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Premiere: Ärger um reduzierte Sport-Berichterstattung
(15.10.2008, 00.00 Uhr)
Die Finanzkrise bei Premiere wirkt sich auch auf das Programmangebot im Sport-Bereich aus. Zum Ärger von Kunden, Sportverbänden und Rechtehändlern verzichtet der Pay-TV-Sender auf die Nutzung seiner zahlreichen Senderechte, um Produktionskosten zu sparen. Darüber berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) in ihrer heutigen Print-Ausgabe.
Ende 2007 versprach der damalige Vorstandsvorsitzende Kofler unter anderem "486 Partien aus sieben europäischen Ligen sowie 25 Länderspiele aus Lateinamerika" und einiges mehr. Mit Hilfe dieser Werbung konnte Kofler laut SZ in kurzer Zeit mehr als 200.000 Neukunden begrüßen. In der Realität ist von dem angepriesenen Angebot aber kaum etwas zu sehen. Die beiden Sport-Kanäle des Senders - die im Einzel-Abo stolze 19,99 Euro, im Kombi-Paket 34,99 Euro pro Monat kosten - zeigen oft tagelang nur Wiederholungen. Bis auf die Formel 1 und drei Fußball-Angebote (Bundesliga, DFB Pokal, Champions League) lassen sich kaum noch Programmhighlights ausmachen.
"Ich erhalte täglich Kommentare von Abonnenten, die wütend sind, dass sie nicht das sehen können, womit geworben wurde", zitiert die "SZ" den Blogger Kai Pahl (allesaussersport.de). "Die Strategie von Premiere scheint zu sein, gerade soviel zu senden, dass die Kunden nicht in Scharen davonlaufen", so Pahl.
Zur Streichliste des Senders gehören demnach unter anderem die Premier League (nur knapp 120 statt der versprochenen 210 Live-Spiele) und die Primera Division (76 statt 150). Aus den anderen Ligen wird es lediglich noch einige Top-Begegnungen geben: Versprochen waren ursprünglich zum Beispiel 40 Spiele aus Frankreich und 30 Spiele aus den Niederlanden. Die angekündigten 25 WM-Qualifikationsspiele: Fehlanzeige. Den Motorsportfans wurden unter anderem die Live-Übertragungen der Nascar-Serie gestrichen - obwohl der Sender im Januar noch damit geworben hatte.
Laut der Zeitung befindet sich Premiere im Besitz zahlreicher Übertragungsrechte, nutzt diese aber nicht mehr, um die Produktionskosten (circa 10.000 bis 15.000 Euro pro Live-Sendung) einzusparen. Daher sind neben den Abonnenten auch Sportverbände und Rechteinhaber sauer. Die Verbände erhalten zwar noch Lizenzzahlungen, ihre Sportwettbewerbe finden aber im Fernsehen nicht mehr statt. "Premiere ist nicht verpflichtet, die erworbenen Rechte auszustrahlen", bestätigt Jörn Anhalt vom Vermarkter Sportfive. Betroffen ist zum Beispiel auch die "Golden League" in der Leichtathletik, die trotz Vertrages bis 2009 gestrichen wurde. Noch im Dezember warb Premiere damit, gesendet wurde im Olympiajahr 2008 aber keine einzige Minute.
Ein Premiere-Sprecher, der in der "SZ" nicht namentlich genannt wird, spricht bezüglich der Vorgehensweise des Unternehmens von einer "Programmoptimierung": "Maßgeblich für unsere Programm-Entscheidungen ist der Geschmack der Zuschauer. Sportereignisse, die keine oder wenig Resonanz haben, finden auch bei uns Programm-Machern kein Interesse."
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Leserkommentare
Kaschi schrieb via tvforen.de am 15.10.2008, 18.52 Uhr:
Machen die sich nicht strafbar, wenn sie mit falschen Versprechungen werben?
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