"Nach dem Tornado habe ich immer gesagt: Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist, wenn einem das Dach übern Kopf zusammenkracht oder das Wasser in die Wohnung stürzt. Jetzt weiß ich es. Es gibt kein Oder, es ist in jedem Fall eine Katastrophe." Die das sagt, hat genau diese zwei Katastrophen erlebt: Sabine Kliem aus Kleinthiemig bei Großenhain. Im Mai 2010 hatte der Tornado mit aller Wucht das Haus zerstört, dann traf es im September ihre Praxis. Die Röderflut raubte alles: Unterlagen, Akten, Möbel, Technik. Das sei Existenz bedrohend gewesen, nicht nur weil sie alles verlor, sondern auch, weil sie sich nicht mehr im Griff hatte. Sonst immer für andere da, benötigte die Ärztin jetzt selber Hilfe. Dringend Unterstützung braucht auch Kay Steinbach. Als am 7. August 2010 die zwei Meter hohe Flutwelle der Neiße durch die Produktionshallen der Firma Yeti strömte, wurden sämtliche Maschinen und Waren im Wert von zwei Millionen Euro zerstört. Ein Viertel Jahr später ist die Halle zwar ausgeräumt, doch es riecht modrig - die Wände sind immer noch feucht. An einem normalen Arbeitsablauf ist nicht zu denken. Den Standort Yeti in Görlitz gibt es nicht mehr. Hilfe vom Freistaat gab es bisher kaum, obwohl viel versprochen wurde, klagt Geschäftsführer Kay Steinbach. "Es ist zum Verrücktwerden. Jahrelang haben mich alle gefeiert, die Politik, die Wirtschaft. Als ich mit Preisen überhäuft wurde, wollten sich alle mit mir fotografieren lassen, und nun lassen mich die gleichen Leute hängen." Der Schlafsackproduzent träumt trotzdem, dass es irgendwie weitergeht: "Wenn ich jetzt aufgebe, dann war alles umsonst." Umsonst, das könnte man durchaus meinen, war auch die jahrzehntelange Sanierung des ältesten deutschen Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal. Kostenpunkt 20 Millionen Euro. Die Neiße scherte sich nicht darum. 24 Stunden stand das Wasser im Klostergelände, als es fort floss, blieb der Schlamm. Die Verzweiflung der Nonnen war groß, erinnert sich Schwester Elisabeth: "Nach der Flut ist vor der Flut. Wir legen uns jetzt ein paar Kajaks zu. Für uns steht eins fest, unser Kloster hat standgehalten. Gott will es hier haben. Wir bleiben. Auf jeden Fall." Heiligabend jedenfalls werden die Nonnen wie seit 736 Jahren hier singen und feiern: Gott sei Dank.
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