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TV-Kritik/Review: "The Assassin": CSI-Tsatsiki mit Keeley Hawes und Freddie Highmore

ZDF-Koproduktion schickt Mutter-Sohn-Gespann auf holprige Hatz durch Südeuropa
Ex-Profikillerin Julie Green (Keeley Hawes) juckt es wieder in den Fingern.
ZDF/Marq Riley

"Endlich!", wird sich so mancher deutsche Zuschauer gedacht haben, als bekannt wurde, dass die Thriller-Serie  "The Assassin" nun auch hierzulande die Bildschirme erobern soll. Obwohl das ZDF als Koproduktionspartner mit an Bord ist, feiert Staffel 1 (eine zweite befindet sich schon in Arbeit) erst über ein Jahr nach ihrer Uraufführung in Großbritannien (über Prime Video) und Australien (über Stan) ihre hiesige Premiere. Mit  "Bodyguard"-Star Keeley Hawes und  "The Good Doctor"-Gesicht Freddie Highmore prominent besetzt, schafft es der in Südeuropa spielende, sechsteilige Verschwörungsreißer in den ersten vier für diese Kritik gesichteten Episoden nur sporadisch, seine Absurditäten und Logiklöcher erfolgreich zu kaschieren. Auch der Versuch, Spannung und Komik zu verzahnen, geht keineswegs so gut auf, wie es die Macher um das kreativ verantwortliche Brudergespann Harry und Jack Williams (unter anderem  "The Tourist: Duell im Outback") gerne hätten.

Etwas kniffelig ist schon die Grundidee von "The Assassin", die einem sattsam bekannten Muster folgt: Eine Figur, die einst mit Auftragsmorden ihr Geld verdiente, sich irgendwann in den Ruhestand verabschiedete, wird - das ist der Startpunkt des Plots - von ihrer tödlichen Vergangenheit eingeholt. Wer mit einem solch abgegriffenen Konzept um die Ecke kommt, braucht schon einen kleinen Dreh, der dem Ganzen, zumindest eine zarte, individuelle Note verleiht. In diesem Fall ist es das Aufeinandertreffen von Mutter und Sohn, die sich unter denkbar ungünstigen Bedingungen, nämlich während einer Hatz durch den hübsch fotografierten Mittelmeerraum, nach jahrelanger Entfremdung wieder zaghaft annähern.

Julie Green (Hawes) war, wie der in Egoshooter-Manier arrangierte, sehr schummrige Prolog aus dem Jahr 1994 unterstreicht, früher eine knallharte Killerin. Inzwischen - wir schreiben 2025 - genießt sie allerdings ihren wohlverdienten Lebensabend auf einer beschaulichen griechischen Insel, wobei sie ihre alte Schärfe noch nicht ganz verloren hat. Den Ball einer Gruppe von Jugendlichen, der ihr am Strand an den Kopf knallt, befördert sie mit einem satten Kick aufs Meer hinaus. Und auch sonst schlägt sie eher raue Töne an.

Julie (Keeley Hawes, l.) und ihr Sohn Edward (Freddie Highmore) haben wenig Zeit, sich richtig auszusprechen.
Julie (Keeley Hawes, l.) und ihr Sohn Edward (Freddie Highmore) haben wenig Zeit, sich richtig auszusprechen. ZDF/Robert Viglasky

Ihr Sohn Edward (Highmore) dagegen ist etwas linkisch, weniger selbstsicher, ringt sich aber dennoch dazu durch, seine Mutter an ihrem Rückzugsort zu besuchen und sie mit drängenden Fragen zu konfrontieren. Ein Vermögen, das ihm auf undurchschaubaren Wegen zugekommen ist, und die Identität seines bis heute unbekannten Vaters lassen dem jungen Journalisten, den man sich, ehrlich gesagt, nur schwer als hartnäckigen Reporter vorstellen kann, keine Ruhe. Selbstredend meldet sich genau an diesem Punkt Julies altes Leben.

Ein Killerkommando, das es auf die frühere Auftragsmörderin abgesehen hat, crasht eine lokale Hochzeit und schießt die Gesellschaft einfach über den Haufen. Julie und Edward können fliehen, retten sich schwimmend auf die vor der Küste schippernde Luxusyacht von Kayla Cross (Shalom Brune-Franklin), bei der es sich um Edwards Verlobte und die Tochter des mächtigen Unternehmers Aaron Cross (Alan Dale) handelt. Im Schlepptau haben die beiden den ebenfalls unbeschadet von der blutigen Feier geflüchteten Insulaner Luka (Gerald Kyd), den das Drehbuch vorsichtig als Julies Love Interest in Stellung bringt. Auf dem Boot staunt die Ex-Assassine nicht schlecht. Denn ausgerechnet Kayla wäre nach Jahren außer Dienst beinahe ihr jüngster Tötungsjob gewesen. Offenbar ist hier etwas Größeres im Gange, weshalb Julie gleich in den Überlebens- und Jagdmodus zurückschaltet. Nach dem Motto: einmal Killerin, immer Killerin - oder so ähnlich!

Für Edward ist die Offenbarung, dass seine Mutter damals gegen Geld gemordet hat, ein Schock, den die Serie nicht nur für dramatische Reibung nutzt. Auch absurde Komik und Sarkasmus erwachsen aus dem bösen Erwachen, aus dem neuen Wissen um die alles andere als harmlosen beruflichen Reisen seiner Mutter in der Vergangenheit. Mit Keeley Hawes und Freddie Highmore sind hier zwei fähige Schauspieler am Werk, denen man stellenweise amüsiert beim neckischen Schlagabtausch zuschaut. Mit der Zeit nutzen sich die spezielle Art der Blicke, die spöttischen Kommentare allerdings etwas ab, würde "The Assassin" etwas mehr Abwechslung gut zu Gesicht stehen.

Edwards Verlobte Kayla (Shalom Brune-Franklin) findet sich urplötzlich mitten in einer Verschwörung wieder.
Edwards Verlobte Kayla (Shalom Brune-Franklin) findet sich urplötzlich mitten in einer Verschwörung wieder. ZDF/Panos Kostouros

Ein Actionthriller, der Tempo, überraschende Wendungen und coole Stunts zu bieten hat, kann sich einiges an Unwahrscheinlichkeiten, an plot holes erlauben. Schon Alfred Hitchcock betonte stets die Kraft eines maximal effektiven Spannungsaufbaus, einer wirkungsvollen Inszenierung gegenüber realistischen Maßstäben. Auch wir wollen Plausibilität nicht zu hoch hängen. Das Beispiel "The Assassin" zeigt jedoch, dass man es definitiv übertreiben kann. Wie sich manche Charaktere angesichts der drohenden Gefahr verhalten, ist auf verblüffende Weise lebensfremd. Luka etwa hat nach dem Massaker, dem er nur knapp entkommen ist, nichts Besseres zu tun, als umgehend Julie, das Zielobjekt des Anschlags, zu begleiten. Dass der gelernte Metzger die Schuldigen finden und sich an ihnen rächen will, wirkt als nachgeschobene Motivation und Erklärung wenig überzeugend. Seltsam ist auch das Benehmen Kaylas, die Julies Karriere als Killerin entspannter zu sehen scheint als die ruppigen Umgangsformen ihrer Schwiegermutter in spe, über die sie sich ein ums andere Mal beschwert. Gerade weil die Serie sich mehrfach Auszeiten nimmt und vom Gaspedal runtergeht, gibt es ausreichend Gelegenheit, um über die unglaubwürdigen Aspekte in Handlung und Charakterzeichnung nachzudenken.

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Haarig ist außerdem der Spagat zwischen Nervenkitzel und Humor, der längst nicht in allen Momenten gelingen will. Bestimmte Gags - Stichwort: Daumen - laufen sich irgendwann tot. Und etwas zu oft soll Situationskomik mit der Brechstange erzwungen werden, was selten den gewünschten Effekt erzielt. Mit Kaylas Bruder Ezra (Devon Terrell) gibt es noch dazu eine Figur, die sich das Etikett Knallcharge vollauf verdient. Ernst nehmen kann man diesen gerne zugedröhnten Schönling nicht, auch wenn er irgendwann beginnt, eigene Intrigen zu spinnen. Was in den ersten vier Folgen überdies auffällt: Julie scheint kein bisschen verletzlich zu sein, lässt sich kaum aus der Ruhe bringen, riecht jede Gefahr, jede Falle von weitem - und bietet deshalb wenig Angriffsfläche. Dabei sind doch gerade Ambivalenzen, Brüche, überraschende Seiten an Film- und Serienprotagonisten das Salz in der Suppe...

Meine Wertung: 2.5/5

Die ersten beiden Folgen der Auftaktstaffel von "The Assassin" sind am 14. September ab 22.15 Uhr im ZDF zu sehen. Alle restlichen Episoden stehen ausschließlich im Streamingportal des Senders zur Verfügung, wo man natürlich auch die zwei Auftaktkapitel zum Abruf findet.



 

Über den Autor

  • Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.
Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

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Leserkommentare

  • Sentinel2003 schrieb am 14.09.2026, 09.40 Uhr:
    Ich verstehe das echt nicht, warum lediglich nur die ersten 2 Folgen linear ausgestrahlt werden! Was soll dieser Käse?