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TV-Kritik/Review: "The Tower": Packende und tiefgründige Serienperle um moralische Dilemmata
von Marcus Kirzynowski(30.11.2025)

Als Detective Sergeant Sarah Collins (Gemma Whelan,
Auf dem britischen Sender ITV liefen diese nur drei rund 50-minütigen Episoden bereits Ende 2021. Zwei weitere Staffeln um die Chefermittlerin Sarah Collins, basierend auf der "Metropolitan"-Romanreihe von Kate London, folgten 2023 und 2024. Mit einigen Jahren Verspätung präsentiert arte die ersten beiden Staffeln nun dem deutschen Publikum. Und man muss sagen, dass der Kultursender hier mal wieder eine echte europäische Serienperle ausgegraben hat, die sich stark von gängiger Krimiware abhebt.
Erzählt wird der Fall in Staffel 1 parallel auf zwei Zeitebenen: Auf der einen folgen wir den Ermittlungen der ruppigen Sarah und ihres Kollegen Steve, die einer Sondereinheit für Spezialfälle - hier könnte man auch sagen: interne Ermittlungen - angehören. Auf der anderen erleben wir in Flashbacks, was sich in den neun Tagen vor dem verhängnisvollen Sturz zugetragen hat. Nach und nach wird dadurch klar, dass Polizeineuling Lizzie Adama (Tahirah Sharif), die Partnerin des ums Leben gekommenen Veteranen Hadley Matthews (Nick Holder), und die ebenfalls tote junge Einwanderin Farah Mehenni (Lola Elsokari) bereits eine gemeinsame Vorgeschichte hatten.
Die beiden Polizeibeamten waren nämlich schon gut eine Woche zuvor bei einem Nachbarschaftsstreit zu den Mehennis gerufen worden: Die einheimische Mrs. Stoddard, Mutter des fünfjährigen Jungen Ben, beschuldigte Farahs Vater, ihr Auto zerkratzt zu haben. Später bittet die arabische Teenagerin wiederum Lizzie um Hilfe, weil deren Partner Hadley sie und ihren Vater bei dem Einsatz rassistisch beleidigt habe. Lizzie, die selbst zu weit wegstand, um das mitbekommen zu können, wird von Hadley gebeten, für ihn auszusagen - was die afro-britische Berufsanfängerin in einen echten Gewissenskonflikt bringt: Einerseits kann sie sich mit der jungen Muslima und deren Diskriminierungserfahrungen identifizieren, andererseits ist Loyalität unter Polizisten bekanntlich ein hohes Gut. Und kann dieser zwar raue, aber ihr doch auch als väterlicher Mentor zur Seite stehende Hadley denn wirklich ein Rassist sein?
Kate London und Patrick Harbinson, der ihren Roman als Drehbuch adaptiert hat, machen es sich und den Zusehenden nicht leicht. Alle Charaktere sind vielschichtig, eine klare Aufteilung nach Gut-Böse-Schemata findet man hier wie im richtigen Leben nicht. Auch Polizeibeamte sind nur Menschen - und Menschen machen Fehler. Nur, dass die in ihrem Job manchmal sehr schwerwiegende Folgen haben können. So flüchtet Lizzie kurz nach dem doppelten Todessturz selbst vor ihren Kollegen. Ein Schuldeingeständnis? Oder einfach emotionale Überforderung?

So viel kann man wohl verraten: Am Ende war auf dem Dach alles ganz anders, als vorher zu vermuten war. Helden finden sich ebenso wenig wie Schurken. Wie die MacherInnen hier einen spannenden Kriminalfall nutzen, um ganz nebenbei von höchst aktuellen gesellschaftlichen Themen wie Rassismus innerhalb der und Diskriminierung durch die Polizei zu erzählen, ist außergewöhnlich gelungen. Offensichtlich haben London ihre eigenen Erfahrungen als ehemalige Polizeibeamtin geholfen, ein glaubwürdiges Bild der Verhältnisse innerhalb der Institution zu entwerfen. Die durchweg tollen Darstellenden tragen zur packenden Atmosphäre bei. Und ganz am Ende gibt es dann einen weiteren Kniff, der noch ein ethisches Dilemma aufzeigt. Fernsehen mit Denkanstößen, denen man ganze Seminarsitzungen in Moralphilosophie widmen könnte.
An die Brillanz der Auftaktstaffel reicht die zweite leider nicht ganz heran. Wie öfter bei solchen Fortsetzungen einer eigentlich abgeschlossenen Geschichte wirkt es etwas überkonstruiert, wie alle Hauptprotagonisten aus dem Tower-Fall zunächst wieder zusammengebracht werden müssen. Die zwar kriminalistisch begabte, aber sozial reichlich inkompetente Sarah wird zu einer Cold-Cases-Einheit "strafversetzt", wo sie den Fall einer vor 25 Jahren verschwundenen Schülerin neu aufrollen muss. Gleichzeitig folgt sie der Spur eines häuslichen Gewalttäters, der erst seine Ehefrau getötet und dann die gemeinsame Tochter entführt hat. Durch diesen Fall kommt Sarah auch wieder mit Lizzie zusammen, die auch hier zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Im Laufe dieser diesmal vier Episoden erfahren wir auch etwas mehr über das (quasi nicht vorhandene) Privatleben und die Gefühlswelt der taffen Ermittlerin. Während die Suche nach der Leiche der wahrscheinlich ermordeten Schülerin und das Abhaken mehrerer erwiesener und potentieller Pädophiler als mögliche Täter eher konventionell verlaufen, sind es wiederum die Porträts der Beamtinnen und der Betroffenen, die unter die Haut gehen. So etwa die Mutter der Vermissten, die immer noch nicht die letzte Hoffnung aufgegeben hat, dass ihre Tochter, die inzwischen längst erwachsen wäre, eines Tages einfach wieder in der Tür steht.
Bleibt zu hoffen, dass arte bald noch die dritte Staffel dieser insgesamt herausragenden Krimiserie nachliefert. Was die Verbindung von Crime und Sozialdrama angeht, macht den Briten niemand etwas vor.
Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten Staffeln 1 und 2 von "The Tower".
Beide Staffeln sind ab dem 1. Dezember auf arte.tv abrufbar. Die lineare Ausstrahlung erfolgt am Donnerstag, den 4. Dezember ab 21.40 Uhr (Staffel 1) und am 11. Dezember ab 21.45 Uhr (Staffel 2) bei arte.
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Leserkommentare
User 1905890 schrieb am 04.12.2025, 00.12 Uhr:
leider selten einen solchen Haßbeitrag gegen die urbane Bevölkerung gesehen als diese Folgen - es lebe die Umvolkung, alles für die fremden Völker, alles gegen die Einheimischen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!Alte schneegans schrieb am 05.12.2025, 00.15 Uhr:
Aus welchem AFD Schulungsseminar sind Sie denn gerade gekommen?Horatio schrieb am 02.12.2025, 18.55 Uhr:
Leider ist schon die Schlüsselszene des ersten Dreiteilers ein dramaturgischer Flop. 😡Wenn ich ein fünfjähriger Junge wäre, der auf dem Dach eines 30-stöckigen Hochhauses zur Dachkante gezogen würde – dann würde ich schreien wie am Spieß! Beissen!, um mich treten! – mich aber nicht wie ein Schaf zur Schlachtbank direkt an die Abbruchkante des Hochhauses ziehen lassen. 😡😡Auch der dicke Polizist balanciert wie ein Hochseilartist im Zirkus – frei von jeglicher Höhenangst und ohne Kenntnis von Höhenwinden – direkt auf der Dachkante rum.
.
Wieso wurde der Junge nach dem Sturz nicht als Zeuge zum Vorfall befragt? Nönö, lieber wird drei Folgen lang über den Hergang rumspekuliert.
.
Sorry, unrealistischer geht‘s nicht.
.
Über die afro-britische Polizisten-Minimaus, die sich schon nach wenigen Monaten auf der Wache von ihrem verheirateten Polizeichef (mit Frau und Kind) bumsen lässt, will ich gar nicht weiter reden ...
.
Von mir keine Empfehung. 😠Alte schneegans schrieb am 05.12.2025, 01.51 Uhr:
Und „. afro-britische Polizisten-Minimaus …“ sagt viel über Ihre Gesinnung aus.Alte schneegans schrieb am 05.12.2025, 01.48 Uhr:
Seltsam, wie Sie meinen zu wissen, was andere Menschen tun oder nicht zu tun haben (mal abgesehen davon, dass es ohne Konflikte keine Geschichten gäbe).
- Die Mutter hat die Befragung des Kindes verhindert.
- Die Beobachtungen eines traumatisierten Fünfjährigen sind nur bedingt verwertbar.
- Gelähmt vor Angst zu sein, ist wahrscheinlicher als Geschrei (auch für ein Kind).
- Sie entscheiden nicht über „Gefühlsanfälle“ (fiktionaler) Personen. (Das Leben ist vielfältig, die Menschen auch).
Das Leben eines „Normalos“ ohne Höhen und Tiefen ergibt keine Geschichte.Sentinel2003 schrieb am 01.12.2025, 17.36 Uhr:
Okay, dann werde ick da mal rin kiecken...:-) ;-)Alte schneegans schrieb am 05.12.2025, 01.53 Uhr:
Keine schlechte Idee!
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