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Netflix übertrifft eigene Erwartungen, Beobachter skeptisch

Netflix hat am Dienstag seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2019 vorgestellt. Obwohl das Abonnentenwachstum mit insgesamt 9,6 Millionen die vor drei Monaten veröffentlichte, selbstgesteckte Erwartung von 8,9 Millionen übertrifft, reagierten die Börsianer empfindlich, der Aktienkurs gab im Tagesverlauf um 4 Prozent nach. Die hohen Verbindlichkeiten von Netflix, die in den letzten Wochen mit eigenen Ankündigungen angetretene, internationale Konkurrenz von Disney+ und Apple TV+ sowie geringere Wachstumsankündigungen für das kommende Quartal sind nach einer Analyse von Deadline die Hintergründe.
Mit nun 148,86 Millionen Abonnenten kratzt Netflix an der Marke von 150 Millionen. Die 9,6 Millionen Neukunden (netto) ergeben sich aus 1,74 Millionen Neukunden in den USA und 7,86 Millionen im Rest der Welt.
Die für den Kursrückgang angeführten Gründe sind allesamt nichts neues, allerdings wird bei den Börsianern eben häufig von Quartal zu Quartal gedacht. Und mit ihren jeweiligen Presseveranstaltungen hatten sich Apple und Disney eben zu einer Zeit zurück in deren Gedächtnis gebracht, als Netflix in den USA und bald darauf auch weltweit die Preise für Neukunden angezogen hat. Gerade der Kampfpreis von Disney mit 6,99 US-Dollar zum Start (TV Wunschliste berichtete; gegenüber mindestens 8,99 US-Dollar bei Netflix) sowie die nun bekannt gewordenen Zeitpläne für die zügige internationale Verbreitung und den Sprung in die schwarzen Zahlen dürften hier den Börsianern Sorgen machen: Disney spaßt nicht!
Da stellt sich die Frage nach den hohen Verbindlichkeiten von aktuell mehr als zehn Milliarden US-Dollar doppelt. Denn obwohl Netflix formal Gewinn ausweisen kann, so zahlt man die aktuelle Ausweitung auf Pump. Das Modell hatte einst für Amazon funktioniert. Nur dass Amazon eben die Konkurrenz im Onlinehandel damit nachhaltig in die Schranken gewiesen hat, dann das Angebot immer weiter ausweiten konnte und nun nahezu alles unter einem Dach bieten kann - und damit einen weiten Schatten wirft, in dem keine nennenswerte Konkurrenz erwachsen kann. Bei den Streaming-Diensten sieht das anders aus, da jeder Dienst ein eigenes Angebot hat. Dank der monatlichen Kündigungsfristen bei den meisten Streaming-Anbietern können die Inhaber andere Dienste mit starken Marken wie Disney+ die Kunden zum Ausprobieren bringen.
Der letzte "Negativpunkt" der verkündeten Zahlen ist das anvisierte Kundenwachstum von "nur" 5 Millionen. Der im Vergleich zum ersten Quartal eher geringe Wert ist aber vor allem einem jährlichen Zyklus geschuldet, bei dem Netflix im Herbst und Winter (auf der bevölkerungsreichen Nordhalbkugel) die meisten Kunden gewinnt, während das Kundenwachstum im zweiten Quartal regelmäßig am geringsten ist und im dritten Quartal auch von sommerlichen internationalen Sport-Großereignissen (Fußball-WM, Olympischen Spielen) oder deren Abwesenheit deutlich beeinflusst wird.
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