7. Oktober 1989. In Plauen demonstrieren Tausende. Nicht zum DDR-Geburtstag - sondern gegen das SED-Regime. Mit Knüppeln und Wasserwerfern versuchen Volkspolizei und Stasi vergeblich, die Demonstration aufzulösen. Wird nun geschossen? Thomas Küttler, Superintendent der evangelischen Kirche, sucht das Gespräch mit der Obrigkeit und es gelingt ihm in dieser aufgeheizten Situation, den Einsatzleiter zu überzeugen, die Demonstration zu dulden. In Plauen gelingt, was in Leipzig erst zwei Tage später, am legendären 9. Oktober geschieht: Die protestierenden Massen setzen sich gegen die Machthaber durch. Die Kirche war den Genossen schon immer verdächtig - eine Institution, die überall, in fast jedem Ort präsent war und sich trotzdem der Befehlsgewalt der Machthaber entzog. Und so kamen gerade in der Provinz die Motoren des Umsturzes im Herbst 1989 aus den Kirchen. Hier wurden die Oppositionsgruppen gegründet, die Demonstrationen geplant, die Besetzung von Stasi-Dienststellen vorbereitet. Und manchem kirchlichen Mitarbeiter wuchs plötzlich eine immense Verantwortung zu. Der Raum Bitterfeld-Wolfen ist fast ein Sinnbild für den vollkommen abgewirtschafteten SED-Staat. Das Wort Umweltverschmutzung klingt hier - inmitten maroder Industrieanlagen und völlig vergifteter Flüsse und Seen - absolut verharmlosend. Axel Noack ist Pfarrer in Wolfen und bietet in seiner Kirche den Raum für die Oppositionsgruppen, die sich auch hier sehr schnell gründen. Auch er steht vor der Herausforderung, den aufbrandenden Unmut und Protest zu organisieren. Der spätere Magdeburger Bischof ruft in der Region den "Runden Tisch" ins Leben und wird damit ein wichtiger Mann für die Abwicklung des SED-Regimes in einem der am schlimmsten durch Misswirtschaft zerstörten Landstriche der DDR. Rudolf Keßner in Weimar ist schon lange Jahre in der Opposition aktiv - und in seiner Kirchgemeinde. Ein Pfarrer überredet ihn noch 1988, nicht in den Westen auszureisen, weil er doch hier gebraucht würde. Im Herbst 1989 ist Keßner einer der ersten auf der Straße. Er führt auch den Demonstrationszug an, der am 5. Dezember die Stasi-Kreisdienststelle besetzt. Und hier geht der Umsturz so weit, dass ihm der letzte dort anwesende Mitarbeiter die Schlüssel zur SED-Kreisleitung übergibt, weil die Partei ja nun abtreten müsse. In der sogenannten Provinz gelang der Umsturz oft schon eher und ging weiter als in den bekannten Metropolen der friedlichen Revolution.
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