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TV-Kritik/Review: "Dutton Ranch": Kein Gnadenschuss für "Yellowstone"
von Gian-Philip Andreas(14.05.2026)

Die Seifenoper geht weiter: Zwei Jahre nach dem Kevin-Costner-losen Finale des Neowesterns
Man muss das Ende von "Yellowstone" nicht kennen, um sich in "Dutton Ranch" zurechtfinden zu können. Aber es hilft natürlich - und sei es auch nur, um sich wundern zu können, wie schnell die Dinge laufen, wenn dramaturgische Zwänge es erfordern. Erinnern wir uns also zwei Jahre zurück: John Dutton III., der von Kevin Costner gespielte Patriarch der Yellowstone Ranch, wurde gemeuchelt, Tochter Beth tötete daraufhin ihren Adoptivbruder Jamie, die Ranch wurde ans Broken-Rock-Reservat verkauft und Beth zog mit Vorarbeiter Rip (früher Jugendliebe, dann Langzeitaffäre, nun Ehemann) ein paar Landstriche weiter, nach Dillon, um dort eine eigene Ranch hochzuziehen.
Nun aber braucht es bloß zehn Minuten, um diesen Status quo wieder einzureißen: Erst reitet das von allem patriarchalem Druck befreite Ehepaar verliebt durch jene Landschaften, die die Fans der Serie so lieben (vorne Steppengras, Wald und Hügel, hinten verschneite Berge), dann wird selig am Whiskey-Flachmann genippt, ehe ein Lauffeuer ausbricht, der unseren Protagonisten Obdach, Tiere und die Zukunft in Montana nimmt. Was nun? "Wir fangen neu an", weiß Beth ihrem Rip sofort zu entgegnen. Next stop: Texas.
Man denkt dann erst einmal, dass in diesen ersten zehn Minuten von "Dutton Ranch" der Stand des Yellowstone-Finales fast noch rabiater kaputtgeschmissen wurde, als das in "Marshals" der Fall war; dort wurde ja gleichsam im Vorbeigehen verkündet, dass Kayces Ehefrau Monica, eine "Yellowstone"-Hauptfigur, in der Zwischenzeit verstorben ist. Doch ab der zweiten "Dutton Ranch"-Episode wird dann doch noch nachgereicht, wie und warum es zu Beths Umzug in den Süden kam.

Dort nämlich bietet sich die Gelegenheit, eine seit 1934 existierende Ranch zu übernehmen, die immer noch über einen guten Bestand an Black-Angus-Rindern verfügt. Die verwitwete Besitzerin wollte das Anwesen loswerden - für Beth und Rip ist die Übernahme günstiger als ein Komplettneuaufbau in Montana. Neben Kelly Reilly und Cole Hauser in den bekannten Hauptrollen ist Finn Little als inzwischen 19-jähriger Pflegesohn Carter die einzige weitere aus "Yellowstone" übernommene Figur. Und doch fühlt sich alles sehr vertraut an.
Was nicht nur an den üblichen Neowestern-Elementen liegt, die im bewährten, leicht seifigen Taylor-Sheridan-Stil angerichtet werden: die Cowboy-Romantik zwischen Bunkhouse, Brandzeichen und pittoresker Landschaft, die schamlos wallende Streichermusik, die blondmähnigen Power-Wives und die wortkargen "echten Männer", dazu die deep klingenden Kalenderweisheiten aus der Stallknechtsfibel. Auch in Texas muss auf nichts dergleichen verzichtet werden, lediglich die Native Americans der Great Plains werden hier durch ein paar Tejanos und/oder Mexikaner ersetzt. Ein bisschen Spanisch gibt es also zu hören.Erdacht hat sich das räumliche Umtopfungsszenario an die Grenze zu Mexiko Hauptautor und Showrunner Chad Feehan, der für Taylor Sheridan bereits die Miniserie
Folglich führt die Serie ein Gegengewicht ein, eine Antagonistin von ähnlichem Format wie John Dutton III. Annette Bening spielt die Matriarchin der 10-Petal-Farm, die den (fiktiven) texanischen Ort Rio Palomas inoffiziell regiert: Sie besitzt und führt die größte Ranch weit und breit, außerdem noch den lokalen Großschlachthof, auf den andere Rancher angewiesen sind - ihr Einfluss auf die hiesige Politik und Strafverfolgung ist zudem beträchtlich. Bening, fünffach oscarnominiert (u.a. für

Natürlich gehören zur mächtigen Großgrundbesitzerin, wie bei den Duttons, auch die familiären Abgründe: Joaquín, der eine Sohn (Juan Pablo Raba,
Dagegen wirken Beth und Rip - in "Yellowstone" zwar Fan-Favoriten, aber beileibe keine netten Menschen - wie Sympathiefiguren. Das ist ein geschickter Schachzug, denn fürs Publikum, das sich ebenfalls erst zurechtfinden muss da unten im staubigen Texas, dienen die beiden als erzählerische Reiseleiter ins neue Gebiet. Da wäre es unproduktiv, würde man sie hassen. Während Beth also die geschäftlichen Begebenheiten vor Ort untersucht, mit Beulah aneinanderrasselt und sich auf die Suche nach einem günstigeren Schlachthof macht, leitet Rip die gängigen Rancharbeiten an. Er freundet sich mit dem von der Vorbesitzerin übernommenen Vorabeiter Azul an (J.R. Villarreal, der auch schon in "Landman" mitwirkte) und heuert - in alter Dutton-Tradition - neue Rancharbeiter unter frisch Strafentlassenen an. Als gottesfürchtiger Cowboy Zachariah ein willkommenes Gesicht: Marc Menchaca, neulich erst als Sheriff zu sehen in
Dutton-Familienzwist jedenfalls ist in den ersten beiden Episoden, die wir vorab sichten konnten, noch nicht zu besichtigen. Immerhin bekommt Adoptivsohn Carter einen eigenen Handlungsstrang: Er, der als Teenager nach dem Wegzug aus Montana den vielleicht größten Kulturschock verarbeiten muss, hat es gleich mit ersten (Schul-)Enttäuschungen und einem Knastaufenthalt zu tun - und dann verguckt er sich auch noch in die interessierte, aber bereits vergebene (und als potenzielle Partnerin alles andere als unproblematische) Oreana, gespielt von Natalie Alyn Lind (
Eine wichtige neue Figur muss noch erwähnt werden: Mit Ed Harris, vierfach oscarnominiert (u.a. für

Bei ihrer ersten Begegnung ist Everett gerade dabei, einem tödlich verletzten Pferd den Gnadenschuss (per Spritze) zu setzen: Das Tier habe eine Überlebenschance von eins zu einer Million. Beth aber unterbricht ihn und bittet ihn, gegen alle Wahrscheinlichkeit zu versuchen, es zu heilen. Als klare Spiegelszene zur allerersten "Yellowstone"-Folge, in der Costner damals gleich zu Beginn einem sterbenden Pferd den Gnadenschuss gab, ist dieser Moment frappierend; es ist der mögliche Beginn einer (Neu-)Entwicklung von Beth, die mit der Gründung der Dutton Ranch tatsächlich ein neues Leben in Frieden aufbauen könnte. "Mein Vater ist nie glücklich geworden", sagt sie einmal zu Rip über John Dutton III. "Ich möchte nicht, dass uns das auch passiert."
Ob es doch so kommt, bleibt abzuwarten: Die ersten Episoden, von der "Yellowstone"-erfahrenen Kamerafrau Christina Alexandra Voros und in bewährt edler Manier inszeniert, lassen noch offen, in welche Richtung es genau gehen soll. Es gibt mehr Szenen tatsächlicher Ranch-Arbeit als zuletzt in "Yellowstone", dafür weniger Politkrimi und Melodrama. Wie zentral der Krimi-Handlungsstrang wird, ist zudem schwer einzuschätzen. Weil "Dutton Ranch" aber nicht komplett das Genre wechselt (wie "Marshals"), wirkt die Serie letztlich wie das erste "echte" Sequel der Mutterserie, wenn nicht sogar wie eine späte, örtlich verschobene sechste Staffel. Fans werden jedenfalls sofort andocken können. Und auf Basis dieser ersten zwei Stunden lässt sich die Produktion innerhalb des Franchises etwa auf dem verhältnismäßig hohen Niveau der zweiten "1923"-Staffel einsortieren.
Sollte "Dutton Ranch" beim Publikum also vergleichbar große Erfolge einfahren wie die bisherigen Einträge ins "Duttonverse" (und es gibt wenig Grund, daran zu zweifeln), muss derzeit trotzdem abgewartet werden, in welcher Form es in eine zweite Staffel gehen kann. Showrunner Feehan nämlich ist nach der Arbeit an der ersten Staffel direkt wieder von Bord gegangen - oder eher: von Bord gegangen worden, wenn man den einschlägigen Hollywoodberichten folgen will. Es sei zu unauflösbaren Konflikten mit Sheridan, Mitproduzent David C. Glasser und den beiden Hauptdarstellern gekommen. Auch hinter den Kulissen geht die Seifenoper also munter weiter.
Die Veröffentlichung der neunteiligen AUftaktstaffel von "Dutton Ranch" beginnt am 15. Mai bei Paramount+ mit den ersten beiden Episoden.
Über den Autor
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Leserkommentare
Torsten S schrieb am 14.05.2026, 20.43 Uhr:
Marshals hat mich schon begeistert wobei es natürlich nicht an die Mutterserie rankommen kann, aber dennoch sehr unterhaltsam mit mehr Action daher kommt. Was natürlich hier nicht so sein kann. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und doch schon Überzeugt davon, dass es sehr gut wird.User 1810564 schrieb am 14.05.2026, 20.10 Uhr:
Ich kann es kaum erwarten, die Serie zu sehen. Marshals hat mich nicht mitgerissen, Beth und Rip sind von ganz anderer Qualität. Aus Spoilergründen habe ich die Kritik nicht gelesen, aber 3,5 Sterne sind im Vergleich zu den üblichen Bewertungen für Serien hier ein guter bis sehr guter Wert.
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