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Laura Karasek: "Gleichberechtigung haben wir im deutschen Fernsehen erst, wenn eine Frau eine Quizshow moderiert!"

Interview über "Die Höhle der Lügen", Böhmermann-Sendeplatz und Frauenmangel in der TV-Unterhaltung
Laura Karasek präsentiert "Die Höhle der Lügen"
ZDF/Gerard Santiago
Laura Karasek: "Gleichberechtigung haben wir im deutschen Fernsehen erst, wenn eine Frau eine Quizshow moderiert!"/ZDF/Gerard Santiago

Die aufstrebende TV-Moderatorin Laura Karasek gab uns bereits Mitte März anlässlich neuer Folgen ihrer Talkshow  "Laura Karasek - Zart am Limit" ein Interview. Kurz darauf machte jedoch der Corona-Lockdown den Plänen einen Strich durch die Rechnung und die Produktion der neuen Staffel wurde abgebrochen. Im Herbst wird die Entertainerin und Schriftstellerin dafür gleich doppelt im Fernsehen vertreten sein: Neben weiteren Folgen von "Zart am Limit" geht sie am 3. September um 22.35 Uhr mit der neuen Spielshow  "Die Höhle der Lügen" an den Start. Insgesamt acht Folgen sind jeweils donnerstags bei ZDFneo zu sehen.

Dies nahm TV Wunschliste-Redakteur Glenn Riedmeier zum Anlass, erneut mit der gelernten Rechtsanwältin und Tochter des berühmten Literaturkritikers Hellmuth Karasek zu sprechen. Sie erläutert, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Produktion hatte und ob es einen Druck auf sie ausübt, schon wieder den ehemaligen Sendeplatz von Jan Böhmermann zu übernehmen. Außerdem erörtert sie ausführlich, woran es ihrer Ansicht nach liegt, dass nur so wenige Frauen in der deutschen TV-Unterhaltungslandschaft zu sehen sind.

TV Wunschliste: Liebe Frau Karasek, Sie gehen nun schon mit Ihrer zweiten Show bei ZDFneo auf Sendung. "Die Höhle der Lügen" ist allerdings etwas völlig anderes als Ihre Talkshow "Zart am Limit". Wie würden Sie das Konzept beschreiben?

Laura Karasek: Es ist eine Mischung aus Spiel und Challenges, gepaart mit Schwindel und Angeberei (lacht)! Es kommt dabei auf Psychologie, Menschenkenntnis und auch ein bisschen Mut an.

Was macht den besonderen Reiz dieser Show aus?

Laura Karasek: Das Spannende daran ist: man kann den Menschen bei der Selbstüberschätzung zusehen! Es ist sehr amüsant, wie die Teilnehmer sich ihren Herausforderungen und Abenteuern stellen. Die Teams lassen sich auf Challenges ein, die sie entweder bestehen oder auch nicht. Es gibt Aufgaben, bei denen die Teamplayer zusammengebrochen sind. Vor der Jury müssen sie dann aber behaupten, dass sie die Challenge auf jeden Fall geschafft haben. Anhand der gezeigten Filme und des Beweismaterials muss die Jury dann urteilen, ob sie dem jeweiligen Team glaubt oder nicht.

Die Teams von "Die Höhle der Lügen"
Die Teams von "Die Höhle der Lügen" ZDF/Guido Engels/ZDF Marketing

Welche Art von Challenges gibt es denn zu sehen?

Laura Karasek: Manche Aufgaben sind körperlich anstrengend, andere sind eine psychische Herausforderung. Ein Team behauptet beispielsweise, dass es gegen die Weltmeisterin im Wrestling gewinnen kann. Zwei andere Kandidaten sagen, dass sie barfuß über glühende Kohlen gelaufen sind. Ein Team hat sich außerdem der Challenge gestellt, es 48 Stunden aneinandergekettet miteinander auszuhalten - mit allem, was dazugehört! Das ist wirklich sehr lustig geworden!

Gibt es feste Teams oder wechseln die Teilnehmer?

Laura Karasek: Wir haben drei feste Teams, die rotieren. Ein Team ist in allen acht Folgen dabei und die anderen beiden Teams wechseln sich ab. Das hat den Vorteil, dass die Jury mit der Zeit besser beurteilen kann, wie jemand tickt und was er oder sie sich traut. Das ist wie beim Poker, bei dem man immer mehr versucht, sich strategisch zu verhalten und die anderen zu durchschauen, wenn sie flunkern.

Ursprünglich war auch Amira Pocher als Jurorin angekündigt. Weshalb ist sie nun doch nicht dabei?

Laura Karasek: Ich habe das auch erst am ersten Drehtag erfahren. Ich glaube, sie ist nicht verfügbar, weil sie so viel für RTL dreht.

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Krise auf die Produktion?

Laura Karasek: Den Pilot haben wir Anfang des Jahres noch mit Publikum gedreht. Das war jetzt in der Staffel nicht möglich. Das hat meiner Ansicht nach Vor- und Nachteile. Denn natürlich vermisse ich einerseits den Applaus, die Resonanz und Stimmung - auf der anderen Seite bin ich deutlich weniger nervös. Ich bin nämlich immer besonders aufgeregt, wenn da 100 Leute im Studio sitzen, weil die mir total wichtig sind und ich sie unbedingt zum Lachen bringen möchte.

Laura Karasek im "Zart am Limit"-Studio
Laura Karasek im "Zart am Limit"-Studio ZDF/Steffen Matthes

Gehen Sie an diese Show anders heran als an Ihre Talkshow "Zart am Limit"?

Laura Karasek: Ja, das sind für mich zwei unterschiedliche Formate. Bei der "Höhle der Lügen" bin ich mehr Spielleiterin und kann spontan auf das reagieren, was passiert. Ich habe dort keine Moderationskarten und bin freier in meinem Handeln. Allerdings muss ich auch immer wieder die Spielregeln erklären und die Teams im Zaum halten. Das sind nämlich alles Rampensäue, die beweisen wollen, dass sie die krasseste Challenge geschafft haben (lacht)! Bei "Zart am Limit" bin ich noch mehr in der Verantwortung: ich diskutiere mit, muss die relevanten Fakten in der Debatte kennen und verführe natürlich die Gäste, sich zu öffnen. Das ist noch emotionaler, weil es um Toleranz, Ängste, Sexismus und Konsum geht.

Sie übernehmen - schon wieder - den ehemaligen Sendeplatz von Jan Böhmermann. Löst das bei Ihnen einen gewissen Druck aus?

Laura Karasek: Wie lange wird das noch "sein" Sendeplatz sein (lacht)?! So sehr ich das  "Neo Magazin" mochte, glaube ich, dass Jan Böhmermanns Sendeplatz inzwischen enteignet ist! Er hat zumindest seinen Gewahrsam aufgegeben und keinen Besitzanspruch mehr (lacht)! Ich möchte natürlich nicht, dass er mit meinem Format in Verbindung gebracht wird. Ich will ihm ja nicht schaden... und er soll vor allem nicht die Lorbeeren einsacken, wenn das Ding durch die Decke geht (lacht)! Die Show läuft nur zufällig zur gleichen Uhrzeit auf dem gleichen Sender! Es ist einfach ein guter Sendeplatz. Late-Night ist mir deutlich lieber als Frühstücksfernsehen! Ich liebe das, was nachts geschieht.

Auf der nächsten Seite erklärt Laura Karasek, woran es ihrer Ansicht nach liegt, dass nur so wenige Frauen in der deutschen TV-Unterhaltungslandschaft zu sehen sind.


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Leserkommentare

  • DerKelte schrieb via tvforen.de am 03.09.2020, 12.34 Uhr:
    Sie hat das vor allem scherzhaft gemeint, am besten mal das Interview lesen...!

    Da wollte der Wunschliste-Autor wohl eine besonders reißerische Headline haben:-( Das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen erweckt einen völlig falschen Eindruck.
  • Dustin schrieb via tvforen.de am 03.09.2020, 10.02 Uhr:
    kleinbibo schrieb:
    -------------------------------------------------------
    > Ich habe zwar gerade Lauras Fähigkeiten nicht vor
    > Augen, was aber gerne übersehen wird: Wenn man
    > talentlosen Frauen immer wieder Sendungen gibt,
    > dann wird das nichts mit der Gleichberechtigung.

    Talentlosen Männern gibt man doch auch immer wieder Sendungen ohne das das männlichen Moderatoren allgemein schadet.

    Das ist alltäglicher Sexismus, wenn ein Mann etwas nicht kann ist er einfach nur ein Mann der etwas nicht kann, wenn eine Frau etwas nicht kann ist sie ganz schnell ein Beispiel das Frauen das vermutlich einfach nicht so gut können.

    Ausnahme sind Hebammen: Größtenteils ein Haufen schrecklich sexistischer Weiber, die glauben ihr Geschlecht gibt ihnen eine besondere Qualifikation gegenüber männlichen Geburtshelfern.
  • kleinbibo schrieb via tvforen.de am 02.09.2020, 19.57 Uhr:
    Ich habe zwar gerade Lauras Fähigkeiten nicht vor Augen, was aber gerne übersehen wird: Wenn man talentlosen Frauen immer wieder Sendungen gibt, dann wird das nichts mit der Gleichberechtigung.
  • Sentinel2003 schrieb am 02.09.2020, 13.44 Uhr:
    Verstehe ich jetzt nicht mit der ARD. Das sind doch beides Sendungen von Ihr für zdf_neo! Was hat die ARD damit zu tun?
 

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