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TV-Kritik/Review: "Scrubs": Nach 15 Jahren Pause plötzlich Chefarzt

Das Revival der Nullerjahre-Erfolgscomedy mit Zach Braff wirkt fast so frisch wie damals
Freunde für immer: Dr. Turk (Donald Faison) und Dr. "J.D." Dorian (Zach Braff) arbeiten wieder im Sacred Hearts Hospital zusammen.
Disney+
TV-Kritik/Review: "Scrubs": Nach 15 Jahren Pause plötzlich Chefarzt/Disney+

Bei  "Frasier" ging es schief, bei  "Party Down" lief es besser: Die Neuauflage beliebter Comedyserien nach langer, langer Pause ist keine einfache Aufgabe. Jetzt startet bei Disney+ das neue  "Scrubs" - mit der Originalbesetzung Zach Braff, Sarah Chalke und Donald Faison in den angestammten Hauptrollen. Fünf der neun neuen Episoden der Krankenhaus-Dramedy sind in den USA bereits gelaufen. Wir haben sie gesichtet und finden: Dieses Revival ist eine freudige Überraschung.

Immer wenn die Hits von gestern auf Wiedervorlage gebracht werden, halten sich Vorfreude und Skepsis der Fans die Waage: Wird es gelingen, das Flair von ehedem zu reproduzieren oder verlassen sich die Macher nur auf billige Nostalgie-Effekte? Was, wenn die Chemie zwischen den Darstellern verflogen ist? Oder wenn das, was damals so zeitgeistig funktionierte, im veränderten kulturellen Kontext nicht mehr zündet? Diese Fragen darf man sich stellen, bevor im April Nachschub von  "Malcolm mittendrin" ansteht, und man stellte sie sich auch, als vergangenes Jahr bestätigt wurde, dass "Scrubs" - oder eher: [scrubs] - tatsächlich in eine neue Staffel gehen würde. 15 Jahre nach dem Schluss.

Erinnern wir uns kurz:  "Scrubs - Die Anfänger" lief zwischen 2001 und 2008 zunächst bei NBC, eine Dramedy über junge Ärzte, präsentiert in 22-minütiger Sitcom-Länge, die als Single-Camera-Produktion in diesem Format damals ungewöhnlich war. Die Protagonisten, anfangs noch Praktikanten im (fiktiven) Sacred Hearts Hospital, stiegen im Laufe der Serie die Karriereleiter empor. Nach der durch den damaligen Autorenstreik extrem verkürzten siebten Staffel zog der Sender den Stecker. Zur Rettung kam die Konkurrenz von ABC, die die Serie zunächst erfolgreich weiterführte und mit großem, rührenden Finale beendete, dann aber die unselige Idee hatte, in einer neunten Staffel ein neues Protagonistenteam auszutesten: Plötzlich war das Krankenhaus ein anderes und es ging um ein paar blasse Medizinstudenten, während die bisherigen Stars der Serie gar nicht mehr oder nur am Rande auftauchten. Nur drei der Stars (Braff als J.D., Faison als Turk und John C. McGinley als Dr. Cox) waren noch größer dabei, schlichen sich aber langsam als Nebenfiguren aus. Das konnte nicht klappen. Nach 13 Episoden war 2010 Feierabend - und "Scrubs" vermeintlich für immer Geschichte.

Ganz wie in alten Zeiten: Dr. Eliot Reid (Sarah Chalke, M.) zwischen Turk und Oberschwester Carla (Judy Reyes).
Ganz wie in alten Zeiten: Dr. Eliot Reid (Sarah Chalke, M.) zwischen Turk und Oberschwester Carla (Judy Reyes). Disney+

Nun aber kehren Hauptautor Bill Lawrence (inzwischen berühmter für  "Ted Lasso" und  "Shrinking") sowie die neue Showrunnerin Aseem Batra (die schon damals für "Scrubs" schrieb) zurück, um einen der größten Serienklassiker der Nullerjahre frohgemut fortzusetzen - wiederum bei ABC. Wir klären mal die wichtigsten Fragen:

Wer aus der alten Besetzung ist noch bzw. wieder dabei?

Zach Braff spielt wieder die Hauptrolle des Dr. "J.D." Dorian. Wenn wir ehrlich sind, hat man von ihm in den letzten Jahren nicht allzu viel gesehen. Seine letzte Serie  "Alex, Inc." war ein Flop, sein jüngster Kinofilm  "French Girl" ein Desaster. Kein Wunder also, dass der 50-Jährige nur zu gerne zurückkehrt in jene Rolle, die sicher der Part seines Lebens ist. Donald Faison spielt erneut Dr. Turk. Seine Buddy-Freundschaft mit Braff hat er auch außerhalb der Serie stets weitergelebt, in Werbespots und Podcasts. Schließlich ist auch Dr. Eliot Reid zurück: Sarah Chalke war zuletzt vor allem als Sprecherin von Animationsserien im Geschäft ( "Rick and Morty") und trägt immer noch hero hair.

Im Vorhinein wurden außerdem mehrere andere Stars des Original-"Scrubs" angekündigt. Hier aber müssen wir die Erwartungen dämpfen: McGinley taucht als Dr. Cox bislang nur einmal auf, in der Pilotepisode als Staffelstabübergeber, Judy Reyes als Turks Frau und Chef-Nurse Carla nur zweimal als "Special Guest Star" - klar, die Darstellerin ist derzeit fest für die Krimi-Comedyserie  "High Potential" engagiert. Und Dr. Kelso? Der inzwischen 85-jährige Ken Jenkins war fürs Revival nicht mehr aus dem Ruhestand zu bewegen.

Immerhin: Zwei der beliebtesten Nebendarsteller von früher schauen immer mal wieder in Kurzauftritten vorbei, bei denen es sich im Grunde aber nur um Cameos handelt: Womanizer-Chirurg "The Todd" (Robert Maschio) und der mental instabile Orthopäde Hooch (Phill Lewis). Angekündigt, aber bislang noch nicht aufgetaucht sind zwei absolute Kultfiguren: der Hausmeister (Neil Flynn) und Dr. Cox' sarkastische Ex-Frau Jordan (Christa Miller). Zu erwarten sein dürften aber auch hier eher kurze Gastauftritte als Fanservice.

Schließt die neue Staffel an die neunte an?

Nein. Daher wird das neue "Scrubs" auch gar nicht als zehnte Staffel annonciert, sondern als eine ganz neue Serie. Ein Reboot ist das Ganze allerdings nicht, sondern durchaus eine Fortsetzung - allerdings eine, die an die achte, nicht an die neunte Staffel anknüpft. Die Geschehnisse von Staffel 9 werden sogar explizit geretconned, also revidiert/ignoriert, inklusive des damaligen Abrisses und Neubaus des Sacred Heart Hospitals. Von den damals neu eingeführten Hauptfiguren ist keine Rede mehr.

Wie wird das Ganze aufgezogen?

Zu Beginn arbeitet J.D. als Privatarzt für reiche Leute. Seit dem Ende der achten Staffel ist er nicht mehr im Krankenhausdienst. Als er eine seiner Patientinnen im Sacred Heart Hospital besucht, trifft er dort nicht nur Turk, der nach wie vor Chef der Chirurgie ist und mit Krankenschwester Carla mittlerweile eine sechsköpfige Familie hat, sondern auch seinen alten Mentor Dr. Cox, der ihm direkt seinen Job als Chefarzt anbietet - nicht zuletzt, weil er mit den Befindlichkeiten der nachrückenden Praktikanten nicht mehr klarkommt.

So kehrt J.D. also in ungewohnter Leitungsfunktion zurück an seine alte Wirkungsstätte, die immer noch genauso aussieht wie früher (obwohl heutzutage nicht mehr in einem Krankenhaus in North Hollywood gedreht wird, sondern in einem Studio in Vancouver). Die größte Überraschung schließt sich gleich an: Der Status quo der achten Staffel ist passé, J.D. längst wieder von seiner großen Liebe Eliot geschieden. Weil die Internistin aber ebenfalls wieder im Sacred Hearts Hospital arbeitet, ist die Bühne bereitet für das bewährte Will-they-won't-they-Spiel ihrer On-and-Off-Beziehung, die die Serie über viele Jahre hinweg prägte.

Kommt nicht klar mit der Fragilität der jungen Leute: Der scheidende Chefarzt Dr. Cox (John C. McGinley), zwischen den neuen Praktikanten (l.: Ava Bunn, 2.v.r.: David Gridley, r.: Jacob Dudman).
Kommt nicht klar mit der Fragilität der jungen Leute: Der scheidende Chefarzt Dr. Cox (John C. McGinley), zwischen den neuen Praktikanten (l.: Ava Bunn, 2.v.r.: David Gridley, r.: Jacob Dudman). Disney+

Eine neue Riege junger Ärzt*innen gibt es allerdings auch, und hier scheinen Lawrence & Co. vom Fehlschlag der neunten Staffel gelernt zu haben. Die Youngster werden konsequent als Nebendarsteller geführt, deren Subplots nie Gefahr laufen, die Screentime der "Legacy"-Stars Braff, Chalke und Faison allzu sehr zu beschneiden. Naturgemäß haben sie zu Beginn nicht den Hauch einer Chance, ans Charisma der Altbewährten heranzureichen, aber Potenzial ist zweifellos da. Es gibt die TikTok-Medizin-Influencerin, die ehrgeizige Chirurgin und den unnahbaren Machertypen. Jacob Dudman ( "Ich schweige für dich") etwa spielt den zartbesaiteten Dr. Green, der sich nicht traut, die talentierte Chirurgin Dr. Hadi (Layla Mohammadi aus  "The Persian Version") anzusprechen. Nach ein paar Episoden bilden sich bereits ein paar Charakterzüge heraus, die diese Figuren über bloße Gen-Z-Abziehbilder hinausheben können. Mehr drin ist aber auch noch.

Neben sie hat das Autorenteam ein paar skurrile Nebenfiguren gestellt, die von Anfang an für gute Lacher sorgen:  "Saturday Night Live"-Veteranin Vanessa Bayer spielt die stets passiv-aggressiv überfreundliche Mental-Health-Expertin der Station, Eddie Leavy ( "Mr. Griffin") den angemessen nerdigen IT-Mann. Mit den stets im Doppel auftretenden Nurses Raymond (X Mayo aus  "Wonder Man") und Dubois (Broadway-Star Michael James Scott) wird ein auf Anhieb amüsantes Lästerschwestern-Duo aufgeboten. Comedian Joel Kim Booster ( "Reich!") taucht zudem gelegentlich auf als Dr. Park, ein arroganter Stanford-Absolvent, der J.D. die Chefarzt-Position neidet und (mit herrlich bösen Tiraden) als dessen Antagonist in Stellung gebracht wird. Das ist auch dringend nötig. Denn wenn man am neuen "Scrubs" etwas bedauern kann, dann das Fehlen von Figuren wie Cox und Kelso, die dem fröhlichen Treiben der anderen damals so verlässlich Steine in den Weg geworfen hatten.

Funktioniert das Ganze denn?

Es funktioniert erstaunlich gut. Einerseits liegt das an der unbestreitbaren und wohl niemals kaputtzukriegenden Chemie zwischen Braff, Faison und Chalke, die weite Teile der Szenen tragen. Sie spielen maßvoll gealterte Versionen ihrer selbst, pendeln gekonnt zwischen bewährten Unsicherheiten und einem neuen Ringen um so etwas Performatives wie Autorität oder Vorbildcharakter. Andererseits liegt es daran, dass die Macher darum bemüht sind, die neue Serie nicht komplett als selbstgenügsames Nostalgie-Revival anzulegen.

Eine Art Gegenspieler für J.D.: Dr. Park (Joel Kim Booster) hat schön gehässige Sprüche drauf.
Eine Art Gegenspieler für J.D.: Dr. Park (Joel Kim Booster) hat schön gehässige Sprüche drauf. Disney+

So wäre der Witz der ersten Staffeln heute als "Boomer"-Humor zu bezeichnen, und was J.D., Turk und Cox vom Stapel lassen, zielt absolut in diese Richtung - besonders was die Geringschätzung der vermeintlich übersensiblen jungen Generation betrifft. Zugleich aber wird aus deren Warte das Dinosaurierhafte der Chefgeneration verwitzelt. So kriegen es hier beide Seiten ab, ohne dass es je erzwungen wirkte oder erbittert ideologisch klänge: ein fast schon vorbildlich integratives Vorgehen. Wenn Turk einmal sagt: Carla und ich waren zum letzten Mal gemeinsam im Restaurant, da waren Disney-Prinzessinnen noch weiß, ist das nicht zuletzt deshalb amüsant, weil der ausstrahlende Sender ABC ja selbst zu Disney gehört. Eine der Newcomerinnen der Station höhnt wiederum später: Weiße Ärzte hören im Operationssaal Coldplay und loben die schwarze Praktikantin dafür, dass sie sich so gut ausdrücken kann.

Wie damals wird die Serie von J.D. aus dem Off erzählt, wie damals kippen die Szenen immer mal wieder in seine Fantasievorstellungen um und wie damals singt die Band Lazlo Bane "I'm no Superman" über den Titelschriftzug. Der Rahmen bleibt also gleich, während der Kontext ein erkennbar anderer geworden ist. Jetzt geht es u. a. um Robotik in der Chirurgie, um AI-Chatbots, Social Media, Influencer aus der manosphere - und um gealterte Körper. Obwohl sich Braff, Chalke und Faison gut gehalten haben, dürfen sie herzerfrischend ächzen über die Zipperlein ihrer in die Jahre gekommenen Figuren.

Vor allem ist "Scrubs" diese ganz besondere Fähigkeit geblieben, Slapstick und fast kindische Albernheit ansatzlos mit Momenten aufrichtiger Emotionalität zu kontern, ohne sich dabei vollends in den Kitsch zu schmeißen oder aber den Stimmungskiller zu spielen - ein Kunststück angesichts der Sitcom-kurzen Spieldauer der Episoden. Das betrifft nicht nur die kleineren bis größeren Dramen der Patienten (in Folge 5 dabei: Kirsten Vangsness aus  "Criminal Minds"), sondern auch die Protagonisten selbst, die sich neu zurechtfinden müssen in ihrem Alltag als strapazierte Familienväter oder auf dem schwierigen Datingmarkt für nicht-mehr-junge Singles.

Werden Nachgeborene oder Zuschauer, die das alte "Scrubs" nie gesehen haben, damit etwas anfangen können? In Zeiten zumal, in denen an ambitionierten Krankenhausserien (von  "The Pitt" bis  "KRANK Berlin") kein Mangel herrscht? Schwer zu sagen. Die Fans von damals aber, das ist fast garantiert, dürften dieses weitgehend gelungene Wiedersehen so freudig begrüßen wie ein unverhofftes Treffen mit alten Freunden.

Meine Wertung: 4/5

Die neue Staffel von "Scrubs" erscheint in Deutschland ab dem 25. März auf Disney+.



 

Über den Autor

Gian-Philip Andreas hat Kom­mu­ni­ka­tions­wis­sen­schaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

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Leserkommentare

  • Ich-bin-ich schrieb am 24.03.2026, 20.27 Uhr:
    Dafür hab ich mir das erste Mal jetzt wirklich Disney geholt. Ich freu mich seit der Ankündigung schon extrem drauf.