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TV-Kritik/Review: "Culpa - Niemand ist ohne Schuld": Emotionsarmes Kammerspiel bietet wenig Neues
von Marcus Kirzynowski(12.07.2017)

Peak TV nennt man in den USA den noch immer anhaltenden Trend, dass inzwischen jeder Sender und jeder Onlinedienst seine eigenen fiktionalen Serien produzieren lassen will - und sei er auch noch so klein. Das führt dazu, dass die schiere Anzahl der aktuellen Serien zu hoch geworden ist, um noch den Überblick behalten zu können. Selbst Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen, müssen da mittlerweile kapitulieren. Auch in Deutschland kommen immer neue Player ins Spiel - so gaben jetzt nach Turner und Sky auch die NBC Universal Global Networks Deutschland zum ersten Mal eine (Mini-)Serie für einen ihrer Bezahlsender (13th Street) in Auftrag:
Als schrullige Ermittler haben Geistliche im Krimigenre ja eine gewisse Tradition, man denke nur an Pater Brown. Der von Stipe Erceg gespielte namenlose Priester in "Culpa" ist jedoch kein klassischer (Hobby-)Schnüffler und zudem ein Einzelgänger und schwieriger Charakter: nicht warmherzig und geradeheraus, wie man es sich bei einem Seelsorger wünschen würde, sondern eher ein Grübler und Zweifler. Darüber, was ihn im Inneren wirklich umtreibt, was seine eigene Motivation, seine Geschichte ist, erfährt man als Zuschauer allerdings nur bruchstückhaft etwas. Aber "Culpa" ist eh keine dieser modern erzählten Dramaserien, in denen sich Figuren von Folge zu Folge weiterentwickeln und dadurch die Indentifikationsmöglichkeiten für die Zuseher erhöhen. Statt horizontal zu erzählen, ist die Serie irgendwo in den Erzählmustern der mittleren 1990er Jahre steckengeblieben: eine Episode, ein Fall, jeweils ein oder zwei Episodenhauptrollen. Und nächste Woche geht alles mit anderen Figuren wieder von vorne los.
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Was die Darsteller betrifft, hat diese Serie durchaus vielversprechende Namen im Aufgebot: Nicht nur Erceg selbst hat in Filmen wie "Die fetten Jahre sind vorbei", "Der Baader Meinhof Komplex" oder "Kahlschlag" (dem Sieger der 2006er Ausgabe des Mainzer "Filmz"-Festivals für den deutschen Nachwuchsfilm) bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Auch Ludwig Trepte (
Da fragt etwa in der ersten Episode ein nervöser mittelalter Mann (Dirk Martens), der vorgeblich von seiner herrischen Ehefrau begleitet wird, den Pfarrer, ob es eine Sünde sei, ein leidendes Haustier zu töten. Im Laufe der Folge findet der Geistliche durch beharrliches Nachbohren heraus, dass es sich in Wahrheit weder um die Ehefrau noch um ein Tier handelt. In einer anderen Folge beichtet ein junger Streifenpolizist (Maxim Mehmet), er habe einen vermeintlichen Kindesentführer in seiner Gewalt, den er am liebsten persönlich richten würde. Selbstgesetzte Aufgabe des Priesters ist es nun jeweils, diese getriebenen Menschen davon zu überzeugen, von ihren düsteren Plänen abzulassen; einfach selbst die Polizei zu informieren, verbietet ja das Beichtgeheimnis. Am Ende jeder Episode gibt es dann noch einen mehr oder weniger unerwarteten Twist, eine überraschende Wendung. Und das war's. Weder sind dabei die einzelnen "Fälle" besonders interessant oder originell, noch kommt es zu einer tieferen Charakterzeichnung - was in der begrenzten Laufzeit auch nur schwerlich möglich wäre. Danach geht der Priester in seinen privaten Raum in der Kirche und ritzt entweder einen senkrechten Strich in die Wand oder "radiert" einen aus, je nachdem, ob er eine Sünde verhindern konnte oder nicht. Das wirkt schon alles sehr an den Haaren herbeigezogen.
Inszenatorisch bemüht sich Regisseur Jano Ben Chaabane, der bei allen vier Folgen Regie geführt hat, gemeinsam mit seinem Kameramann Tobias Koppe, Bilder zu erzeugen, die reichlich gritty aussehen sollen. Das gelingt auch im Ansatz, zumal ihnen mit dem Innenraum der (übrigens evangelischen) Zionskirche in Berlin-Mitte ein atmosphärischer, angemessen heruntergekommener Drehort zur Verfügung stand. So ist das Szenenbild fast das Gelungenste an der Serie. Inhaltlich fragt man sich hingegen leider schnell, was das alles eigentlich soll. Klar, "Culpa" ist eine Nischenserie auf einem Spartensender im Pay-TV, ein großes Budget stand nicht zur Verfügung. Aber kann man es dann nicht einfach gleich lassen, wenn einem unter diesen Rahmenbedingungen nichts anderes einfällt als eine weitere Variante des
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie "Culpa".
Marcus Kirzynowski
"Culpa - Niemand ist ohne Schuld" hat seine Deutschlandpremiere am 12. Juli um 20.13 Uhr beim Pay-TV-Sender 13th Street. Vier Episoden werden im wöchentlichen Rhythmus gezeigt.
Über den Autor
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Leserkommentare
Flo31890 schrieb am 14.07.2017, 22.22 Uhr:
Also ich fand die erste Folge sehr gelungen, zwar minimalistisch - aber sehr gut gemachtHAL500 schrieb via tvforen.de am 12.07.2017, 20.08 Uhr:
Mich persönlich nervt der religiöse oder esoterische Einschlag in vielen US-Serien. Deshalb würde ich Culpa noch nicht mal antesten.
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