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TV-Kritik/Review: "The English" mit Emily Blunt liefert tolle Bilder, aber banale Westerngeschichte

Wenig originelle Rachegeschichte in großartiger Kulisse
Emily Blunt als Lady Cornelia Locke in "The English"
BBC Studios/Amazon Studios
TV-Kritik/Review: "The English" mit Emily Blunt liefert tolle Bilder, aber banale Westerngeschichte/BBC Studios/Amazon Studios

Der Auftakt ist eine klassische Situation, wie man sie schon in Dutzenden Western gesehen hat: Eine kleine Gruppe Soldaten jagt und stellt einen Indianer und richtet ihn hin, während seine Angehörigen verzweifelt weinen und sich zu wehren versuchen. Die Besonderheit: Einer der Männer der US Army ist selbst ein Ureinwohner, der natürlich von seinen "eigenen" Leuten als Verräter beschimpft wird.

Es ist schon seltsam: Wohl kein Genre wurde in der Filmgeschichte so oft totgesagt wie der Western und doch entstehen immer noch in schöner Regelmäßigkeit neue Werke, sowohl für die große Leinwand als auch fürs Fernsehen und in jüngerer Zeit auch für die Streamingdienste. Dabei haben aktuell die Western in Serienform rein quantitativ die Kinofilme überholt. Jetzt haben sich die britische Rundfunkanstalt BBC und der US-amerikanische Streamer Amazon Prime Video zusammengetan, um mit  "The English" eine sechsteilige Miniserie zu produzieren, die klassischen Erzählmustern folgt. In Deutschland übernimmt MagentaTV die Erstausstrahlung.

Sergeant Eli Whipp (Chaske Spencer) ist jener Pawnee (Geburtsname: Wounded Wolf), der als Scout für die Armee der Weißen gearbeitet hat und zu Beginn der Auftaktepisode seinen Abschied nimmt, sich mit seinem Pferd Richtung Norden aufmacht. Durch seine Berufswahl ist er nun für den Rest seines Lebens ein Mann, der zwischen allen Stühlen sitzt. Oder wie es einer seiner bisherigen Untergebenen ausdrückt: Solange er in der Armee diente, war er "einer von ihnen", aber nun wird er wieder als einer von "denen" wahrgenommen werden. Für die Indianer hingegen ist er ein Kollaborateur, der sein eigenes Volk verraten hat.

Ungleiche Weggefährten: Eli Whipp (Chaske Spencer) und Cornelia Locke (Emily Blunt)
Ungleiche Weggefährten: Eli Whipp (Chaske Spencer) und Cornelia Locke (Emily Blunt) BBC/Amazon Studios

Eine Außenseiterin ist auch Cornelia Locke (Emily Blunt), die titelgebende Engländerin, die in die Neue Welt gekommen ist, um Rache für den Mord an ihrem Sohn zu nehmen. Irgendwo im Nirgendwo treffen die Beiden aufeinander, bei einem Hotel mitten in der Wüste, das vom sadistischen Richard M. Watts (Ciarán Hinds, der Julius Caesar aus  "Rom") geführt wird. Watts hat Whipp schlagen und festbinden lassen und will - freilich erst nach einem erzwungenen gemeinsamen Abendessen - die attraktive Engländerin vergewaltigen und dann töten. Aber natürlich kommt alles anders und die ungleichen Fremden - die Weiße Europäerin und der indigene Mann - setzen ihren Weg nach Norden gemeinsam fort. In Folge 2 erweitert sich die multikulturelle Reisegruppe noch um zwei kleine jüdische Mädchen, deren deutsche Siedler-Eltern grausam ermordet wurden.

Bis dahin ist on screen schon eine Menge Blut vergossen worden, schön drastisch und genüsslich ausgewalzt - in dieser Hinsicht steht "The English" eindeutig in der Tradition des Italo-Westerns. Und auch in einem anderen Aspekt: Die Bösen sind hier einfach nur böse, ohne das dies einer Motivation oder Erklärung bedürfte, während die Guten eben gut sind, auch wenn sie sich auf Rachefeldzug befinden.

Ansonsten setzt der Serienschöpfer, Alleinautor und Regisseur in Personalunion Hugo Blick (bekannt geworden durch seine Drehbücher für die Miniserie  "The Honourable Woman") auf typische Westerntropen, die schon klassische Genremeister wie John Ford oder Howard Hawks in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts verwendeten: Postkutschen, die von Indianern überfallen werden (was Toby Jones aus  "Detectorists" einen relativ kurzen, aber grandiosen Auftritt als Kutscher ermöglicht), Kampf um Land und die Entstehung von Städten an der frontier, jener zum amerikanischen Mythos gewordenen Grenze der Zivilisation, die nach und nach immer weiter nach Westen verschoben wurde.

Weiß sich zu helfen: Lady Locke
Weiß sich zu helfen: Lady Locke BBC/Amazon Studios

Und natürlich, damit verbunden, der Konflikt zwischen geschriebenem Recht, das hier noch schwierig durchzusetzen ist, und dem Faustrecht des - oder der - Stärkeren. Bei Letzterem sind auch die vornehm gekleidete und adlige Engländerin und der "zivilisierte", in perfektem Englisch parlierende Ureinwohner nicht zimperlich, wenn es darum geht, ihre eigene Haut zu retten. Da gibt es dann auch keine Gnade für entwaffnete Angreifer, die doch gar keine Gefahr mehr darstellen, und Lady Cornelia erweist sich am Bogen genauso geschickt wie am Gewehr.

Außer der starken weiblichen Hauptfigur ist an diesem Genrebeitrag wenig bis nichts originell. Es ist eine Serie, bei der Western draufsteht und bei der auch genau das geboten wird, was man unter diesem Label erwartet. Das ist leider manchmal etwas dröge und vielleicht doch einfach zu wenig erzählerischer Stoff für knapp sechs Stunden. In verdichteter Form, als zweistündiger Kinofilm, wäre diese Geschichte wohl wirkungsvoller gewesen, auch wegen der grandiosen Landschaftspanoramen, die auf der großen Leinwand noch größeren Eindruck gemacht hätten.

Zu zweit gegen alle: die Engländerin und der Pawnee
Zu zweit gegen alle: die Engländerin und der Pawnee BBC/Amazon Studios

"The English" ist stilsicher inszeniert und toll gefilmt, die Hauptdarsteller sind überzeugend und sympathisch, die Nebendarsteller durchgehend gut und teilweise prominent (so ist etwa noch Stephen Rea als Sheriff dabei). Was aber fehlt, ist ein besonderer Dreh, ein inhaltlich herausragendes Merkmal, das einen dazu bringen würde, über die gesamte Laufzeit gepackt dranzubleiben. So muss man dann wahrscheinlich doch ein sehr großer Westernfan sein, um hier echte Begeisterung zu entwickeln.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden von "The English".

Meine Wertung: 3/5

Im UK ist die sechsteilige Miniserie am 10. November auf BBC Two gestartet. In Deutschland ist sie ab Samstag, den 26. November bei MagentaTV abrufbar.


 

Über den Autor

  • Marcus Kirzynowski
Marcus Kirzynowski ist Düsseldorfer Journalist und Serienfreund; wuchs mit "Ein Colt für alle Fälle", "Dallas" und "L.A. Law" auf; Traumarbeitgeber: Fisher & Sons, County General Notaufnahme; die Jobs auf dem Battlestar Galactica und im West Wing wären ihm hingegen zu stressig; Wunschwohnort: Cicely, Alaska. Schreibt über amerikanische und europäische TV-Serien sowie andere Kultur- und Medienthemen, u.a. für TV Wunschliste und sein eigenes Online-Magazin Fortsetzung.tv.

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Leserkommentare

  • Sentinel2003 schrieb am 28.11.2022, 18.38 Uhr:
    Ich war nur in meiner Kindheit und Jugend Western vernarrt! Da ich dieses Genre beinahe bis zur ....geguckt habe, gucke ich es heute nicht mehr! Da kann mich auch eine meiner Lieblings Darstellerin Emily nicht vor die Glotze ziehen....