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TV-Kritik/Review: "Sternstunde der Mörder": Keine Sternstunde des Fernsehens
von Christopher Diekhaus(29.03.2026)

Das in seiner Reinform recht formelhafte Krimigenre lässt sich schon mit kleinen Kniffen auf eine andere Stufe heben. Etwa, indem man ein Mordrätsel mit historischen Ereignissen verzahnt, es in einen größeren Kontext, eine gesellschaftliche Stimmungslage einbettet. Der spanische Kinostreifen
Letztgenannte Serie dürfte das große Vorbild für den deutsch-österreichischen ARD-Vierteiler

Hier der fleißige, die Nachforschungen konzentriert vorantreibende Einheimische, da der schweigsame, zunächst meist nur beobachtende Deutsche - auch in "Sternstunde der Mörder" gibt es ihn, den Klassiker so gut wie jeder Krimiserie: das grundverschiedene Ermittlergespann. Allzu penetrant reitet die Romanadaption allerdings nicht auf den Gegensätzen herum. Erwartungsgemäß tun sich im Laufe der Handlung vielmehr einige Parallelen auf, wobei die Schlusspointe dann schon eine Spur zu plakativ daherkommt.
Was Morava und Buback in besonderem Maße verbindet: Beide finden in den Wirren der letzten Kriegstage einen Menschen, mit dem sie ihr Leben teilen wollen. Im Falle des jungen Kommissars entwickelt sich die Beziehung mit seiner Kollegin Jitka (Diana Dulinková) erstaunlich flott. Schon in der Auftaktepisode gehen sie in einer kitschig arrangierten Szene auf Tuchfühlung. Der am Bein verletzte und daher auf einen Gehstock angewiesene Buback hat sich nach einem tragischen Verlust eigentlich emotional eingemauert. Eine Begegnung mit der früheren Schauspielerin Marleen Baumann (Jeanette Hain), der Geliebten seines Vorgesetzten Meckerle, lässt ihn aber wieder auftauen. Inmitten einer finsteren Zeit haben sich hier zwei verlorene Seelen gefunden, die trotz aller Enttäuschungen und Widrigkeiten den Glauben an ein besseres Leben nicht ganz aufgeben wollen. In ihrer Verbindung scheint, zumindest ab und an, eine tragisch-berührende Note durch.

Während Buback schon früh als Zweifler gezeichnet wird, als ein Deutscher mit Gewissen, der nicht rückhaltlos hinter Adolf Hitler steht, präsentiert uns die Miniserie mit seinem Chef Meckerle das Paradebeispiel des abgrundtief bösen Film- und Fernseh-Nazis. Ständig wie von Sinnen brüllend und mit dickem Schmiss an der Wange, wirkt Devid Striesows wenig ausgefeilte Figur leider nur wie die schlechte Karikatur eines Mannes, der sehenden Auges in den Untergang rennt.
In der Inszenierung (Regie: Christopher Schier) greift "Sternstunde der Mörder" des Öfteren zum dicken Pinsel, unter anderem wenn es um den Einsatz der Musik oder der Nebelmaschine geht. Mit seiner düsteren Optik - viele Passagen spielen in schummrigen Innenräumen, die Gesichter liegen häufig im Halbschatten - beschwört der Vierteiler jedoch eine Art Film-noir-Stimmung, ein bedrückendes Klima herauf. Kostüme und Ausstattung sehen authentisch aus, erwecken nicht den unangenehm artifiziellen Eindruck, den manch anderer deutscher Historienstoff verströmt. Auch sprachlich ist die Miniserie um Glaubwürdigkeit bemüht. Jonas Nay und andere einheimische Charaktere sprechen Deutsch mit Akzent und unterhalten sich zum Teil auf Tschechisch. Merkwürdig wird es allerdings, wenn sie sich, ohne dass Deutsche anwesend wären, in der Sprache der Besatzer austauschen. Gewiss ein Zugeständnis an das hiesige Fernsehpublikum, dem die Macher ständige Untertitel ersparen wollen.

Der Krimiplot folgt nicht dem Whodunit-Prinzip, sondern schlägt stärker ins Thriller-Genre aus. Vor allem dann, als die Ermittler beschließen, dem schon in Folge 1 offen gezeigten Täter einen Köder vor die Füße zu werfen. Dramaturgisch knirscht es ab dem zweiten Kapitel kontinuierlich. Sei es, weil Kommissar Zufall um die Ecke schaut oder weil die Figuren mitunter verblüffend dilettantisch und unprofessionell (Stichwort: Lockvogel) agieren. Bis zum Finale gibt es diverse Momente, in denen die Konstruktion der Geschichte allzu deutlich in den Vordergrund tritt. So ist es die Grundbedingung mehrerer drastischer Wendungen, dass bestimmte Ereignisse exakt zeitgleich ablaufen. Ein Mal kauft man so etwas gerne, zwei Mal vielleicht auch noch. Auf Dauer riecht es aber stark nach Bequemlichkeit, was ebenso für die Darstellung des Mörders gilt. Mit einem Motiv aus der Serienkillermottenkiste versehen, ergibt sich beim besten Willen kein einprägsames Charakterporträt.
Schwer tut sich "Sternstunde der Mörder" zudem damit, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, Krimiebene und historischen Hintergrund sinnvoll zu verflechten. Das Ergebnis ist schlicht zu unausgewogen. Anfangs dominieren die Ermittlungen, wird das soziale und politische "Drumherum" nur in Nebensätzen und erklärenden Dialogen transportiert. Sicherlich auch aus finanziellen Gründen kann die Serie die explosive Atmosphäre in Prag, den stärker werdenden Freiheitsdrang der Bevölkerung nicht lang und breit bebildern. Ein bisschen mehr hätte man das Brodeln unter der Oberfläche jedoch schon spürbar machen können. So brechen das Chaos und der teils heftige Rachedurst der Einheimischen in Folge 4 erstaunlich plötzlich über uns herein. Wer Spannung und Zeitgeschehen wirkungsvoll verbunden sehen will, muss also wahrscheinlich warten, bis die die fünfte und letzte Staffel von "Babylon Berlin" im Laufe dieses Jahres an den Start geht.
Die Miniserie "Sternstunde der Mörder" steht seit dem heutigen Sonntag, den 29. März in der ARD Mediathek zum Abruf bereit. Die lineare Ausstrahlung aller vier Episoden erfolgt an Karfreitag, den 3. April ab 20.15 Uhr im Ersten.
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Leserkommentare
Hazel-Ra schrieb am 08.04.2026, 13.28 Uhr:
Ja, vor dem Hintergrund der Krimihandlung wurde vieles was diese Zeit ausmachte transparent vermittelt. Soweit das in 180 min - die nun einmal das Gerüst darstellen - möglich ist. Starker Mehrteiler nach dem Roman von Pavel Kohout, der unzweifelhaft Ahnung hatte, wovon er da schreibt. Überzeugende Schauspieler, allen voran wieder einmal Ofczarek, der einem einzigen Wort (in der 2. Staffel von Der Pass war es "lebhaft", hier ist es - ok, 2 Worte - "Heil Hitler") mehr Facetten geben kann als viele seiner Kollegen einem viertelstündigen Monolog.
Nein, mit der Rezension stimme ich hingegen nicht überein. Tatsächlich finde ich sie sogar verstörend. Einige "Gründe" für die schlechte Bewertung finde ich schlicht falsch. Meines Erachtens sind z. B. Chaos und Rachedurst am Ende nicht plötzlich und überraschend sondern es wird die ganze Zeit darauf hingearbeitet. Sowohl die Deutschen als auch die Tschechen beschäftigen sich von Anfang an mit einem zu erwartenden baldigen Umschwung. Man sieht, wie die einen die anderen behandeln und man weiß, dass das schon seit Jahren so geht. No - was wird wohl passieren?
Was mit Schlusspointe gemeint ist, verstehe ich nicht. Das Ende ist, so wie der Handlungsverlauf und eben die historischen Ereignisse, vorwiegend tragisch.User 1927502 schrieb am 05.04.2026, 23.25 Uhr:
Ein historischer Krimi um Femizide, wo doch nun auch aktuell das Leid der Opfer Präsenz erlangt, anstatt das verquere Seelenleben der Täter zu erkunden. So dominieren auch hier nicht Rypl und Meckerle, sondern die Menschen, die im Konflikt stehen und zudem selbst bedroht sind - Menschen, wie sie auch in der Fernsehserie "Löwengrube" charakterisiert wurden. Beruf und Familie, Liebe, Glück und Zukunft - normale Ziele, jedenfalls für viele. Dies gefährdet durch Verbrechen, Terror und Krieg. Was Menschen in diesen Konflikten widerfährt, war hier sehr gut nachvollziehbar dargestellt. Der Wechsel zwischen Deutsch und Tschechisch war nicht immer konsequent, und die Schwangerschaft zeitlich zu kurz - aber dies erscheint mir vernachlässigbar. Und das Ermittlerteam aus Morava und Modrá, Buback und Beran agiert gewiß plausibler als in so manchem Tatort, wo etwa in Saarbrücken nachts im Brunnen getanzt wird. Noch mehr Sendeminuten hätte ich der Rolle von Diana Dulinková als Jitka Modrá gewünscht ! 3 Sternstunden im Fernsehprogramm !Dobermann1944 schrieb am 05.04.2026, 17.57 Uhr:
Ich fand ihn zwar düster, aber spannend, die Charakter gut getroffen, der Einfluss der deutschen Besatzung bedrückend. Da begegneten sich Politik mit Geschichte und Thriller mit Drama. Man sollte vielleicht die vier Teile nicht zusammen sehen, der letzte Teil verliert dann ein wenigUser 1927384 schrieb am 05.04.2026, 11.20 Uhr:
Nach dem Anschauen der vier Teile in einem Ritt stimme ich dem Rezensenten ganz und in den Einzelheiten zu. Keine Sternstunde! Frage: Welche Altersfreigabe hat der Film. FSK 12? Die Zeiten waren grausam, muss man alles zeigen oder senden um 20.15 Uhr an einem Familienfeiertag? Viele Schwächen. Nicht erwähnt: Offenbar ist binnen einer Woche die Schwangerschaft bestätigt, also zeitliche Korrelation Mord-Ermittlung / Liebesnacht passen überhaupt nicht. Da vergehen schon mindestens drei Wochen, ehe man das sicher weiß. Alles in allem leider brutal, grausam, ärgerlich und nicht wirklich berührend. Schade.User 1927256 schrieb am 04.04.2026, 14.15 Uhr:
Ich habe gestern gleich 3 Folgen gesehen ! Super toller Geschichte, super tolle Schauspieler!!! Ich bin total begeistert von dieser Miniserien !!! Heute schaue ich noch die 4. Folge !!! Freue mich drauf !!!
Von mir gibts 10 von 10 Punkten !!!chrisquito schrieb via tvforen.de am 02.04.2026, 10.42 Uhr:
Da ich die Verbindung von Historie und Krimi mag, hat es mir ganz gut gefallen. Hat mich aber weniger an Babylon Berlin als mehr an Die Nacht der Generäle erinnert.Scotty1978 schrieb via tvforen.de am 07.04.2026, 21.59 Uhr:
Muss dir zustimmen. Gut gemachte Serie.chrisquito schrieb via tvforen.de am 02.04.2026, 17.44 Uhr:
Scotty1978 schrieb:Oh, dann schaue ich auch mal rein. Und in TV
Spielfilm wird die Reihe sehr gelobt.
Hat laut wiki-Artikel überhaupt eher Lob als Kritik bekommen. Wobei der hier verlinkte Artikel von wunschliste der negativste ist, wird im wiki-Artikel aber fernsehserien.de zugeordnet - na ja, ist ja vermutlich eh alles dasselbe.
Auf jeden Fall alles tolle Schauspieler, die da beteiligt sind, finde ich, und gut in Szene gesetzt.Scotty1978 schrieb via tvforen.de am 02.04.2026, 11.39 Uhr:
Oh, dann schaue ich auch mal rein. Und in TV Spielfilm wird die Reihe sehr gelobt.desperado591 schrieb am 29.03.2026, 14.26 Uhr:
Was heißt denn "...entwickelt sich die Beziehung mit seiner Kollegin Jitka erstaunlich flott." oder "So brechen das Chaos und der teils heftige Rachedurst der Einheimischen in Folge 4 erstaunlich plötzlich über uns herein."
Das sind doch nur logische Folgen des zu Beginn getätigten Lamentos "Schon die begrenzte Laufzeit (vier rund 45-minütige Folgen) stellt allerdings ein Problem dar." Da braucht man in der weiteren Rezension nicht immer wieder darauf herumreiten. Die Zeit ist knapp, die Story muss also vorwärts kommen ohne endlose Charakterentwicklung. Darin liegt auch eine Chance, denn Langatmigkeit unter dem Deckmantel der Authentizität führt oft zu unnötigen Längen und Ermüdung beim Zuschauer.
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