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TV-Kritik/Review: Newtopia - Der Start

Neue Realityshow-Hoffnung von Sat.1 ist gestartet - von Glenn Riedmeier (23.02.2015)
TV-Kritik/Review: Newtopia - Der Start

Newtopia
Eine bunte Mischung - Die 15 Pioniere von "Newtopia"

Nun ist es also gestartet, das "größte TV-Experiment aller Zeiten" - so vollmündig bewirbt Sat.1 zumindest seine neue Realityshow "Newtopia". Optimistisch und vielleicht auch etwas übermütig steht auf den Plakaten bereits vor dem Sendestart geschrieben, dass das Format ein ganzes Jahr lang dauern soll. Ein Erfolg der Sendung ist sowohl für Sat.1, als auch für den Erfinder John de Mol von großer Bedeutung. Für den Bällchensender geht es vor allem darum, endlich wieder an Relevanz zu gewinnen und ein Format im Programm zu haben, "über das man spricht". Geschäftsführer Nicolas Paalzow strebt die 10-Prozent-Marke an. Und für John de Mol hängt der Weiterverkauf des Formats in andere Länder davon ab, wie es sich in Deutschland schlägt, nachdem er zuletzt mit der US-Adaption eine Pleite in Kauf nehmen musste.

Sat.1 hat im Vorfeld beeindruckende Maßnahmen unternommen. Neben einer umfangreichen Werbekampagne setzt der Sender vor allem auf Interaktivität und Social Media. Die Zuschauer können das Geschehen online und mobil per App 24 Stunden live verfolgen - zur Wahl stehen ein kostenfreier Livestream und der werbefreie, kostenpflichtige Newtopia Premium Pass, der vier parallele Livestreams beinhaltet. Zusätzlich ist es möglich, per Tablet und Smartphone eine 360°-Kamera zu steuern, um den gewünschten Blickwinkel selbst festzulegen. Angesichts dieses Aufwands erscheint es geradezu erstaunlich, dass Sat.1 nicht einmal zum Start seine Primetime für den wichtigen Neustart räumt. Anstelle einer großen, mehrstündigen Einzugsshow beginnt die Ausstrahlung der 55-minütigen ersten Folge schlicht auf dem Vorabend-Sendeplatz um 19 Uhr, wo "Newtopia" im besten Fall in den kommenden zwölf Monaten werktags zu sehen sein soll. Auch insgesamt wird auf Liveshows oder gar einen Moderator verzichtet. Bei "Newtopia" bekommen die Zuschauer quasi Reality-TV in seiner reinsten Form serviert.

An einem abgelegenen Ort im brandenburgischen Königs Wusterhausen haben 15 auserwählte Kandidaten die Möglichkeit, eine neue Gesellschaft aufzubauen und so im besten Fall eine "bessere Welt zu schaffen". Das Geschehen wird in "Big Brother"-Manier von mehr als 100 Kameras und 60 Mikrofonen dokumentiert und aufgezeichnet. Die Bewohner fangen bei Null an und können die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen von Grund auf gestalten. Es gibt keine vorgegebenen Regeln und Gesetze, alles liegt in ihrer Hand. Über allem steht die große Frage: Gelingt es den Bewohnern, ihr ultimatives Glück zu finden oder wird es in einem kompletten Chaos enden?

Newtopia
Sieht so das Paradies auf Erden aus?
Die 15 sogenannten "Pioniere" sind schon vor einigen Tagen auf dem "Newtopia"-Gelände angekommen, so dass bereits Sendematerial für die erste Zusammenfassung vorliegt. Die Vorstellung der Kandidaten erfolgt der begrenzten Sendezeit geschuldet kurz und knapp und wird nicht wie etwa bei "Big Brother" oder "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" in die Länge gezogen. Was sofort auffällt: Sat.1 hat sich bei der Auswahl der Kandidaten offenbar nicht beim typischen "Verdachtsfälle"/"Berlin - Tag & Nacht"-Personal bedient, sondern setzt auf ein breites Spektrum an Charakteren aus unterschiedlichen Alters- und Bildungsschichten. Von der 19-jährigen Tatjana bis hin zum 61-jährigen Steffen wird eine große Altersspanne abgedeckt - und vom Studenten über eine Architektin, einen Politikwissenschaftler, eine Kassiererin, einen Landwirt, einen Restaurantleiter, ein Model bis hin zum Key Account Manager ist auch eine bunte, berufliche Mischung vertreten. Mastermind John de Mol höchstpersönlich hatte beim Casting ein Auge darauf, dass die richtigen Charaktere ausgewählt werden. Und tatsächlich kommen die Pioniere auf den ersten Blick erfrischend authentisch und medienunerfahren rüber.

In der Pilotfolge sehen wir, wie sich die Bewohner tränenreich von ihrem alten Leben trennen und sich anschließend kennenlernen. Sie begutachten die ihnen zur Verfügung gestellte Startausstattung: Eine unbeheizte Scheune, zwei Kühe, einige Hühner und etwas fruchtbarer Ackerboden, sowie Anschlüsse für Gas, Wasser und Strom. Betten, Duschen und Toiletten müssen sie sich selbst organisieren. Zusätzlich steht ein kleines Startguthaben von 5000 Euro zur Verfügung. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, können die Pioniere für Geschäftsbeziehungen mit der Außenwelt in Kontakt treten, dürfen das Gelände jedoch nicht verlassen. Kurz darauf dürfen sie noch einmal für eine begrenzte Zeit in ihre "alte Welt" zurück, um je eine Kiste sinnvoller Utensilien einzupacken und nach "Newtopia" zu bringen. Sie sprechen sich klugerweise vorher ab, wer was mitnimmt, und machen sich dann auf den Weg. Ingesamt verläuft die Premiere von "Newtopia" auffallend unspektakulär und zurückhaltend. Überhaupt spielt sich der Großteil der Szenen in der ersten Ausgabe außerhalb des Geländes ab. Wie üblich muss man einer Realityshow allerdings ein paar Tage Zeit geben, bis sich Konfliktherde gebildet haben.

Es werden unweigerlich Erinnerungen an die erste "Big Brother"-Staffel wachgerufen, als sowohl für die Bewohner als auch für die Zuschauer noch alles neu war und man sich völlig unbedarft auf das soziale Experiment eingelassen hat. Es erscheint klar, worauf Sat.1 mit "Newtopia" abzielt: Anders als etwa beim Dschungelcamp stehen hier offenbar nicht Schadenfreude und Erniedrigung der Kandidaten im Mittelpunkt. Stattdessen überwiegt der Daily-Soap-Gedanke: Es geht darum, spannende und emotionale Geschichten über soziale Bindungen und mögliche Lieb- und Feindschaften zu erzählen. Genau wie "Big Brother" ist "Newtopia" als eine Art umfassendes gruppendynamisches Seminar zu betrachten. Es werden Menschen verschiedenster Gesellschafts- und Bildungsschichten zusammengewürfelt, die sich irgendwie arrangieren müssen. Im Laufe der Zeit werden sich Antipathien und Sympathien herausbilden und als Zuschauer findet man im besten Fall schnell seine Lieblingsbewohner, mit denen man sich identifizieren und mitfiebern kann - und wer einen Liebling gefunden hat, kann ihn per Livestream sogar 24 Stunden am Tag begleiten.

So zumindest ist der Plan von Sat.1 und John de Mol. Nach der ersten Folge lässt sich schwer vorhersagen, ob das Konzept auch aufgehen wird. Es bleibt abzuwarten, ob sich die an krawallige Scripted-Reality gewöhnten Zuschauer in Deutschland heute noch auf ein "richtiges" Reality-Experiment einlassen, bei dem nicht ständig auf Teufel komm raus die Fetzen fliegen. Die größte Herausforderung besteht darin, das Interesse der Zuschauer über den sehr langen Zeitraum von einem Jahr zu halten. Denn selbst den beiden Jahresstaffeln von "Big Brother" (inklusive dem artverwandten "Big Brother - Das Dorf") ging nach rund sechs Monaten allmählich die Puste aus. Und anders als bei "Big Brother" können bei "Newtopia" im Falle zu großer Langeweile nicht mal eben Matches oder Challenges gestartet werden. Es ist schließlich essentieller Teil des Konzeptes, dass die Bewohner völlig auf sich gestellt sind und eben nicht von einem Großen Bruder "betreut" werden.

Für den Mut und den offensichtlichen Enthusiasmus gebührt den Machern zunächst einmal Respekt - und für die kommenden Wochen ist ihnen Durchhaltevermögen zu wünschen und anzuraten, von undurchdachten Kurzschlussreaktionen abzusehen - falls die Einschaltquoten wider Erwarten doch nicht in derart utopischen Höhen schweben sollten wie erhofft. Das Potential ist vorhanden - jetzt muss es nur richtig genutzt werden.


Glenn Riedmeier
© Alle Bilder: Sat.1/Jens Koch


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Über den Autor

  • Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier ist Jahrgang '85 und gehört zu der Generation, die in ihrer Kindheit am Wochenende früh aufgestanden ist, um stundenlang die Cartoonblöcke der Privatsender zu gucken. "Bim Bam Bino", "Vampy" und der "Li-La-Launebär" waren ständige Begleiter zwischen den "Schlümpfen", "Familie Feuerstein" und "Bugs Bunny". Die Leidenschaft für animierte Serien ist bis heute erhalten geblieben, zusätzlich begeistert er sich für Gameshows wie z.B. "Ruck Zuck" oder "Kaum zu glauben!". Auch für Realityshows wie den Klassiker "Big Brother" hat er eine Ader, doch am meisten schlägt sein Herz für Comedyformate wie "Die Harald Schmidt Show" und "PussyTerror TV", hält diesbezüglich aber auch die Augen in Österreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten offen. Im Serienbereich begeistern ihn Sitcomklassiker wie "Eine schrecklich nette Familie" und "Roseanne", aber auch schräge Mysteryserien wie "Twin Peaks" und "Orphan Black". Seit Anfang 2013 ist er bei TV Wunschliste vorrangig für den nationalen Bereich zuständig und schreibt News und TV-Kritiken, führt Interviews und veröffentlicht Specials.