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TV-Kritik/Review: "Bruder - Schwarze Macht": Allzu didaktisches Porträt einer Radikalisierung

TV-Kritik/Review: "Bruder - Schwarze Macht": Allzu didaktisches Porträt einer Radikalisierung

von Gian-Philip Andreas (27.10.2017)
Sibel Kekilli vermag dem schematischen Problemdrama kein Leben einzuhauchen
Sibel Kekilli und Yasin Boynuince in "Bruder - Schwarze Macht"
Bild: ZDF/Gordon Timpen
TV-Kritik/Review: "Bruder - Schwarze Macht": Allzu didaktisches Porträt einer Radikalisierung/Bild: ZDF/Gordon Timpen

Wie werden aus mehr oder weniger unbescholtenen jungen Menschen religiöse Fanatiker? Warum lassen sich zuvor unauffällige Söhne, Freunde, Brüder vor den Karren einer mörderischen Ideologie spannen? Das sind wichtige Fragen, die nicht erst seit den islamistischen Attentaten der jüngeren Zeit gestellt werden, nach denen es immer wieder hieß: Die Täter ließen sich in Europa radikalisieren, im Internet, in einer fundamentalistischen Hinterhofmoschee.

Es sind viele Artikel darüber geschrieben worden, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ein solch exemplarisches Radikalisierungsmuster den Weg ins öffentlich-rechtliche Thesenfernsehen der narrativen Nachrichtenverwurstung finden würde. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich hat das seine Berechtigung. Für die Aufarbeitung im schulischen Kontext dürfte sich die ZDFneo-Produktion "Bruder - Schwarze Macht" hervorragend eignen. Jenseits dessen aber wird es der bieder voranschreitende, allzu sehr aufs Beispielhafte, stereotyp Verwertbare setzende Vierteiler schwer haben, sich in der Serienkonkurrenz durchzusetzen.

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Ein dunkel dräuender Vorspann und ein, zwei nach Suspense heischende Vorausblenden reichen eben nicht, um auf ganz großes Fernsehen zu machen. Regisseurin Randa Chahoud, Grimme-Preis-nominiert für "Ijon Tichy: Raumpilot", müht sich dabei nach Kräften, der sich erklärjournalistisch entfaltenden Handlung Leben einzuhauchen, mit agiler Handkamera und pulsierenden Close-Ups, doch alles Pathos der Großaufnahme stößt an seine Grenzen, wenn das Buch von Ipek Zübert ("Ein Atem"), Andreas Dirr ("Notruf Hafenkante") und Newcomer Raid Sabbah jeden Flow mit schmerzhaft papiernen Dialogzeilen ausbremst.

Als Zentralfigur haben sie die türkischstämmige Hamburger Polizistin Sibel erfunden, die von Sibel Kekilli gespielt wird, weil die Autoren, so wird kolportiert, beim Schreiben schon an sie gedacht hatten. Kunststück, ist sie doch die bekannteste türkisch-deutsche Schauspielerin ("Gegen die Wand", "Die Fremde") im Land. Sibel, die Polizistin, wird als redlich und engagiert eingeführt, mit Mann Kurt und der sechsjährigen Tochter Miriam führt die attraktive Mittdreißigerin ein beschauliches Familienleben (den Tischler Kurt spielt "Stromberg"-Star Bjarne Mädel nordisch entspannt, später ratlos-verzweifelt), im Beruf steht sie kurz vor der Beförderung zur Hauptkommissarin. Ihr Idealismus bringt sie in Bedrängnis: Den zu Selbstjustiz im Amt und rassistischer Gewalt neigenden Kollegen André (Friedrich Mücke, "Add a Friend") zeigt sie an. Konsequenz im deutschen Erklärfernsehen: Die anderen Kollegen schneiden sie schon in der nächsten Szene, sprechen nicht mehr mit ihr. Das ist symptomatisch für den Plot, der viel zu oft nach simplen Reiz-Reaktions-Schemata operiert.

Melih (Yasin Boynuince) nachts an Hafen
Melih (Yasin Boynuince) nachts an Hafen

Unbill droht auch an der Familienfront: Mit der verwitweten Mutter pflegt die vaterlos aufgewachsene Sibel ein schwieriges Verhältnis, doch größere Sorgen wird ihr jüngerer Bruder Melih (Yasin Boynuince) bereiten. Der ist allerdings so sympathisch, charmant, intelligent und einnehmend, dass man schon am Anfang Probleme damit hat, in ihm den orientierungslos kleinkriminellen EC-Kartendatendieb zu sehen, als den die Autoren ihn uns weismachen wollen. Man versteht nicht ganz, warum der clevere Melih den ganzen Tag in einem zwielichtigen Handyladen im Problemkiez von Wilhelmsburg rumhängt. Weil als Motive für Melihs späteres Abgleiten in den IS-Terror alltägliche Ablehnung, Herabsetzung, Schwierigkeiten bei der Integration und ein Gefühl der Heimatlosigkeit quasi feststehen, mussten enstprechende Szenen dafür gefunden werden. Also werden Melih und sein deutscher Freund Tobi (Rouven Israel) in einer ungelenk gespielten und geschriebenen Sequenz vom türkischen Türsteher abgewiesen, als sie einen Club besuchen wollen. Weil er "Kanacke" ist, weiß Melih.

Dann aber ist es zunächst Tobi, der in die Fänge der Fundamentalisten gerät: In einem (in der Realität vielfach belegten) Akt der Überassimilation lässt sich der dickliche deutsche Außenseiter vom charismatischen Anwerber Baris (gut, weil gefährlich ruhig: Tim Seyfi aus "Koslowski & Haferkamp") in die salafistische Gemeinde des Islamisten Abu Nour locken. Der Prediger mit dem roten Fusselbart ist ein deutscher Konvertit namens Phillip - klare Sache, dass der reale Salafist Pierre Vogel für diese Figur Pate stand. In Abu Nours radikalem Zirkel fühlt sich Tobi aufgehoben, bald legt er die Shahada ab, das Glaubensbekenntnis, und schon wenige Tage später rennt er im Kaftan durch Hamburg und klopft frömmelnde Sprüche.

Melih selbst bleibt Kommentarfigur, der die Wandlung des deutschen Freundes zum muslimischen Vorzeigefundamentalisten kopfschüttelnd begleitet, und letztlich legt er diese Funktion bis (fast) zum Schluss nicht ab. Beinahe übernimmt er die Rolle von uns Zuschauern, die nicht begreifen können, warum sich Tobi, nun Abu Karim genannt, für den IS-Kampf im Mittleren Osten einspannen lassen möchte, nur weil er in einer durch eine Burka verhüllte Chat-Partnerin auf Skype seinen "Engel der Wüste" erkannt haben will (O-Ton: "Ich fahr ins Kalifat, okay? Ich fahr zu Fatima!"). Melihs Beobachterfunktion ist dramaturgisch ein Problem, denn die Hauptstory um seine Schwester Sibel, die nebenher noch einen Fall um illegal verkaufte Pässe verstorbener Deutschtürken löst, wird dadurch fast überflüssig. Es kommt alles nach didaktischem Plan: Auch Melih driftet ab, nicht weil dies aus der Handlung heraus glaubhaft wäre, sondern weil er das plotgemäß muss. Er verschwindet, und ein stiller Mann vom Verfassungsschutz (Thorsten Merten, "Halbe Treppe") dient sich Sibel an. Sibel wiederum übertritt beim Versuch, den Bruder zu retten, diverse Gesetze und gefährdet den ehelichen Frieden. Man verrät nicht zu viel, wenn man sagt, dass der Weg zum tragischen Finale ein verlustreicher sein wird, und auch wenn der ganze Aufruhr budgetbedingt nur in Ansätzen nachvollzogen wird (am Ende marodieren immerhin zwei bewaffnete Terrorverdächtige durch Hamburg), so erscheint die Auflösung regelrecht küchenpsychologisch. Weil Melih keinen Vater hatte, ist ihm, dem liebenden Onkel, dem intelligenten Frauenschwarm, plötzlich alles egal? Die szenischen Motivlieferanten (vom verwehrten Discobesuch bis zum prügelnden, rassistischen Polizisten) reichen dafür kaum aus.

Imam Abu Nour (Lennart Lemster, l.) mit Melih (Yasin Boynuince, Mitte, r.) , Tobi (Rouven Israel, 2. v. r.) und anderen Männern beim Tee nachts am Lagerfeuer.
Imam Abu Nour (Lennart Lemster, l.) mit Melih (Yasin Boynuince, Mitte, r.) , Tobi (Rouven Israel, 2. v. r.) und anderen Männern beim Tee nachts am Lagerfeuer.

Es gibt sehr gute Szenen in "Bruder - Schwarze Macht", die andeuten, was mit etwas beherzterem Zugriff aus dem Stoff hätte werden können. Wenn Tobi zwei biertrinkende Türken vor einem Kiosk religiös zurechtweist und dafür entsprechende Repliken erntet ("Bissu Kaftanpolizei? Was' los mit dir?"), kommt erstmals echte Kiez-Atmo auf. Wenn Melih vor dem geplanten Attentat seine Nichte in der Grundschule besucht, wird es aufrichtig emotional. Auch gibt es gute Beobachtungenm, wie die vom moderat gestimmten Imam der Gemeinde, der vor Melihs und Tobis Radikalisierung warnt.

Insgesamt aber überwiegen die Probleme. Sibel Kekillis hölzernes Spiel mag an den gestelzten Sätzen liegen, die sie aufzusagen hat: "Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, dass ich das Richtige getan habe." Aber auch sonst läuft sie wie ein Fremdkörper durch die Szenen, die erfolgreiche Polizistin nimmt man ihr ebensowenig ab wie Israel und Boynuince die radikalisierungsgefährdeten Außenseiter. Tobi und Melih sind und bleiben durchgehend nett und fatal fehlgeleitet; das scheint zu simpel, nicht nur wenn man an Anis Amri denkt, den Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, der eine schwerstkriminelle Karriere hinter sich hatte. Vielfach stimmt auch einfach der Ton der Inszenierung nicht: Kiezdialoge werden nicht dadurch glaubwürdiger, dass man grammtisch komplett korrekten Sätzen ein "Digger" vorne anpappt, und Klischees umschifft man nicht, indem man in jeder Szene, die in islamistische Hinterzimmer führt, akustischen Sheherazade-Kitsch einspielt. Im Gegenteil: Das ist betreutes Fernsehen. Engagiert? Gewiss. Wichtig? Na klar. Aber nicht als Serien-Event, sondern als pädagogisches Arbeitsmittel.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten vier Episoden von "Bruder - Schwarze Macht".


Meine Wertung: 2.5/5


Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: ZDF/Gordon Timpen



Die vierteilige Miniserie "Bruder - Schwarze Macht" ist ab dem 29. Oktober sonntags um 21.45 Uhr bei ZDFneo zu sehen.
 

Leserkommentare

  • Der_Herr_Heinz schrieb am 05.11.2017, 20.24 Uhr:
    Der_Herr_HeinzAbwarten, jetzt lasst die Serie erstmal laufen. Nach nur 1 Folge ist dieser Artikel viel zu früh und deswegen mehr als entbehrlich.
  • faxe61 schrieb via tvforen.de am 27.10.2017, 23.33 Uhr:
    faxe61Ich habe deine Kritik nicht ausführlich gelesen, Gian-Philip. Heute, 27.10.2017, gab es eine Filmkritik im heute-journal, vom ZDF ernannten Terror -Experten Elmar Theveßen dazu und er fand ihn gut. Das hat mich schon abgeschreckt von dem 4-Teiler. Bei der Kritik oder Review merkte ich: "Terror ist sein Ding oder so...". Ich mag Elmar Theveßen nicht. Leider gibts den Clip zur Zeit noch nicht alleine; nur die ganze Sendung.
 

Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").