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Zweite Staffel der Apple-Serie mit Idris Elba kommt über solide Thriller-Kost nicht hinaus
In der zweiten "Hijack"-Staffel schlägt sich Idris Elba als Sam Nelson durch den deutschen ÖPNV.
Apple TV
TV-Kritik/Review: "Hijack": Berlin von unten/Apple TV

Die 2023 veröffentlichte, von George Kay und Jim Field Smith entwickelte Apple-Produktion  "Hijack" um eine größtenteils in Echtzeit ablaufende Flugzeugentführung bot mit einer druckvollen Inszenierung und einem gewohnt präsenten Idris Elba ( "Luther") in der Hauptrolle passable Thriller-Unterhaltung. Über die mitunter arg hanebüchenen Plotvolten und einige unmotivierte Nebenhandlungen musste man dabei allerdings wohlwollend hinwegsehen. Denn wie so viele Spannungsstoffe mit High-Concept-Ansatz nahm auch hier die Logik in der letzten Reihe Platz.

Obwohl das Ganze ursprünglich "nur" als Miniserie geplant war, gab der Streamingdienst grünes Licht für eine zweite Staffel, die nun das Verkehrsmittel wechselt. Der von Elba gespielte Sam Nelson, ein geschickter Verhandlungsführer aus der Businesswelt, kommt dieses Mal in den Genuss des seit einigen Jahren schlecht beleumundeten deutschen ÖPNV. In einer Berliner U-Bahn - genauer: der Linie U5 - findet er sich erneut in einer unübersichtlichen Bedrohungslage wieder.

Wie viel Pech kann ein Mensch eigentlich haben? Das mag man sich sofort fragen. Innerhalb von zwei Jahren zwei Mal in eine Geiselnahme hineinzustolpern, das können wohl nur die wenigsten von sich behaupten. Sams erneute Extremerfahrung ist dann aber doch ein wenig anders gelagert bzw. bricht nicht aus heiterem Himmel über ihn herein. An dieser Stelle müssen wir eine Warnung einschieben: Um die frischen Episoden sinnvoll zu besprechen, kann im Folgenden auf einige Spoiler nicht verzichtet werden. Andernfalls würde sich die Kritik gänzlich im Abstrakten verlieren. Schon der offizielle Trailer deutet an, dass Nelson selbst eng mit dem U-Bahn-Fiasko verbunden ist.

Mit Vollbart und leicht angegraut im winterlichen Berlin unterwegs: Sam Nelson (Idris Elba)
Mit Vollbart und leicht angegraut im winterlichen Berlin unterwegs: Sam Nelson (Idris Elba) Apple TV

Gleich in der ersten Einstellung fällt auf, dass der Jurist ein bisschen anders aussieht. Mit Vollbart und leicht ergrauten Haaren macht er sich im Berliner Hauptbahnhof auf den Weg in den Untergrund. Am Bahnsteig angekommen, legt er dann ein seltsam fahriges Auftreten an den Tag. Nervöse Blicke, angespannte Haltung - irgendetwas scheint ihn zu beunruhigen. Auch dann noch, als er von einer Frau (Jasmine Bayes) angesprochen wird, die ihn von einem früheren Firmendeal kennt. Ist Sams konfuses Gebaren vielleicht Ausdruck einer posttraumatischen Belastungsstörung? Hat er die dramatischen Ereignisse aus Runde 1 noch nicht verarbeitet? Bereitet ihm der enge Raum in der U-Bahn Sorgen? Und warum weist er im Zug zwei Polizisten auf einen angeblich verdächtigen Asylbewerber hin?

Das Bild des stets einen kühlen Kopf bewahrenden Strategen, des rationalen Lösungssuchers, das er während der Flugzeugentführung vermittelte, beginnt auf jeden Fall zu bröckeln. Gleichzeitig streuen die Macher Indizien aus, dass mit der U5, in der sich Nelson mit rund 200 anderen Fahrgästen befindet, etwas nicht stimmt. Auch Otto (Christian Näthe), der Fahrer, benimmt sich auffällig, steht offenkundig unter Druck, was in der Leitzentrale mit dem spacigen Schaubild des Berliner U-Bahn-Netzes einer Mitarbeiterin namens Clara Berger (Lisa Vicari) nicht verborgen bleibt.

U-Bahn-Fahrer Otto (Christian Näthe) schiebt die schlimmste Schicht seines Lebens.
U-Bahn-Fahrer Otto (Christian Näthe) schiebt die schlimmste Schicht seines Lebens.Apple TV

Dass die zweite Staffel keine völlig neue Geschichte aufmacht, sondern mit der ersten verknüpft ist, ist früh erkennbar. In der deutschen Hauptstadt, die in eisig-winterlichen Bildern "erstrahlt", will Sam sich nämlich mit Olivia Thatcher (Clare-Hope Ashitey), einer Bediensteten der britischen Botschaft, treffen, da er schon seit geraumer Zeit einem gewissen John Bailey-Brown (Ian Burfield) hinterherjagt, jenem Mitdrahtzieher der Flugzeugentführung aus Runde 1. Nelsons Leben hat nach der abgewendeten Katastrophe eine markante Wendung genommen, die die Drehbuchautoren erst einmal unter Verschluss halten. Wer jedoch aufmerksam hinschaut, auch bei den kurzen Abstechern zu Sams Ex-Frau Marsha (Christine Adams), wird sich rasch zusammenreimen können, was vorgefallen ist.

Die erste Bombe platzt im übertragenen Sinne am Ende der Einstiegsfolge, wenn die von Otto gelenkte U-Bahn in einem stillgelegten Teil des Netzes zum Stehen kommt und Sam die Leitstelle informiert, dass er den Zug und seine Insassen in seine Gewalt gebracht habe. Der Held der ersten Staffel nun als Bösewicht? Das wäre eine wirklich mutige Entscheidung. Aber natürlich - so viel sei verraten - hat "Hijack" noch einige Twists in petto, die manche Dinge in ein anderes Licht rücken. Was sich festhalten lässt: Ein wenig merkt man dem Stoff seinen Ursprung als Miniserie an. Das Ereignis, das die neue Erzählung überhaupt erst lostritt, geschieht im Off, findet zwischen den beiden Staffeln statt. Oder anders ausgedrückt: Sams Motivation für sein brachiales Vorgehen wird mühsam herbeikonstruiert.

Mit der zweiten Folge marschiert neben deutscher Schauspielprominenz - Christiane Paul als Polizeipräsidentin Ada Winter und Christian Berkel als ihr Stellvertreter (?) - auch der für zwielichtige Rollen bekannte britische Charaktermime Toby Jones auf. Sein britischer Geheimdienstler Paul Faber will helfend zur Seite stehen, als in der U-Bahn-Leitstelle nach dem Verschwinden der U5 ein erster Krisenstab zusammentritt. Wirklich durchsichtig sind die Beweggründe des Agenten indes nicht. Erstaunlich angesichts der unklaren Gefahrenlage ist, wie entspannt die Polizeichefin anfangs an das Problem herangeht. Ihre Anweisungen erteilt Winter zunächst mit der Stimme einer Yoga-Lehrerin. Ein Teil der Kommunikation mit Sam Nelson läuft übrigens nicht, wie man annehmen könnte, über eine Person mit Erfahrung in Krisenbewältigung, sondern über die junge Leitstellenkraft Clara.

Leitstellenmitarbeiterin Clara (Lisa Vicari) tritt mit Sam über Funk in Verbindung.
Leitstellenmitarbeiterin Clara (Lisa Vicari) tritt mit Sam über Funk in Verbindung.Apple TV

Welche weiteren erzählerischen Kapriolen die zweite Staffel schlagen wird, lässt sich nach den für diese Kritik gesichteten ersten drei Episoden freilich noch nicht genau sagen. Was sich allerdings schon jetzt abzeichnet: Das U-Bahn-Setting, das noch einmal ein Stück beengter ist als das Flugzeugszenario, erschwert die Interaktion der Charaktere und zwingt die Macher, die Geiselsituation häufiger als beim letzten Mal zu verlassen. Zwischen dem Führerhaus des Zuges, in dem Sam Otto und einen anderen Fahrgast (Albrecht Schuch) in Schach hält (wie genau, darüber lässt sich streiten), und den restlichen Waggons gibt es erst einmal wenig Austausch. Mit der Konsequenz, dass die übrigen Reisenden eine weitgehend facettenlose Masse bleiben.

Spannungstechnisch schlägt sich die neue, das Echtzeitprinzip etwas lockerer handhabende "Hijack"-Runde bislang ordentlich, auch wenn sie ein Erzählmuster des Vorgängers exzessiv recycelt. Zeitkritische Momente treiben den Puls hier und da wirkungsvoll nach oben. An die Intensität mancher Passagen aus der Flugzeugstaffel reichen diese Sequenzen allerdings nicht heran. Da muss dann doch noch ein bisschen mehr kommen! Idris Elba bringt in der Hauptrolle immerhin abermals sein ganzes Charisma, seine ganze Gravitas ein. Ein triftiger Grund, warum man sich für das Schicksal des Protagonisten interessiert.

Meine Wertung: 3/5

Die ersten beiden Folge der zweiten "Hijack"-Staffel stehen ab Mittwoch, dem 14. Januar auf Apple TV zur Verfügung. Anschließend wird im wöchentlichen Rhythmus jeweils eine neue Episode veröffentlicht.



 

Über den Autor

  • Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.
Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

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