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Warum Kermit der Frosch ein zeitloser Held ist
Henson Associates
Serien unserer Kindheit: "Die Muppet Show"/Henson Associates

Vor drei Jahren haben die Mitarbeiter von TV Wunschliste in einer mehrteiligen Reihe ihre Lieblingsserien vorgestellt, die sie in ihrer Kindheit und Jugend verschlungen haben. Pünktlich zu Ostern wollen wir die Reihe "Serien unserer Kindheit" zu neuem Leben erwecken. Denn einerseits ist unser Team in den vergangenen Jahren gewachsen - und andererseits haben die langjährigen Redakteure noch mehr Lieblingsserien von früher gefunden, die sie gerne vorstellen möchten. Den Anfang der "zweiten Staffel" macht unser treuer Serienkritiker Marcus Kirzynowski, der seine Erinnerungen an die wohl populärste Puppen-Comedyshow der Welt teilt:

Kermit der Frosch, ist mein Held. Und nicht nur meiner. Einer der gelungensten Running Gags in der "Star Trek"-Hommageserie  "The Orville" ist, dass auf dem Büroschreibtisch von Captain Ed Mercer (Seth MacFarlane) eine Kermit-Puppe sitzt, also da, wo ein Föderations-Captain wie  Picard etwa ein Raumschiffmodell platziert hätte. In der Auftaktfolge kommt es zu einem herrlichen Dialog zwischen Mercer und seinem neuen Zweiten Offizier Bortus (Peter Macon), der nicht gerade ein Experte für menschliche Kultur ist: "Was ist das?" - "Das ist Kermit der Frosch!" - "Ich bin mit dieser Lebensform nicht vertraut." - "Es ist eine Lebensform von der Erde." - "Kennen Sie ihn persönlich?" - "Nein, er ist einfach ein Vorbild für mich, wie er seine Crew zusammenhält." Genau das war Kermits Aufgabe in der legendären  "Muppet Show", die von 1976 bis 1981 produziert wurde: der Fels in der Brandung des Chaos, das um ihn herum im Muppet-Theater während der Aufführung der wöchentlichen Varieté-Show herrschte.

Der Frosch war aber nicht nur der vernünftige Manager und Produzent der ansonsten reichlich verrückten Puppentruppe, sondern auch deren guter Geist. Ein Wesen, das so gutmütig ist, dass es immer wieder von seinen Freunden und Kollegen ausgenutzt wird und am Ende dadurch oft auf die sprichwörtliche Schnauze fliegt. Das war schon vorher in der  "Sesamstraße" so, mit der die Figur bekannt wurde. Aber Kermit ließ sich nie entmutigen, sang stattdessen wunderschöne Lieder von der Schwierigkeit, grün zu sein, oder davon, dass der Regenbogen die Träumer, die Liebenden und ihn miteinander verbinde (berühmt gewordene und in letzterem Fall sogar oscarnominierte Evergreens). Und er ließ sich sogar von der übertriebenen Zuneigung der Schweinedame Miss Piggy - die schnell in rohe Gewalt umschlagen konnte - nicht aus der Ruhe bringen. Kermit war aber auch das Alter Ego seines Schöpfers Jim Henson, die Figur, die diesen durch fast seine gesamte Karriere begleitete (und bis zu seinem Tod im Jahr 1990 von ihm selbst gespielt wurde). Erfunden hatte er ihn bereits 1955 für seine allererste (lokale) Fernsehserie "Sam and Friends", damals noch als eine Art Eidechse. Später trug Kermit den Beisatz "der Frosch" eher wie einen Ehrentitel als wie eine Gattungsbezeichnung.

Schweine, Monster, Sensationen: ein Teil des Figurenensembles der ersten Staffel
Schweine, Monster, Sensationen: ein Teil des Figurenensembles der ersten Staffel Disney

Kindersendung oder nicht?

Eines der größten Missverständnisse der deutschen Fernsehgeschichte ist, dass die "Muppet Show" eine Kindersendung sei. Jim Henson wollte gerade mit dieser Produktion für ein breites Publikum heraus aus der Ecke des Puppenspielers für Kinder, in die ihn seine Mitarbeit an der "Sesamstraße" gebracht hatte. Ursprünglicher Auftraggeber war der britische Privatsender ATV, in dessen Londoner Studios die fünf Staffeln aufgezeichnet wurden. Zu sehen waren sie dann darüber hinaus bei weiteren Sendern der ITV-Gruppe sowie in den USA auf lokalen Sendern des CBS-Networks - um 19.30 Uhr, also in der Prime Time. Als das ZDF die Serie ab 1977 ins Programm nahm, verstand man in Deutschland aber noch nicht, dass eine Sendung mit Puppen sich auch an Erwachsene richten könnte, und schob sie ins Kinderprogramm - wo ich sie dann schon während meiner Kindergartenzeit lieben lernte.

Dass es sich bei dem Konzept eigentlich um eine Parodie diverser typischer Genres des US-Fernsehens handelte, wurde mir erst viel später klar. Wahrscheinlich tatsächlich erst, als ich vor etwa zehn Jahren die erste Staffel auf DVD kaufte. Als deutsches Kind in den späten 1970ern und frühen 1980ern kannte ich weder Stand-up-Comedians wie (den ewig erfolglos um Lacher buhlenden) Fozzie Bär noch Fernsehköche wie den dänischen. Und Krankenhausserien wie "In der Tierklinik" lernte ich auch erst einige Jahre später durch  "Die Schwarzwaldklinik" kennen. Selbst  "Raumschiff Enterprise" guckte ich als Grundschüler - im Gegensatz zu meinen damaligen Freunden - noch nicht, trotzdem war dessen Parodie "Schweine im Weltall" mein Lieblingssketch in der "Muppet Show".

Das ewige (Alb-)Traumpaar der Muppets: Piggy und Kermit
Das ewige (Alb-)Traumpaar der Muppets: Piggy und Kermit Disney

Ein dänischer Koch, der eigentlich Schwede ist

Die erworbene englische DVD-Box, die zudem das tolle Feature der einblendbaren "Muppet Morsels" bietet, kurzen Infos zur Produktion und den Hintergründen der Figuren, war auch für weitere späte Erkenntnisse verantwortlich: So ist der dänische Koch eigentlich ein schwedischer (das deutsche Synchronstudio dachte damals wohl, für deutsche Kinder liege Kopenhagen doch näher als Stockholm) und singt im Original auch nicht "Smörrebröd, Smörrebröd" (sondern unverständliches "schwenglisches" Kauderwelsch). Floyd, der Gitarrist der Hausband Electric Mayhem, heißt mit vollem Namen Sergeant Floyd Pepper (und trägt ja tatsächlich auch eine Uniform im Stil der Beatles auf dem berühmten Plattencover)! Und Kermit ruft in Wahrheit gar nicht immer aufgeregt "Applaus, Applaus!", nachdem er die Auftritte der Gaststars angesagt hat. Alles Erfindungen der deutschen Dialogautoren!

Enden regelmäßig im Chaos: die Rezepte des dänischen Kochs
Enden regelmäßig im Chaos: die Rezepte des dänischen Kochs Disney

Unbekannte Gaststars und popkulturelle Entdeckungen

Apropos Gaststars: Die sind das größte Indiz dafür, dass es hier gar nicht um eine Kindersendung geht. Welches Kind kannte damals schon Vincent Price oder Diana Ross? (Okay, in der ersten Staffel waren die meisten Gaststars tatsächlich auch für erwachsene Amerikaner eher unbekannt, weil sich A-Promis noch nicht trauten, in einer Puppenshow aufzutreten.) Zumal für mich als deutsches Kind waren diese menschlichen Gäste meistens irgendwie Fremdkörper, vor allem, wenn sie dann noch anfingen, Englisch zu singen.

Ausnahmen waren Schauspieler wie Peter Ustinov oder Christopher Reeve, die ich auch damals schon aus Filmen im Fernsehen kannte. Und das absolute Highlight war dann jene Episode, in der nicht nur Mark Hamill in seiner Rolle als Luke Skywalker auftrat, sondern gleich auch noch Chewbacca, C-3PO und R2D2 - in einem Crossover zwischen  "Star Wars" und "Schweine im Weltall" und mit Gonzo unter der Darth-Vader-Maske! Naja, als ich auch diese Folge vor einigen Jahren noch mal sah, hinterließ sie eher einen peinlichen Eindruck. Stattdessen sind heute für mich gerade die Gesangsauftritte von Gaststars wie Charles Aznavour oder Twiggy (mit dem Beatles-Song "In My Life") mit am interessantesten - wie überhaupt auffällt, wie viel zeitgenössische Popkultur in der Serie steckte, einen passenden Song der Fab Four ("I'm Looking Through You") singen zum Beispiel auch die Geister in der Horror-Folge der ersten Staffel.

"Muppet Show" meets "Star Wars": Mit Gaststar Mark Hamill kam eines der schrägsten Crossover aller Zeiten
"Muppet Show" meets "Star Wars": Mit Gaststar Mark Hamill kam eines der schrägsten Crossover aller Zeiten Disney

Spielfreude und Talent: die Puppenspieler

Ich könnte noch viel schwärmen von genialen Figuren wie dem Großen Gonzo (auch so ein unerschütterlicher Pechvogel) oder den grantelnden Alten auf dem Balkon, von unvergesslichen Musiknummern ("Mahna Mahna") oder absurden Einfällen. Wichtiger scheint mir jedoch, die Menschen hinter, unter oder in den Figuren zu würdigen: die Puppenspieler. Jim Henson und sein kongenialer Partner Frank Oz verkörperten gemeinsam einige der bekanntesten Komikerduos der Geschichte: Kermit und Piggy, Ernie und Bert - sowie den Kopf und die Hände des dänisch-schwedischen Kochs. Bei letzterem spielte tatsächlich Henson Kopf und Körper und Oz beide Hände (übrigens ohne Handschuhe, es waren seine echten Hände zu sehen). Manchmal machte Oz während der Aufzeichnung der Sketche einfach irgendwas mit seinen Händen, das nicht im Drehbuch stand, Henson musste dann spontan darauf reagieren. Er meinte später, dabei seien immer die lustigsten Sketche herausgekommen. Diese Anekdote sagt viel über den Spaß, den die Spieler bei der Arbeit gehabt haben müssen, aber auch über ihr großes Talent. Wie sie es geschafft haben, diese Klappmaulpuppen, die ja über eine extrem eingeschränkte Mimik mit unbeweglichen Augen, meist sogar ohne Augenlider und -brauen, verfügen, so zum Leben zu erwecken, dass wir ZuschauerInnen sie (fast) als reale Persönlichkeiten wahrnehmen, ist einfach ganz große Kunst.

Die Puppenspieler und ihre Figuren, darunter Jim Henson (oben Mitte) und Frank Oz (oben rechts)
Die Puppenspieler und ihre Figuren, darunter Jim Henson (oben Mitte) und Frank Oz (oben rechts) Disney

Auch wenn viele zur "Muppet Show" gehörende Figuren gar nicht für diese erfunden wurden, sondern schon vorher Auftritte in TV-Specials oder Werbespots (wie etwa Rowlf für Hundefutter) hatten: Durch diese fünf Staffeln wurden sie zu unsterblichen Ikonen der Popkultur, die bis heute in neuen Produktionen präsent sind. Mögen Versuche, ein neues Fernsehformat mit ihnen zu etablieren, wie  "Muppets Tonight!" und das noch kurzlebigere  "The Muppets", auch bisher gescheitert sein: Kermit & Co. kennt noch heute jedes Kind. Wie könnte man einen tragikomischen Helden wie ihn auch jemals vergessen?

Die bisherigen Texte aus der Reihe "Serien unserer Kindheit"


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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Leserkommentare

  • mr_Terminus schrieb am 05.04.2021, 08.59 Uhr:
    Zeitlos und bis Heute eine der besten "Kinderserien" überhaupt! Würde ich gern mal wieder sehen!
  • DerLanghaarige schrieb am 04.04.2021, 19.30 Uhr:
    Dem kann man nur zustimmen, wobei man natürlich zum Thema "Für Kinder" sagen muss, dass die Serie den Vorteil hatte, Kinderfreundlich zu sein. Da machte es schon auf eine Art und Weise Sinn, dass sie in Deutschland in die Kinderstunde abgeschoben wurde. Wenn man da z.B. an "Die Dinos" denkt, die oft einen extrem düsteren Humor hatten ("Wir brauchen einen neuen Timmy!" oder auch die versteckte Kamera Show mit dem Monster) oder auch an die früher öfter im Kinderprogramm versendeten Simpsons, kann man da nicht wirklich meckern. Auch wenn es natürlich schade ist, dass Hensons Werk einfach mit "Ach, das ist Kinderkram" abgetan wurde.
  • VT 5081 schrieb via tvforen.de am 04.04.2021, 14.11 Uhr:
    Kleine Anmerkung zur "Orville": Der Zweite Offizier dort heißt Bortus.
  • DIJKKI_10 schrieb am 04.04.2021, 11.50 Uhr:
    Bitte fortsetzen!
 

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