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TV-Kritik/Review: Neue "Club der roten Bänder"-Generation: Die Magie der Freundschaft fesselt auch 2026

von Dennis Braun
(25.08.2026)
Warum die Nachfolgeserie bei VOX und RTL+ sowohl alte Fans als auch neue Zuschauer begeistern kann
Der neue "Club der roten Bänder": (v. l.) Elias (Voicu Dumitraş), Philipp (Jona Levin Nicolai), Charlie (Greta Krämer), Nora (Mariama Jobe) und Yannik (Yoran Leicher)
RTL/Kai Schulz
TV-Kritik/Review: Neue "Club der roten Bänder"-Generation: Die Magie der Freundschaft fesselt auch 2026/RTL/Kai Schulz

Als VOX im Jahr 2015 mit  "Club der roten Bänder" seine erste eigenproduzierte Dramaserie auf Sendung schickte, ahnten zunächst wohl die Wenigsten, dass sie einschlagen würde wie eine Bombe: Bis zu 2,71 Millionen Zuschauern schalteten Woche für Woche ein, in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kamen durchgehend zweistellige Marktanteile (mit 15,4 Prozent in der Spitze) zustande. Staffel 2 lief sogar noch stärker und übersprang zweimal die 3-Millionen-Hürde, ehe sich auch die finale dritte Runde als voller Erfolg für den Sender entpuppte. 2019 folgte dann noch ein  Kinofilm, der die Vorgeschichte der Charaktere erzählte. Keine Frage: Die berührenden Geschichten um sechs schwerkranke Jugendliche in einem Krankenhaus, die sich gegenseitig Halt geben, trafen einen Nerv beim Publikum. Insofern ist es durchaus überraschend, dass man mehr als 7 Jahre der Versuchung einer Fortsetzung widerstand - bis jetzt.

Mit  "Club der roten Bänder - Die neue Generation" erzählen VOX und RTL+ eine völlig neue Geschichte mit neuen Charakteren, die ebenfalls im fiktiven Kölner Albertus-Klinikum spielt. Im Gegensatz zum Ur-Club stehen fortan fünf statt sechs Jugendliche im Zentrum, wobei man offensichtlich Wert auf Diversität legt: Neben drei männlichen gibt es diesmal zwei weibliche Hauptdarstellerinnen, darunter eine Person of Color.

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Hinter der Kamera sollen sich Erfahrung und frische Perspektiven vereinen - so fungiert Gerda Müller mit Bantry Bay Productions wie schon in der Originalserie als Produzentin. Felix Binder, der alle drei Staffeln und den Kinofilm inszenierte, führt erneut Regie, zusammen mit Aki Wegner, die diese Aufgabe bereits für das Spin-off  "Tonis Welt" übernahm. Headautor Adrian Spring sowie Autorin Kirsten Loose treten in die Fußstapfen von Arne Nolting und Jan Martin Scharf. Und schließlich steht Producerin Lisa Bayer mit Nick Julius Schuck als Junior Producer sogar ein Mitglied des alten Clubs zur Seite, in dem er den "guten Geist" Hugo spielte.

Zu Beginn der Serie sehen wir Elias (Voicu Dumitraş), der seit seinem achten Lebensjahr an einer schweren Niereninsuffizienz leidet und von seinem Vater Markus (Serkan Kaya) ins Krankenhaus gebracht wird. Er hat von seinem Bruder Timo (Roberto Capasso) eine Niere gespendet bekommen, die von seinem Körper jedoch abgestoßen wird. Ähnlich wie Hugo in der ersten Serie kommentiert er am Anfang und am Ende jeder Folge die Geschehnisse aus dem Off. Währenddessen bekommt Yannik (Yoran Leicher) von seinem Mitschüler Philipp (Jona Levin Nicolai) im Sportunterricht mit Absicht einen Handball ins Gesicht geschleudert, sodass er vorübergehend sein Augenlicht verliert. Eine MRT-Untersuchung im Albertus-Klinikum ergibt, dass er an einem Hirntumor leidet, der mit seinem Sehnerv verwachsen ist. Bei der notwendigen Operation besteht das reelle Risiko, für immer zu erblinden.

Yannik (Yoran Leicher) hat mit seiner Erblindung zu kämpfen.
Yannik (Yoran Leicher) hat mit seiner Erblindung zu kämpfen. RTL/Kai Schulz

Eine Freundin findet Yannik in der Vollwaisen Charlie (Greta Krämer), einer Patientin der Jugendpsychiatrie, die trotz ihrer bipolaren Erkrankung davon träumt, Ärztin zu werden, und ihm quasi als "persönlicher Blindenhund" hilft, seinen neuen Alltag zu meistern. In der Kantine macht er darüber hinaus Bekanntschaft mit Nora (Mariama Jobe), die am Beginn ihrer Leukämiebehandlung steht und aufgrund des bereits einsetzenden Haarausfalls Ausschau nach passenden Perücken hält. Und schließlich kommt auch noch ausgerechnet Yanniks Mobber Philipp ins Albertus-Klinikum. Dessen Angststörung verbirgt er vor ihm und den anderen Jugendlichen hinter einer harten Fassade. Damit wären die Mitglieder des zukünftigen Clubs komplett, doch bis sich dieser endgültig formiert hat und jedem bzw. jeder Einzelnen die Kraft gibt, die er/sie braucht, ist es noch ein weiter Weg.

Denn obwohl VOX im Vergleich zur Auftaktstaffel der Ursprungsserie statt 10 nur 6 Folgen beauftragt hat, lässt man sich erstaunlich viel Zeit, um eine Verbindung zwischen den einzelnen Protagonisten zu schaffen. Das liegt vor allem darin begründet, dass sich sowohl deren Krankheiten als auch ihre Perspektive darauf maßgeblich unterscheiden: Während etwa Yannik durch seine Erblindung einen erheblichen Teil seiner persönlichen Freiheit eingebüßt hat, versucht Nora, trotz der niederschmetternden Diagnose optimistisch zu bleiben und für ihre Genesung zu kämpfen. Ganz im Gegensatz zu Elias, der die Hoffnung bereits aufgegeben hat und ernsthaft die Beendigung seiner Dialysebehandlung in Erwägung zieht - was einem Todesurteil gleichkommt. Als er ihr die Palliativstation zeigt und schonungslos offenbart, dass beide hier sowieso früher oder später enden würden, entgegnet sie ihm mit Tränen in den Augen: Nur weil dir alles egal ist, muss ich nicht aufhören zu glauben, dass alles wieder gut wird.

Elias (Voicu Dumitraş) geht fatalistisch bis zynisch mit seiner Krankheit um.
Elias (Voicu Dumitraş) geht fatalistisch bis zynisch mit seiner Krankheit um. RTL/Kai Schulz

Doch auch zwischen Yannik und Charlie kommt es kurzzeitig zu Spannungen, da er - tief getroffen von seiner Tumor-Diagnose - nicht erkennt, dass auch seine Krankenhausgenossin einen eigenen, schweren Weg zu beschreiten hat: Charlie, ich bin richtig krank! Ach, und ich nicht oder was? Man muss nicht immer an Schläuchen hängen, um krank zu sein, Yannik. Es sind bleischwere Momente wie diese, die unweigerlich einen Kloß im Hals hervorrufen - so wie es auch der Ur-Club mit jeder Folge schaffte. Ähnlich wie damals gibt es aber auch Situationen zum Schmunzeln, etwa als die bipolare Charlie für sich und Yannik Pizza besorgt: Charlie, wie viel hast du bestellt? Naja, von jeder eine. Ich wusste ja nicht, was du magst. Oder wenn Nora dem erblindeten Yannik eröffnet: Ich versuch grad rauszufinden, ob mir ne Perücke steht. Und? Hab sie noch nicht anprobiert. Ich will nicht, dass mich jemand damit sieht. Jackpot!

Daneben bietet die Nachfolgeserie auch viel Fan-Service, womit nicht zuletzt Zuschauer des Vorbilds abgeholt werden sollen. So erklingt als Titelmelodie auch diesmal wieder der gefühlvolle Song "Hurricane" des US-amerikanischen Popduos MS MR. Darüber hinaus lesen Charlie und Yannik ein Buch über den ersten Club der roten Bänder, woraufhin sie beschließen, es ihren Vorgängern gleich zu tun. Auch die legendäre Szene, als deren Mitglieder seinerzeit in einer verlassenen Station eine Eisenbahn aufbauten und damit fuhren, kommt noch einmal zur Sprache. Eine verbotene Party, in diesem Fall anlässlich des 18. Geburtstags von Elias, weckt ebenfalls Erinnerungen an die damalige Geschichte.

Philipp (Jona Levin Nicolai, r.) und Charlie (Greta Krämer) auf der Party zu Elias' 18. Geburtstag
Philipp (Jona Levin Nicolai, r.) und Charlie (Greta Krämer) auf der Party zu Elias' 18. Geburtstag RTL/Martin Rottenkolber

Und auch, wenn es sich um neue Charaktere mit völlig unterschiedlichen Krankheitsbildern handelt, so gibt es in deren Wesenheitszügen durchaus Parallelen zum ersten Club. In Elias kann man beispielsweise den alten "ersten Anführer" Leo (Tim Oliver Schultz) erkennen, der ebenfalls sehr mit seinem Schicksal haderte und erst durch seine neuen Freunde Mut fasste. Yannik als Neuzugang im Krankenhaus erinnert ein wenig an den damaligen "zweiten Anführer" Jonas (Damian Hardung), während die bipolare Charlie definitiv Anleihen an der von Magersucht und Panikattacken geplagten Emma (Luise Befort) nimmt. Für den zunächst rüpelhaften Philipp stand offensichtlich der herzkranke Alex (Timur Bartels) Pate, der sich zu Beginn der Ursprungsserie gegenüber seinen Leidensgenossen ebenfalls ziemlich unfreundlich verhielt.

Ein großes Lob gebührt den jungen, talentierten Schauspielern, für die "Club der roten Bänder - Die neue Generation" ihre erste große Hauptrolle darstellt. Wie der 22-jährige Voicu Dumitraş den des Lebens und des Kampfes müden, zunächst sehr zynisch agierenden Elias porträtiert, geht genau so unter die Haut wie das Spiel von Greta Krämer, die die manischen Episoden ihrer Figur Charlie äußerst authentisch verkörpert. Auch Noras Verletzlichkeit, berührend dargestellt von Mariama Jobe, die zwei Gesichter von Jona Levin Nicolais Philipp und die besondere Aufgabe für Yoran Leicher, den erblindeten Yannik glaubwürdig in Szene zu setzen, sollen an dieser Stelle ausdrücklich gewürdigt werden. Beim Casting hat man hier alles richtig gemacht - es würde nicht überraschen, wenn die Serie, wie schon für ihre Vorgänger, der Startschuss für eine große Karriere ist.

Geben sich gegenseitig Halt: (v. l.) Elias (Voicu Dumitraş), Charlie (Greta Krämer), Yannik (Yoran Leicher), Nora (Mariama Jobe) und Philipp (Jona Levin Nicolai)
Geben sich gegenseitig Halt: (v. l.) Elias (Voicu Dumitraş), Charlie (Greta Krämer), Yannik (Yoran Leicher), Nora (Mariama Jobe) und Philipp (Jona Levin Nicolai) RTL/Martin Rottenkolber

Die Nebenfiguren bleiben dagegen teilweise etwas blass. Die ziemlich oberflächlichen Freundinnen von Nora (Valentina Leone und Apollonia Bascoul) oder Yanniks Eltern (Jesse Albert und Nadja Becker) sind beispielsweise eher stereotyp angelegt und fügen sich nicht so recht in die Handlung ein. Auch zum Ärzte- und Pflegepersonal bekommen die Zuschauer zunächst noch keinen wirklichen Zugang: Frau Dr. Maria Winter (Karen Dahmen) kommt zwar etwas einfühlsamer rüber als ihr Pendant Prof. Dr. Reusch (Julia Grafflage) aus der Ursprungsserie, hat aber zu wenig bedeutende Szenen, in denen sie sich für die Geschichte profilieren kann - ähnlich wie ihre Kollegin Katharina (Şiir Eloğlu) von der Station für Jugendpsychiatrie, Pfleger Florian (Amadin Piatello) oder Gesprächstherapeut Henning (Uğur Kaya). Besser einbezogen werden Elias' Vater Markus und sein Bruder Timo, besonders im emotionalen Moment, als Elias ihnen eröffnet, dass er seine Dialysebehandlung beenden will.

Leichte Schwächen sind darüber hinaus im Drehbuch zu beobachten. So sorgen gleich mehrfach "zufällig" herumliegende Handys oder gar Patientenunterlagen dafür, dass Charaktere an sensible Informationen geraten, die essentiell für die fortlaufende Handlung sind. Ein wenig mehr Subtilität wäre da schon wünschenswert gewesen. Darüber hinaus sprechen einige der Protagonisten phasenweise ziemlich schnell und undeutlich; eventuell ein Fingerzeig auf die jungen Generationen Z und Alpha, deren Themen in der neuen Serie verhandelt werden - inklusive einer sich anbahnenden queeren Romanze.

Diese minimalen Abstriche täuschen aber nicht darüber hinweg, dass es den Machern gelungen ist, den Geist vom "Club der roten Bänder" ins Jahr 2026 zu transportieren, ohne dass die besondere Magie auf der Strecke bleibt. Diese entfaltet sich vor allem in der zweiten Hälfte der Staffel, als der Club immer stärker zusammenwächst und sich die Ereignisse überschlagen. Allerspätestens dann herrscht großer Taschentuchalarm, und nicht zuletzt dank äußerst souveräner Hauptdarsteller driften die Kernszenen nie ins Kitschige ab. Es wäre allen Beteiligten zu gönnen, wenn sowohl alte Fans als auch neue Zuschauer der frischen Generation eine Chance geben.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der kompletten ersten Staffel von "Club der roten Bänder - Die neue Generation".

Meine Wertung: 4/5

Die sechsteilige erste Staffel von "Club der roten Bänder - Die neue Generation" wird ab dem 25. August beim Streamingdienst RTL+ sowie Sky und WOW veröffentlicht. Linear läuft sie ab dem 8. September immer dienstags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen bei VOX.



 

Über den Autor

Dennis Braun, geboren einen Tag nach dem Mauerfall, ist ein richtiges Kind der 90er und Retro-Fan. Neben schaurig-schöner Eurodance-Musik kann er sich auch heute noch an diversen Gameshows wie "Geh aufs Ganze!", "Glücksrad", "familien duell" oder "Der Preis ist heiß" erfreuen, die er damals sehr häufig bei und mit seinen Großeltern geschaut hat. Daneben hat er ein Herz für gut gemachte deutsche Comedy, die allerdings bekanntermaßen recht spärlich gesät ist. Wenngleich er kein wirklicher Serienjunkie ist, laufen ihm dennoch ab und zu ein paar Produktionen wie der "Club der roten Bänder" oder "The Strain" über den Weg, die ihn in ihren Bann ziehen. Bereits seit Januar 2013 für TV Wunschliste tätig, verstärkt er seit März 2016 auch die Newsredaktion und kennt sich besonders im nationalen Bereich gut aus.

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