrierte und in den angesagtesten Clubs arbeitete, verdiente er sich mit zwielichtigen Geschäften durch die Berliner Mauer eine goldene Nase. Mehr als 25 Jahre nach ihrem Fall ist diese Mauer in Dragans Kopf höher denn je: 1989 verlor er seine Privilegien. Die Wende macht er für seinen persönlichen Niedergang verantwortlich - und hat seit Jahren keinen Fuß mehr nach Ost-Berlin gesetzt. Er lebt von den Erinnerungen an goldene Zeiten und kämpft täglich virtuos ums Überleben. DRAGAN WENDE - WEST BERLIN ist ein skurril-humorvolles Porträt. Es wirft einen originellen Blick in einen verborgenen Winkel der einschlägigen Geschichte des geteilten Berlins. Diese Milieustudie, in welcher Dragan Wendes Neffe Vuk einen Film über seinen legendären Onkel dreht, ist tief in West-Berlin verankert. Zuschauer entdecken und erleben die bizarre Welt seines Onkels und dessen tragikomisches Umfeld vor der Kulisse eines vergessenen Berlins der 80er Jahre, das in alten Aufnahmen erneut zum Leben erwacht. Vuks qua Familienbande privilegiertes Kameraauge erschließt einen schrulligen Mikrokosmos, der amüsiert, berührt oder auch verstört. Der Film zeichnet die Geschichte einer Underdog-Familie nach, erzählt am Küchentisch eines exzentrischen und mürrischen Bordell-Türstehers, in dessen Kopf die Mauer immer noch fest zementiert ist. Dieser Film schafft, was nur wenigen Dokumentarfilmen gelingt: er unterhält, er berührt und regt zum Nachdenken an.
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