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Nemi El-Hassan: Neuer "Quarks"-Job ruht während Untersuchung von Kontroverse

von Bernd Krannich in News national
(15.09.2021, 13.24 Uhr)
WDR will Vorwürfe wegen älterer politischer Aktivitäten sorgfältig prüfen
Nemi El-Hassan
© WDR/Tilman Schenk
Nemi El-Hassan: Neuer "Quarks"-Job ruht während Untersuchung von Kontroverse/© WDR/Tilman Schenk

Zum Wochenende war bekannt geworden, dass der WDR für sein Wissenschaftsmagazin  "Quarks" die beiden studierten Medizinerinnen Dr. med. Florence Randrianarisoa und Nemi El-Hassan als Nachfolgerinnen für die zum ZDF gewechselte Mai Thi Nguyen-Kim engagiert hat (TV Wunschliste berichtete). Um El-Hassan hat sich seitdem eine Kontroverse entwickelt, die dazu geführt hat, dass der WDR die Zusammenarbeit mit ihr vorerst aussetzt.

Nemi El-Hassan sollte die Sendung ab November im Wechsel mit Ralph Caspers und Randrianarisoa moderieren.

Nach der Bekanntgabe der neuen Zusammenarbeit war über El-Hassan bekannt geworden, dass sie 2014 am al-Quds-Marsch in Berlin teilgenommen hatte. Der al-Quds-Tag findet seit Ende der 1970er jährlich statt, um die Einnahme der "heiligen Stadt Jerusalem" durch Israel aus muslimischer Sicht zu brandmarken. Dabei kommen unterschiedliche Strömungen zusammen, die teilweise aus islamistischer Sicht die Zerstörung Israels fordern. Andere verstehen ihn als Zeichen der Solidarität mit den Palästinensern in Israel. Allerdings überwiegt mittlerweile die Deutung, dass Veranstaltungen hierzu überwiegend islamistisch getragen sind.

Im Jahr 2014 war die Spannung an der am 25. Juli abgehaltenen Demonstration besonders groß gewesen, da Israel als Reaktion auf anhaltenden Raketenbeschuss aus dem autonomen Gaza-Streifen Anfang Juli eine militärische Offensive begann, bei der auch Hunderte Zivilisten ums Leben kamen und sich eine humanitäre Krise abzeichnete. Die Emotionen bei der Demonstration in Berlin waren enorm aufgeladen, die Demonstration war nur unter der Auflage gestattet worden. Zum genauen Ablauf gibt es unterschiedliche Darstellungen, die auch von antisemitischen Parolen einzelner Demonstranten berichten, aber auch festhalten, dass die eigentliche Demonstration nicht in Gewalt eskaliert war.

Am Wochenende waren wegen der Teilnahme von El-Hassan vor allem in Springer-Medien wie der Bild Vorwürfe des Antisemitismus gegen El-Hassan laut geworden.

Die bestätigte in einem Instagram-Beitrag ihre Teilnahme im Jahr 2014, ordnete aber ein, dass sie damals erst 20 Jahre alt gewesen sei und die Teilnahme generell an al-Quds-Märschen später als Fehler erkannt habe (diese werden eben häufig islamistisch instrumentalisiert). 2014 habe sie keinesfalls antisemitische Parolen von sich gegeben. Ihr Ziel sei gewesen, Solidarität mit den Palästinensern und Palästinenserinnen im Gaza-Streifen zu zeigen.

Nach Gesprächen ruht nun also der angedachte Job von Nemi El-Hassan bei "Quarks" vorläufig. Der WDR teilte mit, dass man sich mit einer endgültigen Entscheidung die nötige Zeit nehmen werde: Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer. Es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren. Deshalb ist eine sorgfältige Prüfung geboten. Und weiter: Der WDR duldet keinerlei Form von Antisemitismus und verurteilt die Al-Quds-Märsche und die Positionen, die dort vertreten werden, auf das Schärfste. Daneben habe man aber im Gespräch mit El-Hassan deren (oben dargelegte) Position zur Kenntnis genommen.

Die 27-jährige Journalistin, Medienmacherin und Ärztin Nemi El-Hassan hat ihr Medizinstudium an der Berliner Charité absolviert. Erste Medienerfahrungen hat sie als Mitbegründerin des YouTube-Kanals "Datteltäter" gemacht, der auf satirische Art mit Vorurteilen gegenüber Muslimen aufräumen möchte. Für ihr funk-Format "Jäger & Sammler" wurde sie mit dem Europäischen CIVIS Online Medienpreis ausgezeichnet und 2020 für den  Grimme Preis nominiert (TV Wunschliste berichtete).

Im Text zu ihrem Instagram-Post erklärt El-Hassan, dass sie bei der Demonstration in Berlin tatsächlich 20 Jahre alt war, nicht wie in den Bildern geschrieben 19.


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Leserkommentare

  • Fernsehschauer schrieb am 15.09.2021, 14.29 Uhr:
    Hinterher kann man sich immer rausreden fakt ist sie war bei einer Antisemitischen Demonstration dabei. Und Unwissenheit schützt vor Strafe (oder in diesem Fall Konsequenzen) nicht. 
    Hätte auch, völlig zurecht, wieder ein Sturm der Entrüstung gegeben  wenn jemand bei einer NPD Demonstration mitläuft und dann im Nachhinein beteuert man hätte ja nicht gewusst dass es eine Veranstaltung der rechten Ecke war. 
    Also sorry selber Schuld. Antisemiten haben nichts im ÖR (oder allgemein irgendwo) zu suchen
  • SerienFan_92 schrieb am 15.09.2021, 14.26 Uhr:
    Also mittlerweile wird einem aus allem ein Strick gedreht...

    Die Sender sollten sich nicht immer so schnell verunsichern lassen.