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Eine Fashionshow in Paris: Extravagant gekleidete Frauen präsentieren sich dem Publikum auf matschigem Untergrund. Plötzlich bleibt eine von ihnen (gespielt von Supermodel Bella Hadid) stehen und hat merklich mit ihrem Befinden zu kämpfen: dicke Schweißperlen, schnelle Atemzüge, dann ein Sprint in die Zuschauerreihen und der gierige Griff nach einer Wasserflasche. Es kommt zu einem Tumult, das Model stößt Menschen rüde zur Seite, verlässt die Vorführhalle und heizt, ohne Rücksicht auf Verluste, auf einem Motorrad durch die Stadt. Selbst ein heftiger Unfall stoppt sie nicht. Ihr verletztes Bein leicht nachziehend, wütet sie schließlich in einer Bar, greift wildfremde Menschen an und spritzt sich wie von Sinnen Klowasser ins Gesicht. Auf der Straße dann der Showdown. Umringt von Polizisten explodiert ihr Körper in tausend blutige Stücke.
Wenn eine Serie mit einem solchen Knall beginnt, drängen sich gleich zwei Gedanken auf: Wie kann man diesen Wahnsinn noch toppen? Und Subtilitäten sollte man im weiteren Verlauf nicht erwarten. Willkommen in der neuen Kreation des erstaunlich umtriebigen Fernsehmachers Ryan Murphy (

Die zentrale, in fiktionalen Werken schon häufig verhandelte Frage im Zentrum der Serie lautet: Wie weit würdest du gehen, um dauerhafte Schönheit zu erlangen? In gewisser Weise knüpft Murphy damit an
Eben jener Erreger ist offenbar entstanden, als ein noch geheimes, ewige Jugend per Injektion versprechendes Wundermittel namens "The Beauty" außerhalb der Labore des Unternehmers Byron Forst alias "The Corporation" (Ashton Kutcher) mutierte. Um diesen Mann, das Abziehbild eines megalomanischen, selbstverliebten Tech-Milliardärs, kreist ein zweiter Handlungsstrang. Nicht nur treibt der Mogul den Verkaufsstart seines Präparats kompromisslos voran, obwohl es noch längst nicht marktfähig ist. Parallel hetzt er auch seinen bloß Killer genannten Kettenhund (Anthony Ramos) all jenen Menschen auf den Hals, die das Virus im Eifer des Gefechts weitergegeben haben und zu einer Belastung werden könnten.

Womit wir zum dritten Plot-Faden kommen. In dessen Zentrum steht der soziale Außenseiter Jeremy (Jeremy Pope), der alle Klischeevorstellungen eines incel bedient. Gemeint sind damit heterosexuelle Männer, die unfreiwillig keinen Sex bzw. keine Liebesbeziehung haben. Jeremy ist arbeitslos, schwergewichtig und wohnt noch bei seiner Mutter, deren Ermahnungen er nur als ein dumpfes Gebrabbel wahrnimmt. Vor seinem PC sucht er den erotischen Kick, blitzt aber bei einer Webcam-Dame ab, weil er sie nicht bezahlen kann. Selbstmitleid und Wut auf eine Welt, die ihn immer wieder spüren lässt, dass er nicht schön ist, verdunkeln seinen Alltag. Auch der Besuch bei einem Spezialisten für plastische Chirurgie (Rob Yang) bringt nicht den gewünschten Erfolg, was Jeremys angestauten Zorn gewaltsam überkochen lässt. Als er jedoch unverhofft in den Genuss seines ersten Geschlechtsverkehrs kommt (Wir erinnern uns: Das unbekannte Virus verbreitet sich durch den Austausch von Körperflüssigkeiten), durchläuft der junge Mann eine überraschende Wandlung. Sein Traum ist wahrgeworden. Doch dann erhält der transformierte Jeremy Besuch von Byrons Handlanger.
Auch wenn Schönheits- und Jugendwahn in Filmen und Serien schon oft aufs Korn genommen wurden, kann man beiden Themen noch immer spannende Facetten abgewinnen. Unter Beweis stellte dies zuletzt die Französin Coralie Fargeat in ihrem wilden Identitätsthriller

Die ersten vier für diese Kritik gesichteten Folgen haben zwar ebenfalls formale Spielereien und klebrig-handgemachte Splatter-Effekte zu bieten. Die Wucht und die Verstörungskraft von "The Substance" erreicht die Comicadaption jedoch nie. Gründe dafür gibt es mehrere: Zu stark verlassen sich die Macher auf die Oberflächenreize ihrer Geschichte, die häufig zwischen Postkartenschauplätzen (Paris, Venedig, Rom) und cleanen Laborräumen hin- und herspringt. Noch dazu bleibt man auf Distanz zu den Charakteren, die bisher nur grob umrissen sind. Ausgerechnet die eigenwillige Beziehung der FBI-Ermittler Jordan und Cooper, einer der interessantesten Aspekte, tritt für eine Weile in den Hintergrund. Zum Augenrollen ist nicht zuletzt so manche Dialogzeile. Klopper der Marke "Ich habe ein Fieber, das nur dein Arsch heilen kann!" fliegen einem mehrfach um die Ohren.
Was außerdem gewaltig nervt: Wie krampfhaft Murphy und Co das Geschehen auf kultig und schräg trimmen wollen. Der Killer des Tech-Milliardärs beispielsweise lässt mit seinem Aussehen (er trägt eine Augenklappe, die an den untere Teil eines Eierschälers erinnert) und seinem Faible für abschweifende Popkulturmonologe an eine maue Tarantino-Kopie denken. Bloß müde lächeln kann man auch über "Provokationen" wie jene Szene, in der die Kutcher-Figur auf einer Luxusyacht mit seinem Bluthund telefoniert, während der Unternehmer oral befriedigt wird. Deutlich irritierender ist da schon die harmlose Beobachtung, dass das FBI-Duo in der englischen Originalfassung sowohl in Frankreich als auch in Italien mit einigen Einheimischen fließend in der jeweiligen Landesprache diskutiert. Selten hat man auf der großen Leinwand oder dem kleinen Bildschirm derart polyglotte Ermittler einer US-Behörde gesehen!
Dass viele der satirischen Einlagen arg gezwungen daherkommen, ist wenig hilfreich. Als problematischer erweist sich aber eine andere Erkenntnis: In den ersten vier von elf Episoden bleibt die Spannungskurve ernüchternd flach. Momente echten Nervenkitzels, etwa eine Verfolgungsjagd durch ein Laborlabyrinth, lassen sich an einer Hand abzählen. Für eine Serie, die mitreißen und schockieren will, ist das nach mehr als einem Drittel der Gesamtlaufzeit ein bedenkliches Fazit.
Die ersten drei Folgen der Serie "The Beauty" sind ab Donnerstag, dem 22. Januar auf Disney+ verfügbar. Anschließend geht es im wöchentlichen Rhythmus mit der Veröffentlichung je einer neue Episode weiter.
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