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Interview zum 50. Geburtstag der "Sendung mit der Maus"
Christoph Biemann
WDR/Annika Fußwinkel
Christoph Biemann: "Ein Leben als Maus-Macher ist ein sinnvolles Leben"/WDR/Annika Fußwinkel

Der Geburtstagsreigen um  "Die Sendung mit der Maus" ist im vollen Gange. An diesem Wochenende feiert der Kinderklassiker, der nach wie vor bei Jung und Alt beliebt ist, sein 50-jähriges Bestehen. Neben Maus-Vater Armin Maiwald ist Christoph Biemann das zweite Gesicht, das die Sendung über viele Jahrzehnte enorm geprägt hat.

Nachdem wir in den vergangenen Tagen bereits ein Interview mit Armin Maiwald und einen großen Rückblick auf die 50-jährige Geschichte der "Sendung mit der Maus" veröffentlicht haben, folgt nun abschließend ein Interview mit Christoph Biemann. Der Sachgeschichten-Macher erläutert im Gespräch mit TV Wunschliste-Redakteur Glenn Riedmeier, wie er bei der "Sendung mit der Maus" gelandet ist und was seiner Ansicht nach das Erfolgsgeheimnis ist. Darüber hinaus spricht er darüber, wie aufwendig die Produktion einer Sachgeschichte ist und ob es schwierig ist, noch neue Themen zu finden. Und natürlich geht es auch um sein Markenzeichen: Wie kam es zum grünen Pullover und fühlt er sich nach den vielen Jahrzehnten noch immer darin wohl?

TV Wunschliste: Herr Biemann, "Die Sendung mit der Maus" wird 50 Jahre alt. Sind Sie sich als prägender Teil eigentlich darüber bewusst, welche Bedeutung die Sendung über viele Generationen hinweg für die TV-Geschichte in Deutschland hat?

Christoph Biemann: Eigentlich nicht, darüber denkt man eigentlich gar nicht nach. Wenn man wie ich fast 50 Jahre im Fernsehen ist, muss man etwas sehr falsch gemacht haben, wenn man nicht eine gewisse Bekanntheit und vielleicht auch Sympathie erfährt. Aber man hat eigentlich von Film zu Film seine Arbeit gemacht und geschaut, dass man die Sendung auf die Reihe kriegt. So richtig gemerkt haben wir die Bedeutung das erste Mal 1996 beim 25-jährigen Maus-Jubiläum, als plötzlich eine halbe Million Menschen auf dem Roncalliplatz und den Seitenstraßen standen - wegen einer Fernsehsendung! Da waren wir wirklich selber ganz baff und uns Maus-Macherinnen und -Machern wurde klar, mit welcher Begeisterung wir es beim Publikum zu tun haben. Das war ein Wendepunkt in der Maus-Geschichte.

Türöffner-Tag mit Christoph Biemann im Ostsee-Info-Centrum in Eckernförde
Türöffner-Tag mit Christoph Biemann im Ostsee-Info-Centrum in Eckernförde WDR/Olga Samuels

Normalerweise kommen Kindersendungen und gehen irgendwann wieder, wie auch andere Trends. Doch "Die Sendung mit der Maus" ist noch immer eine der beliebtesten Kindersendungen überhaupt. Was ist Ihrer Ansicht nach das Erfolgsgeheimnis?

Christoph Biemann: Wir haben zunächst einmal den besten Moderierenden: Die Maus. Sie redet nicht und kann deshalb auch nichts Falsches sagen. Das tut ganz gut. Im Fernsehen wird ohnehin zu viel geredet, es gibt zu viele sprechende Köpfe. Die Maus sagt nichts und das bringt ihr viele Sympathien. Zum anderen haben bei der Sendung Leute zusammengefunden, die das einfach mit Liebe und Herzblut machen. Die Zuschauer merken auch, dass es nicht lieblos hingerotzt ist, sondern eine gewisse Wertigkeit hat. Bis so eine Mausgeschichte fertig ist, dauert es sehr lange und es ist auch sehr anstrengend. Man könnte sein Geld wirklich leichter verdienen, aber es macht einfach Spaß, und ein Leben als Maus-Macher ist ein sinnvolles Leben. Ich mache etwas, das anderen Leuten Freude und Vergnügen bereitet, und das ist eine tolle Sache.

Die Sendung ist zwar vorrangig für Kinder gemacht, aber es gibt auch sehr viele erwachsene Zuschauer. Wie erklären Sie sich das?

Christoph Biemann: Das ist eigentlich ganz einfach: Wir erklären bei der Maus so, dass man es versteht. Und das finden auch Erwachsene sehr angenehm, wenn nicht nur etwas behauptet wird, sondern auch mit Bildern gezeigt wird. Für Kinder und Erwachsene ist es ein Lustgefühl und ein Erfolgserlebnis, wenn sie etwas erfahren, verstehen und nach fünf Minuten schlauer sind als vorher. Das ist im Grunde ein ganz einfaches Rezept. Die Schwierigkeit besteht darin, etwas so zu erklären, dass man es auch wirklich versteht. Es ist aber ein Missverständnis, dass wir angeblich eine Lernsendung sind. Wir haben den Anspruch, nicht zu belehren, sondern zu unterhalten.

Die Maus verbindet Generationen: Christoph Biemann, Clarissa Corrêa da Silva und Siham El-Maimouni (v. l. n. r.)
Die Maus verbindet Generationen: Christoph Biemann, Clarissa Corrêa da Silva und Siham El-Maimouni (v. l. n. r.) WDR/Michael Schwettmann

"Die Sendung mit der Maus" ist heute allseits beliebt, auch bei Eltern und Lehrern. Doch als es losging, hagelte es ordentlich Kritik von Pädagogen. Weshalb war das so?

Christoph Biemann: Die Pädagogen haben bemängelt, dass es bei den Filmen keine Systematik gäbe und wir keinen Lernzielkatalog abarbeiten. Aber das wollten wir auch gar nicht. Die Pädagogen hatten damals einfach eine ganz andere Vorstellung davon, wie eine Kindersendung auszusehen hat. Wir haben damals gesagt: Wir wollen Spaß machen und unterhalten. Wir wollten Türen aufmachen in Welten, in die Kinder vorher nicht reinkamen. Wir wollten einfach mal zeigen, was denn der Vater so erlebt, wenn er zur Arbeit geht. Was sieht er da, was macht er da? Das sind Dinge, die Kinder interessieren.

Wie sind Sie damals überhaupt zum Fernsehen und zur "Sendung mit der Maus" gekommen? War das Ihr Berufswunsch oder hatten Sie ursprünglich andere Pläne?

Christoph Biemann: Ich wollte Fernsehen und Filme machen. Ich bin auf die Hochschule für Fernsehen und Film in München gegangen. Dort haben sich ein paar Leute zusammengetan, für die Kinder- und Jugendfernsehen eine spannende Sache war. Zu fünft kamen wir in die privilegierte Lage, alles einzuladen, was aus diesem Bereich Rang und Namen hatte. Darunter auch Gert K. Müntefering, einen der Väter der Maus, der uns ganz stolz Kassetten mit den ersten Lach- und Sachgeschichten zeigte. Wir als 68er-Generation haben das natürlich in Grund und Boden kritisiert. Müntefering hätte beleidigt abziehen können, aber er sagte: Macht doch mal 'ne halbe Stunde, so wie ihr euch das vorstellt. Das haben wir dann auch gemacht. Es ging unter anderem um Briefträger und wie das mit dem Briefe austragen funktioniert. Wir haben aber auch gezeigt, was die Kinder des Briefträgers machen und wie der Briefträger abends nach Hause kommt. Diese Sendung wurde auch ausgestrahlt und ist jetzt irgendwo tief im Archiv verschwunden.

WDR/Annika Fußwinkel

So haben Sie also den Fuß in die Tür bekommen. Und wie ging es danach weiter?

Christoph Biemann: Ich habe ein Praktikum beim WDR gemacht und war anschließend zehn Jahre beim Armin Maiwald. Dann habe ich meine eigene Produktionsfirma gegründet, mit der ich seit 1989 meine Sachgeschichten produziere.

Wie auch Armin Maiwald haben Sie zunächst als Regisseur für die Sendung gearbeitet, bevor Sie 1982 erstmals vor die Kamera getreten sind. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Christoph Biemann: Wir haben eine Zeit lang viele dieser Fabrikgeschichten gedreht und gezeigt, wie etwas hergestellt wird. Da kamen wir auf die Idee, dass eine Geschichte auch einen Helden braucht. Mit dem Kabarettisten Werner Koy haben wir einen Film über Tomatenketchup gemacht und darin gezeigt, wie die Inkas Tomaten als Federballspiel benutzt haben und wie die Tataren unter ihren Sätteln die Tomaten zerritten haben, lauter solche wilden Sachen. Am Ende haben wir etwas gezeigt, das der Wahrheit nahekam - mit einem Inder, der auf einem Nagelbrett sitzt und verschiedene Kräuter streut. Werner Koy spielte diesen Inder und als er auf dem Nagelbrett saß, hat er zu mir den historischen Satz gesagt: Christoph, wenn du das machen müsstest, was du in deine Drehbücher schreibst, würdest du sie anders schreiben! (lacht). Die nächste legendäre Geschichte war die über die zehn Möglichkeiten, einen Fluss zu überqueren, in der der Protagonist neun Mal in den Fluss fällt. Da habe ich gesagt: Okay, ich seh's ein, das kann man keinem zumuten. Ich mach's selber! Das kam ganz gut an und so stand ich danach immer wieder vor der Kamera.

Auf der nächsten Seite erläutert Christoph Biemann, wie aufwendig die Produktion einer Sachgeschichte ist und ob es schwierig ist, noch neue Themen zu finden. Und es geht um sein Markenzeichen: Wie kam es zum grünen Pullover und fühlt er sich nach den vielen Jahrzehnten noch immer darin wohl?


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Leserkommentare

  • Doktor_Klinker-Emden schrieb am 07.03.2021, 14.55 Uhr:
    Sehr schönes Interview! Schade, dass es zu dieser TV-Legende kein vernünftiges "Maklng-of-Buch"/Kompendium gibt. Der Markt wäre da und genug Material ja sowieso. Ich habe leider im Moment zu viele andere Projekte zum Selbermachen. Aber kaufen würde ich es.
 

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