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TV-Kritik/Review: "The Assassin": CSI-Tsatsiki mit Keeley Hawes und Freddie Highmore
von Christopher Diekhaus(14.09.2026)

"Endlich!", wird sich so mancher deutsche Zuschauer gedacht haben, als bekannt wurde, dass die Thriller-Serie
Etwas kniffelig ist schon die Grundidee von "The Assassin", die einem sattsam bekannten Muster folgt: Eine Figur, die einst mit Auftragsmorden ihr Geld verdiente, sich irgendwann in den Ruhestand verabschiedete, wird - das ist der Startpunkt des Plots - von ihrer tödlichen Vergangenheit eingeholt. Wer mit einem solch abgegriffenen Konzept um die Ecke kommt, braucht schon einen kleinen Dreh, der dem Ganzen, zumindest eine zarte, individuelle Note verleiht. In diesem Fall ist es das Aufeinandertreffen von Mutter und Sohn, die sich unter denkbar ungünstigen Bedingungen, nämlich während einer Hatz durch den hübsch fotografierten Mittelmeerraum, nach jahrelanger Entfremdung wieder zaghaft annähern.
Julie Green (Hawes) war, wie der in Egoshooter-Manier arrangierte, sehr schummrige Prolog aus dem Jahr 1994 unterstreicht, früher eine knallharte Killerin. Inzwischen - wir schreiben 2025 - genießt sie allerdings ihren wohlverdienten Lebensabend auf einer beschaulichen griechischen Insel, wobei sie ihre alte Schärfe noch nicht ganz verloren hat. Den Ball einer Gruppe von Jugendlichen, der ihr am Strand an den Kopf knallt, befördert sie mit einem satten Kick aufs Meer hinaus. Und auch sonst schlägt sie eher raue Töne an.

Ihr Sohn Edward (Highmore) dagegen ist etwas linkisch, weniger selbstsicher, ringt sich aber dennoch dazu durch, seine Mutter an ihrem Rückzugsort zu besuchen und sie mit drängenden Fragen zu konfrontieren. Ein Vermögen, das ihm auf undurchschaubaren Wegen zugekommen ist, und die Identität seines bis heute unbekannten Vaters lassen dem jungen Journalisten, den man sich, ehrlich gesagt, nur schwer als hartnäckigen Reporter vorstellen kann, keine Ruhe. Selbstredend meldet sich genau an diesem Punkt Julies altes Leben.
Ein Killerkommando, das es auf die frühere Auftragsmörderin abgesehen hat, crasht eine lokale Hochzeit und schießt die Gesellschaft einfach über den Haufen. Julie und Edward können fliehen, retten sich schwimmend auf die vor der Küste schippernde Luxusyacht von Kayla Cross (Shalom Brune-Franklin), bei der es sich um Edwards Verlobte und die Tochter des mächtigen Unternehmers Aaron Cross (Alan Dale) handelt. Im Schlepptau haben die beiden den ebenfalls unbeschadet von der blutigen Feier geflüchteten Insulaner Luka (Gerald Kyd), den das Drehbuch vorsichtig als Julies Love Interest in Stellung bringt. Auf dem Boot staunt die Ex-Assassine nicht schlecht. Denn ausgerechnet Kayla wäre nach Jahren außer Dienst beinahe ihr jüngster Tötungsjob gewesen. Offenbar ist hier etwas Größeres im Gange, weshalb Julie gleich in den Überlebens- und Jagdmodus zurückschaltet. Nach dem Motto: einmal Killerin, immer Killerin - oder so ähnlich!
Für Edward ist die Offenbarung, dass seine Mutter damals gegen Geld gemordet hat, ein Schock, den die Serie nicht nur für dramatische Reibung nutzt. Auch absurde Komik und Sarkasmus erwachsen aus dem bösen Erwachen, aus dem neuen Wissen um die alles andere als harmlosen beruflichen Reisen seiner Mutter in der Vergangenheit. Mit Keeley Hawes und Freddie Highmore sind hier zwei fähige Schauspieler am Werk, denen man stellenweise amüsiert beim neckischen Schlagabtausch zuschaut. Mit der Zeit nutzen sich die spezielle Art der Blicke, die spöttischen Kommentare allerdings etwas ab, würde "The Assassin" etwas mehr Abwechslung gut zu Gesicht stehen.

Ein Actionthriller, der Tempo, überraschende Wendungen und coole Stunts zu bieten hat, kann sich einiges an Unwahrscheinlichkeiten, an plot holes erlauben. Schon Alfred Hitchcock betonte stets die Kraft eines maximal effektiven Spannungsaufbaus, einer wirkungsvollen Inszenierung gegenüber realistischen Maßstäben. Auch wir wollen Plausibilität nicht zu hoch hängen. Das Beispiel "The Assassin" zeigt jedoch, dass man es definitiv übertreiben kann. Wie sich manche Charaktere angesichts der drohenden Gefahr verhalten, ist auf verblüffende Weise lebensfremd. Luka etwa hat nach dem Massaker, dem er nur knapp entkommen ist, nichts Besseres zu tun, als umgehend Julie, das Zielobjekt des Anschlags, zu begleiten. Dass der gelernte Metzger die Schuldigen finden und sich an ihnen rächen will, wirkt als nachgeschobene Motivation und Erklärung wenig überzeugend. Seltsam ist auch das Benehmen Kaylas, die Julies Karriere als Killerin entspannter zu sehen scheint als die ruppigen Umgangsformen ihrer Schwiegermutter in spe, über die sie sich ein ums andere Mal beschwert. Gerade weil die Serie sich mehrfach Auszeiten nimmt und vom Gaspedal runtergeht, gibt es ausreichend Gelegenheit, um über die unglaubwürdigen Aspekte in Handlung und Charakterzeichnung nachzudenken.
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Die ersten beiden Folgen der Auftaktstaffel von "The Assassin" sind am 14. September ab 22.15 Uhr im ZDF zu sehen. Alle restlichen Episoden stehen ausschließlich im Streamingportal des Senders zur Verfügung, wo man natürlich auch die zwei Auftaktkapitel zum Abruf findet.
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Leserkommentare
Julius W schrieb am 18.09.2026, 14.45 Uhr:
Ich habe alle Folgen gesehen und bin hin und her gerissen. Die Serie hat starke Tendenzen in Richtung "High-Octane Comedy Thriller" mit schwarzem, trockenem britischen Humor - man kann sie also nicht wirklich "ernst" nehmen. Insbesondere, wenn man die überzeichneten Figuren betrachtet, allen voran Ezra, Jasper ("Der Holländer") und Marie. Und auch z. B. die Hinrichtung der Dorfbewohner auf der griech. Insel ist letztlich too much und als Begründung für Lukas "Rächer"-Geschichte überflüssig.
Keeley Hawes wirkt als "Super-Attentäterin" in der ein oder anderen Action-Szene auf mich überfordert und dann weniger glaubwürdig. Kein Vergleich z. B. zu "The Mechanic" mit J. Statham.
Letztlich empfand ich die Serie als eine nette Unterhaltung für nebenbei, wobei der Plot eher ein Plöttchen und kein Knaller war. Die UHD/HDR-Qualität der Filme ist natürlich vor allem dann top, wenn Landschaften gezeigt werden.Serienfan 2414 schrieb am 18.09.2026, 13.59 Uhr:
Wenig überzeugende Darsteller stolpern in Landschaften und Umgebungen wie in Traumschiff Folgen
durch eine wirre Handlung.
Habe nach 2 Folgen
genug gesehen...Lysander schrieb am 16.09.2026, 15.31 Uhr:
Ich muss dem Rezensenten allerdings rechtgeben. Was Logik oder Realismus angeht ist die Serie einfach nur ziemlicher Blödsinn. (... wie oft bitte schießt der professionelle Scharfschütze daneben? ... ja, genau, mindestens 20 Mal ... yupp, schon klar ... kann ja mal passieren ...) Offenbar ist es als Kömödie geplant, so im Guy Ritchie-Stil - nur leider funktioniert das gaaaar nicht. Was nicht heißt, dass es nicht auch vergnüglich anzuschauen wäre ... nur halt völlig Gaga ... :-) ich habe die ganze Zeit mit mir gerungen, ausschalten oder weitergucken?ROLF LOEWE schrieb am 15.09.2026, 22.40 Uhr:
Herr Berufs-Rezensierender Christopher Diekhaus, Sie sollten zunächst alle Folgen der ersten Staffel der Serie " The Assassin " ansehen, um die nur Ihnen auffallenden " Logiklöcher " einmal zu stopfen. Im Übrigen müssen üblicherweise offene Fragen als ein Spannungsbogen für die Fortsetzung
( " Cliffhanger " ) bleiben. Zudem generieren Sie eben keine Interpretation ( Inhalt / Gehalt / Form ), sondern setzen nur Ihre eigenen, wenig überzeugenden Phantasien hier auf der deutschen Plattform FS.de mittels angelsächsischen ( z.B.
" crasht " ) und z.T. abwertenden ( z.B. " CSI-Tsatsiki " ) Behauptungen in Szene. Dabei sollten gerade Sie als ein " Berufs- Kollege der Autoren " doch eher eine jedenfalls stimmige und ggf. helfende Bewertung abgeben, um uns Zuschauenden eine echte professionelle Orientierung zu ermöglichen. Nunmehr erwarte ich gespannt die Umsetzung Ihres eigenen, bisher wohl nur in Ihrer Schublade verwahrten Drehbuchs.Sentinel2003 schrieb am 14.09.2026, 09.40 Uhr:
Ich verstehe das echt nicht, warum lediglich nur die ersten 2 Folgen linear ausgestrahlt werden! Was soll dieser Käse?Sentinel2003 schrieb am 01.10.2026, 12.15 Uhr:
Ich glaube, sowas hat das ZDF bei einer Lizenz Serie noch nie getan: von 6 Folgen lediglich 2 im linearen TV gezeigt! Was soll dieser Käse?NotHere42 schrieb am 28.09.2026, 16.00 Uhr:
Mediathek und ZDF: da fehlt für mich sowieso jede "Logik": wieso veröffentlichen die Episoden teilweise eine Woche vor der Ausstrahlung in der Mediathek? Dazu noch in besserer Qualität... Ein halbwegs schneller Internet-Anschluss mit Flatrate (bzw. dieser Pseudo-Flatrate, wo man nach den ersten 25 GByte beliebig oft 1 GByte "Brocken" kostenlos nachladen darf) kostet 10 €/Monat - also selbst für Grundsicherungs-Empfänger völlig ok.
Und @Lurch: was fasziniert Dich denn am linearen TV? Dass Du da den "Stundenplan" wie in der Schule vorgesetzt bekommst? Bzw. was ist Dein Problem mit Mediatheken?Julius W schrieb am 15.09.2026, 20.41 Uhr:
Warum "kein Bock" auf die Mediathek? Ich möchte mir so eine Fortsetzungsserie möglichst am Stück anschauen - sofern man sie mag.
Und es gibt noch einen Vorteil: In der Mediathek lassen sich die Filme in UHD/HDR-Qualität anschauen. Der Unterschied zur TV-Ausstrahlung ist dadurch deutlich sichtbar.Lurch schrieb am 15.09.2026, 11.43 Uhr:
Na, die Leute in die Mediathek locken.Darauf habe ich aber auch keinen Bock.
Ich gucke dann die Serie, wenn sie später komplett im TV läuft.
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