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Wahre Geschichte um kriminellen Bank-Azubi entfacht in erster deutscher HBO-Max-Serie kaum Sogwirkung
Eren M. Güvercin (Mitte) steht im Zentrum von "Banksters"
HBO Max
TV-Kritik/Review: "Banksters": Alles wegen Papas Schulden/HBO Max

Erst Mitte Januar ging das Streamingportal HBO Max hierzulande an den Start. Und nur ein paar Wochen später veröffentlicht der neue Player auf dem Markt auch schon die erste deutsche Eigenproduktion. Wer zum Einstieg einen echten Knaller erwartet, dürfte allerdings enttäuscht werden. Denn die sechsteilige Dramaserie  "Banksters", die frei nach wahren Begebenheiten von einem jungen Betrüger und Bankräuber erzählt, verliert sich nach ordentlichem Start in Vereinfachungen und nervigen Drehbuchwinkelzügen. Auf Basis der ersten drei Folgen, die für diesen Text gesichtet wurden, stellt sich allemal die Frage: Kann der Streamer mit dieser Premierenproduktion wirklich für großen Wirbel und riesige Abo-Zuwächse sorgen?

Kriminelle Karrieren aus dem echten Leben, die Schlagzeilen schrieben, mit reichlich Dynamik für die Leinwand oder den Bildschirm aufzubereiten, ist seit geraumer Zeit ein beliebter "Sport" von Film- und Fernsehmachern. In den Sinn kommt einem dabei schnell Martin Scorseses Börsensatire  "The Wolf of Wall Street", die das unlautere Wirken des früheren Aktienhändlers Jordan Belfort, gespielt von Leonardo DiCaprio, als orgiastische, irrwitzige Kuriositätenparade rekonstruierte. Auch und gerade im Streamingbereich erblickten in den letzten Jahren einige Serien mit derselben Stoßrichtung das Licht der Welt. Titel wie  "Inventing Anna" über eine deutschstämmige Betrügerin in der New Yorker High Society,  "The Dropout" über den Aufstieg und den Fall der Biotech-Unternehmerin Elizabeth Holmes und  "Apple Cider Vinegar" über die Machenschaften der Wellness-Influencerin Belle Gibson stechen hier hervor.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, auch bei Yusuf (Eren M. Güvercin, Mitte).
Die Wahrheit liegt auf dem Platz, auch bei Yusuf (Eren M. Güvercin, Mitte).HBO Max

Das HBO-Max-Projekt "Banksters" reiht sich ein in diese Liste und versucht ebenso, mit hoher Schnittfrequenz, unsteter Kameraführung und markanter Musikuntermalung den Zuschauer ins Geschehen hineinzuziehen. Verbrechen als poppiges Puzzlespiel - am Anfang klappt das noch ganz gut. Nach und nach treten die Schwächen in Handlung und Charakterzeichnung aber immer stärker in den Vordergrund.

Wie viele ähnlich gelagerte Arbeiten lebt auch die von Bernd Lange ( "Die Kaiserin") kreierte Serie von einem stetigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ausgangspunkt ist die Verhaftung des Bank-Azubis Yusuf Arslan (Eren M. Güvercin) im Jahr 2004. Mit großem Gespür für Dramatik greift die Polizei auf einem Berliner Fußballplatz genau dann zu, nachdem der junge Protagonist gerade ein schönes Freistoßtor geschossen hat. Ermittler Kramer (David Ruland), ein HB-Männchen mit leichtem Psycho-Touch, der sich schnell als Knallcharge entpuppt, sieht seine große Stunde gekommen. Lange Zeit tappte er bei einer Bankraubserie im Dunkeln. Doch nun ist ihm nach einem anonymen Typ endlich einer der Täter ins Netz gegangen, von dem er sich die Namen der Komplizen erhofft. Yusuf allerdings scheint sich einem mafiaartigen Omertà-Gebot unterworfen zu haben und zeigt kein Interesse, irgendjemanden zu verpfeifen.

Fortan entblättert "Banksters" scheibchenweise weitere Hintergründe, wobei auch Yusufs Schwester Selda (glaubhaft wütend: Anna Bardavelidze) mit eigenen Nachforschungen eine wichtige Rolle spielt. Das alles ist recht gefällig inszeniert (Regie führten Cüneyt Kaya und Gregor Schnitzler), besonders in den raffenden Überfallmontagen angemessen temporeich. Bereits in der zweiten Folge drängt sich aber der Eindruck auf, dass die Macher die Oberfläche nicht wirklich durchbrechen wollen.

Finden Mohamed Arslan (Numan Acar) und seine Frau Hanna (Britta Hammelstein) wieder zusammen?
Finden Mohamed Arslan (Numan Acar) und seine Frau Hanna (Britta Hammelstein) wieder zusammen? HBO Max

Die Idee, die Kriminalgeschichte in ein familiäres Drama um die Verschuldung von Papa Mohamed Arslan (Numan Acar) und das Auseinanderbrechen der Ehe mit Gattin Hanna (Britta Hammelstein) einzubetten, mag reizvoll sein. Den einzelnen Mitgliedern schenken die Drehbücher jedoch nicht die nötige Aufmerksamkeit. Rührend ist dennoch, das muss man unbedingt betonen, Yusufs kleiner Bruder Soner (erfrischend natürlich verkörpert von Kida Khodr Ramadans Sohn Mohamad Momo Ramadan), der an einer Stelle sogar plant, den Inhaftierten auf eigene Faust zu befreien. Der türkische Background der Arslans spielt übrigens immer mal wieder in die Handlung rein. Ihre Kritik am, auch im System verankerten, Rassismus hätte die Serie allerdings noch prägnanter, noch schärfer formulieren können.

Ein Problem von "Banksters" ist, dass Yusuf als Protagonist, als Gesicht der Erzählung nicht ambivalent genug daherkommt. Eren M. Gürvencin, der zuletzt in der RTL-Produktion  "Euphorie" überzeugte, ist ein versierter Darsteller. Den kreativen Eifer und die leicht überhebliche Haltung des jungen Mannes nach der Verhaftung arbeitet er schön heraus. Irgendwie bleibt die Figur aber zu farblos. Im Wissen um die hohen Schulden seines Vaters verzichtet der mit einem Musterabitur von der Schule gehende Yusuf auf eine große Karriere und entscheidet sich für einen "einfachen" Job bei der Bank. Erst als sein Plan, die Familie wieder zu vereinen, fürs Erste scheitert und er erkennt, wie krank das kapitalistische System ist, gerät er auf kriminelle Abwege.

Noch sieht die Welt für Steven (Michelangelo Fortuzzi) in Ordnung aus.
Noch sieht die Welt für Steven (Michelangelo Fortuzzi) in Ordnung aus.HBO Max

Hinter seinen Taten stehen gute Absichten - das stellt "Banksters" deutlich heraus, auch wenn hier und da für kurze Augenblicke so etwas wie die Lust an der Grenzüberschreitung und am Geldsammeln hervorbricht. Den Schritt von verhältnismäßig kleinen Kreditkartenbetrügereien hin zu "echten" Banküberfällen vollzieht die Serie sehr schnell und damit nicht ganz nachvollziehbar. Was man sich außerdem ständig fragt: Warum ist Yusuf nach dem Auffliegen nur so gelassen, so selbstsicher? Dass er in Folge 3 endlich einmal aus der Haut fährt, als ihn der schmierige Kramer provoziert, ist auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung.

Ein schwaches Bild geben Yusufs kriminelle Mitstreiter ab, die allesamt als klischeebeladene Typen angelegt sind. Malte (Merlin von Garnier) ist der gutaussehende, Sprüche klopfende Sohn aus reichem Hause, der es liebt, mit dem Feuer zu spielen. Steven (Michelangelo Fortuzzi) gibt sich, schon rein optisch, als nerdiger Außenseiter zu erkennen. Und Melanie (Maria Dragus) ist gefangen in einem Spießerleben, will doch einfach nur endlich etwas fühlen - so lässt sie es uns und den in sie offenbar auch noch verschossenen Steven an einer Stelle überexplizit wissen. Wie das Trio auf ganz unterschiedliche Weise das erbeutete Geld verliert, gehört zu den platten Twists, die "Banksters" in der dritten Folge vermehrt aus dem Hut zaubert. Vor allem bei Melanie kann man eigentlich nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Dummheit trifft hier auf einen herrlich bequemen Zufall. Was ebenfalls arg konstruiert anmutet: Zur Hälfte wird plötzlich eine neue Figur eingeführt, die die Erzählung offenbar in eine andere Richtung lenken soll. Wenn das mal nicht zu spät ist!

Meine Wertung: 2.5/5

Die Serie "Banksters" ist ab dem 20. Februar 2026 bei HBO Max verfügbar.



 

Über den Autor

  • Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.
Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

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