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TV-Kritik/Review: "My Ex": Sterne, Ex-Freunde und Selbstfindung auf der Vespa
(26.04.2026)

Es dauert keine sechs Minuten, bis die Prämisse glasklar ist: Ivy, gespielt von Palina Rojinski, ist Single, umgeben von Freundinnen, die alle gerade heiraten, und hat sich einem Orakel (Daniel Zillmann) aus dem Internet anvertraut, das ihr verspricht, in diesem Sommer die große Liebe zu finden, welche sich bereits unter ihren Ex-Partner:innen befindet. Wer jetzt skeptisch die Augenbraue hebt, liegt völlig richtig - und gleichzeitig total daneben. Denn genau in diesem Spannungsfeld zwischen naiver Romantik und selbstironischem Bewusstsein lebt die gesamte Serie
Das Konzept: Jede Folge ein Ex, jede Folge eine Lektion

Die Struktur der Serie ist so simpel wie effektiv: Jede Folge trägt den Namen einer oder mehrerer Ex-Partner:innen von Ivy und widmet sich der Frage, warum diese Beziehungen gescheitert sind.
Zu Beginn jeder Folge gibt es einen kurzen Rückblick, der zeigt, wie die jeweilige Beziehung geendet hat - eine clevere Entscheidung, weil sie dem Publikum sofort eine Haltung gibt. Man weiß schon, dass es schiefgelaufen ist, und beobachtet nun mit doppeltem Blick, wie Ivy und ihr jeweiliger Ex versuchen, die Trümmer zu sortieren. Die Charaktere bewegen sich entlang bekannter Archetypen: der überambitionierte Fitness-Typ; der toxische, dramatische Musiker Nico, gespielt von David Vormweg, dessen Selbstinszenierung so konsequent überhöht ist, dass man ihn gleichzeitig abstoßend und faszinierend findet; der übermutige Muttersohn, grandios gespielt von Tim Oliver Schulz, dessen Verhältnis zu seiner Mutter regelmäßig für die besten Lacher der Serie sorgt.
Diese Typen sind Klischees, keine Frage - aber "My Ex" weiß das und spielt damit, mal mit mehr, mal mit weniger Tiefe. Ab und zu bricht die Serie aus diesem Schema aus, und genau dann ist sie am stärksten. Auch die queere Repräsentation im Ensemble ist dabei organisch eingebettet: Beziehungen zwischen Frauen und zwischen Männern tauchen auf, ohne dass die Serie sie als besonderes Ereignis markiert. Das gehört zur Welt der Serie wie Anglizismen und Astrologie-Jokes - es ist einfach da.

Palina Rojinski ist als Ivy der unbestrittene Mittelpunkt - und das in fast jeder Szene. Sie trägt die Folgen mit einer Leichtigkeit, die manchmal darüber hinwegtäuscht, wie wenig die Figur in der ersten Hälfte der Staffel Kontur entwickelt. Ivy ist charmant, impulsiv, macht Schluss bevor der andere es tut oder sorgt mit kleinen Spielchen dafür, dass der andere von selbst geht - ein Muster, das die Serie klar benennt, ohne es sofort aufzulösen. Was weniger gut ist: Ivy tendiert dazu, andere Frauen zu unterschätzen, und wird an einigen Stellen als eine Art moderne Hausfrau inszeniert. Ob das bewusste Charakterkritik ist oder unreflektiertes Schreiben, bleibt manchmal unklar.
Neben Rojinski ist es das Ensemble, das "My Ex" oft rettet, wenn die Haupthandlung zu vorhersehbar wird. Allen voran Max Schimmelpfennig, der ein komödiantisches Timing mitbringt, das man nicht lernen kann - in fast jeder seiner Szenen sitzt der Witz. Tim Oliver Schulz verleiht dem Muttersohn Paul so viel liebevolle Absurdität, dass man sich fragt, ob da nicht doch mehr dahintersteckt. Benno Fürmann bringt als frischgeschiedener älterer Mann, der einst eine Affäre mit Ivy hatte, eine ganz andere Energie ins Spiel. Caro Cult spielt Ivys beste Freundin, und dass diese Freundschaft im Laufe der Staffel zunehmend zu zerbrechen droht, ist ein wichtiger Handlungsstrang der Serie, welcher allerdings oft zwischen den romantischen Szenen untergeht. Kult spielt mit einer Verletzlichkeit, die nie ins Pathetische kippt, und macht deutlich, dass "My Ex" auch eine Serie über Freundschaften ist - darüber, wie sie scheitern können an den gleichen Mustern wie Liebesbeziehungen.

Andreas Helgi Schmid spielt Ivys besten Freund mit einer stillen Wärme, die angenehm aus dem Ensemble heraussticht. Wie sich das Verhältnis der Freunde im Laufe der Staffel entwickelt, sei hier nicht verraten - aber es lohnt sich, genau hinzuschauen. Alli Neumann rundet das Ensemble als diejenige ab, die am Ende der Staffel heiratet, und gibt dem Hochzeitsplot eine Wärme, die ihn vor der bloßen Kulissenrolle bewahrt. Caro Daur schließlich überzeugt als eiskalte Managerin des Musikers Nico - und ist in ihrer zur Schau getragenen Unsympathie schlicht ein Genuss.
Ästhetik, Stärken und Schwächen
Visuell setzt "My Ex" auf einen klar definierten Look: warme Farben, weiche Schnitte, immer wieder Zwischenbilder von Sternen, Mond und kosmischen Panoramen. Das Universum als allwissende Kraft ist nicht nur narratives Motiv, sondern ästhetisches Programm. Das funktioniert gut, weil die Serie nie vollständig in den Kitsch kippt - sie weiß, dass das Orakel lächerlich ist, und lässt Ivy es trotzdem glauben, weil Liebe eben auch das ist: der Wunsch nach Orientierung in einem Chaos, das sich nicht rational ordnen lässt.
"My Ex" kann Komödie. Die Cringe-Situationen sind handwerklich sauber gebaut, und die Serie kann auch überraschen: Was zunächst wie eine vorhersehbare Begegnung aussieht, entpuppt sich manchmal als unerwartete Wendung. Was sie weniger gut kann, ist Konsequenz. Die Handlungsstränge sind zu zahlreich - Verfolgungsjagden, Sorgerechtsstreitigkeiten um einen Hund, familiäre Dramen, Beziehungsgeschichten der Freundinnen. Das ist viel, und nicht alles bekommt den Raum, den es verdienen würde. Tiefere Themen wie Verlustangst, Bindungsprobleme oder die Frage nach Mutterschaft werden angerissen und nicht zu Ende gedacht. Auch die Welt der Serie - großzügige Lofts, niemand mit echten Geldsorgen - schränkt den Identifikationsspielraum ein.

Fazit
"My Ex" ist keine komplexe Serienkunst. Aber es ist unterhaltsame, handwerklich solide und gelegentlich überraschend kluge Unterhaltung. Ivys Bindungsangst ist echter als es die bunten Kulissen vermuten lassen. Die Frage, wie man mit jemandem Schluss macht - oder wie man es schafft, dass der andere es tut - ist komischer und trauriger, als sie klingt. Und manchmal stellt "My Ex" in den stillen Momenten zwischen den Sternenschnitten Fragen, die man sich selbst auch schon gestellt hat: Was bleibt von einer Beziehung? Was hat sie verändert? Vielleicht sollte man einfach mal ein Orakel fragen.
Diese Rezension basiert auf der Sichtung der kompletten sechsteiligen Serie "My Ex".
Ab dem 27. April ist die Serie vollständig auf ZDF.de zum Streamen verfügbar, bevor sie ab dem 6. Mai wöchentlich in Doppelfolgen linear in ZDFneo läuft. Für "My Ex" ist das hybride Modell eine gute Entscheidung: Die Serie funktioniert sowohl als Binge als auch Folge für Folge, weil ihre Episodenstruktur in sich geschlossen genug ist, um einzeln zu bestehen - aber neugierig genug endet, um weiterzuschauen.
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Leserkommentare
Hans18 schrieb am 27.04.2026, 10.28 Uhr:
Klingt gut! Vielleicht sowas wie "How I met your mother". Das muss nicht immer tiefschürfend sein. Und ich finds einfach toll, wenn wir uns unsere eigenen Serien produzieren, statt immer ins Ausland zu schauen.Torsten S schrieb am 26.04.2026, 18.46 Uhr:
Ein Film der mich persönlich null interessiert, aber man sollte Palina Rojinski nicht unterschätzen. Die ist nicht einer der vielen Modepüppchen, die hat einiges im Kopf und kann auch gut moderieren wie sie bei RTL schon mal bewiesen hat. Ich mag sie.Lau.rawr schrieb am 26.04.2026, 18.40 Uhr:
Klingt nach dem Film whats your number? Bzw auf deutsch der perfekte ex
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