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"Escobar hat eine tiefe Narbe in Kolumbien hinterlassen": Ein Treffen mit "Narcos"-Hauptdarsteller Wagner Moura
(28.08.2015)

"Narcos" ist die erste Dramaserie, die Netflix speziell mit Blick auf den lateinamerikanischen Markt produzieren ließ: die wahre Geschichte des früheren kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar, gedreht an Originalschauplätzen und zu einem großen Teil auf Spanisch. Zu sehen ist sie aber natürlich auch für die deutschen Kunden des Streamingdienstes. Im Juli lud Netflix Pressevertreter zu einer Vorab-Aufführung der Auftaktfolgen in das hippe Hotel Soho House in Berlin-Mitte. Anschließend stellte sich Hauptdarsteller Wagner Moura, in seiner brasillianischen Heimat bereits ein Superstar, den Fragen der Journalisten. Dabei erzählte er, wie er sich innerlich und äußerlich auf die Rolle vorbereitet hat, welche Bedeutung Escobar heute noch in Kolumbien spielt, und warum er auf keinen Fall über Fußball reden wollte. Für wunschliste.de war Gian-Philip Andreas bei dem Treffen dabei.
Die geladenen Pressevertreter machen es sich gerade in der gediegenen Kellerbar des Berliner Luxushotels Soho House gemütlich und verarbeiten die Eindrücke, die die ersten Episoden des neuen Netflix-Prestigeprojekts
Dann steht plötzlich Wagner Moura im Raum, der Star der Serie, Darsteller des Escobar. Moura ist ganz in Schwarz gekleidet, kaum wiederzuerkennen mit distinguierter Hornbrille statt des dichten Escobar-Schnurrbarts. Der Extraspeck, den er sich für die Rolle auf den Leib fressen musste, ist indes noch nicht wieder komplett verschwunden - es könnte ja sein, dass es grünes Licht gibt für eine zweite Staffel. Bei uns kennen Moura nur Spezialisten, in Brasilien ist er längst ein Star. In
Womit wir beim seriellen Erzählen wären und bei "Narcos", jenem Zehnteiler, den er hier unten in der Kellerbar promoten soll, im lockeren Gespräch mit den anwesenden Journalisten und der angeheuerten Fragenstellerin Frauke Oppenberg vom Radio. Sein Auftrag sei es gewesen, den Jahrhundertgangster Escobar als Menschen zu porträtieren, hebt er an, und es fällt auf, dass er den ruchlosen kolumbianischen Drogenboss während des gesamten Gesprächs stets beim Vornamen nennt: Pablo. "Klar, Pablo war eine der übelsten Gestalten, die jemals auf dieser Erde gewandelt sind", sagt er. "Aber ich musste doch herausfinden, was ihn wirklich ausmachte. Er war ein komplexer Charakter, sehr charismatisch, ein liebender Vater, ein großartiger Ehemann, trotz seiner ganzen Geliebten." In seiner Heimatstadt Medellín schenkte Escobar mehr als 2000 Menschen Häuser, er wollte stets gut sein zu den armen Menschen in Kolumbien. Auf einem Berghang über Medellín, erzählt Moura, gebe es immer noch ein Viertel, das von den Einheimischen das "Barrio Pablo Escobar" genannt werde. Auf einer Mauer prange dort das Antlitz Escobars direkt neben einem Bild von Jesus Christus. "Wenn Sie dort etwas Schlechtes sagen über Pablo, stecken Sie schnell in Schwierigkeiten."
Zumindest ein Fünkchen Respekt kann man da heraushören. Doch, nur zur Erinnerung: Pablo Escobar war der wohl mächtigste Drogengangster aller Zeiten - und einer der brutalsten. In den Achtzigern gelangte er zu gigantischem Reichtum und zweifelhaftem Ruhm, weil er mit dem Medellín-Kartell beim Kokainschmuggel über Leichen ging und auch vor Angriffen auf den Staat nicht zurückschreckte, während er sich gleichzeitig als Mann des Volkes inszenierte und als eine Art Robin Hood stilisieren ließ. 1993 wurde er erschossen.
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