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Netflix-Zahlen: Welche Auswirkungen hat das Corona-Wachstum?

In Sachen weltweiter Reichweite macht Netflix niemand etwas vor: Der Streaming-Gigant hatte am Ende des zweiten Quartals 2020 nach einem überdurchschnittlichen Wachstum 192,95 Millionen Kunden. Wie auch in anderen Kennzahlen hatte hier die Corona-Krise ihre Finger im Spiel. Die weiteren Erwartungen bei Netflix sorgten allerdings dafür, dass diverse Aktionäre erstmal Anteile verkauft haben.
Die Entwicklung der Nutzerzahlen von Netflix folgt dem Jahreszeiten-Verlauf - denn der Großteil der Weltbevölkerung (90 Prozent) lebt auf der Nordhalbkugel, so dass die Menschheit statistisch gesehen "im Sommer auf der Nordhalbkugel" in der Regel mehr Zeit außerhalb der eigenen vier Wände verbringen, während "im Winter" mehr Zeit und Geld in die Gestaltung von Indoor-Aktivitäten gesteckt wird. Netflix hatte für das zweite Quartal noch mit einem (Netto-)Wachstum der Nutzerzahlen von 8,26 Millionen Kunden gerechnet. Aufgrund der veränderten Lebensgewohnheiten durch die Corona-Pandemie betrug das Nettowachstum nun 10,09 Millionen Kunden. Allerdings geht Netflix davon aus, dass dafür im kommenden Quartal das Nettowachstum - eben die Verrechnung neuer Kunden mit jenen, die ein Abo beendeten - auf 2,5 Millionen Kunden fallen wird.
Damit ist man zwar immer noch auf einem Kurs eines überdurchschnittlichen Wachtums im Vergleich zum Vorjahr, die amerikanischen Medienanalysten hatten aber mehr erwartet. Daher gab die Netflix-Aktie zunächst um mehr als 10 Prozent nach.
Da die Abonnentenzahlen sich eben in einem jährlichen Rhythmus entwickeln, veröffentlicht Netflix auch immer einen Vergleich zum "Vorjahreszeitraum". In den letzten Quartalen hatte das Kundenwachstum stets leicht über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr betragen. Im abgelaufenen Quartal war das Wachstum im Vergleich auf 27,3 Prozent hochgeschnellt. Für das dritte Quartal wird beim Wachstum ein Plus von 23,4 Prozent gegenüber zum Vorjahr erwartet - also immer noch deutlich überdurchschnittlich. Im dritten Quartal 2019 konnte sich Netflix allerdings über 6,77 Millionen neue Abonnenten freuen - und damit eben deutlich mehr als die jetzt anvisierten 2,50 Millionen.
In Sachen Gewinn findet sich Netflix aktuell auf einem relativen Höhepunkt, aber auch hier dürfte die Corona-Krise mit ihren Produktionsunterbrechungen hineinspielen: Netflix muss hier aktuell für Eigenproduktionen schlicht weniger Geld auszahlen.
Generell ist bei jedem Geschäftsbericht von Netflix anzumerken, dass das Unternehmen seinen Ausbau zum weltweit führenden Anbieter im Streamingmarkt auf Pump finanziert hat und über die kommenden Jahre noch mehrere Milliarden Dollar zurückzahlen muss. Etwa beim Onlinehändler Amazon hat sich so ein Erwerb der Vormachtstellung langfristig bezahlt gemacht - bei Streaminganbietern ist aber mittlerweile die Erwartung, dass der (Welt-)Markt irgendwann gesättigt ist und dann das Wachstum neuer, lokaler oder weltweiter Anbieter mit Verlusten bei den bisherigen Anbietern einhergeht. Netflix steuert hier gegen, indem man mit dem Content auch Märkte wie Indien befeuert, die andere Anbieter auf dem Weltmarkt nicht so mit Eigenproduktionen im Zentrum haben. Trotzdem darf man gespannt sein, wie der Streamingmarkt in 20 Jahren aussehen wird.
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