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TV-Kritik/Review: Bates Motel
(09.04.2013)

Es gibt Legenden, die sind einfach unsterblich. Die Legende von Norman Bates, dem schizophrenen Motelbesitzer, den Anthony Perkins so eindringlich in Alfred Hitchcocks Kinoklassiker "Psycho" von 1960 verkörperte, ist so eine. Drei von 1983 bis 1990 entstandene, zunehmend krudere Fortsetzungen konnten dem Mythos des von seiner toten Mutter besessenen Serienkillers nicht nachhaltig schaden. 1987 hatte es schon einmal einen Pilotfilm für eine TV-Adaption namens "Bates Motel" gegeben, der dann allerdings nicht in Serie ging. 26 Jahre später ist es nun so weit: Norman Bates wird als Serienheld neu geboren, unter dem gleichen Titel wie 1987, allerdings in einer weitgehend neuen Umgebung.
Zunächst wirkt jedoch alles so, wie man es aus Hitchcocks Klassiker kennt: ein verschlafenes Nest an der Küste, das abgelegene Motel, darüber auf einem Hügel das längst ikonenhafte Holzhaus. Einrichtung, Kleidung, Automodelle - nichts deutet darauf hin, dass die neue A&E-Serie
Gleich zu Beginn der ersten Folge findet Norma Bates (Vera Farmiga), hier nicht nur höchst lebendig, sondern auch sehr attraktiv, ihren Ehemann tot im Keller. Daraufhin erwirbt sie spontan das bekannte Motel, das diesmal allerdings in White Pine Bay, Oregon steht, um dort mit ihrem 17-jährigen heißgeliebten Sohn Norman (Freddie Highmore) ein neues Leben anzufangen. Aber es kann bekanntlich der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Vormieter nicht gefällt, und so wird Norma schon bald von dem schmierigen Altbesitzer des Motels überrumpelt und vergewaltigt. Zwar platzt irgendwann Norman in die Situation und kann den Eindringling ausknocken, aber seine Mutter gibt sich nicht damit zufrieden, die Polizei zu rufen. Stattdessen übt sie blutige Selbstjustiz, und Mutter und Sohn finden sich schon bald bei vertrauten Reinigungsarbeiten im Motelzimmer wieder.
Ansonsten läuft in Normans neuem Leben leider nicht alles so gut. Vor allem scheinen die Bewohner von White Pine Bay hinter ihren Fassaden einige heftige Geheimnisse versteckt zu haben. Von Drogenanbau bis Lynchjustiz und Menschenhandel reichen die Aktivitäten des scheinbar so idyllischen Kaffs. Der Sheriff interessiert sich aber offensichtlich dafür nicht halb so viel wie für die Leiche, die die Bates selbst auf dem Gewissen haben. Der Hilfssheriff interessiert sich zu deren Glück zumindest noch für die attraktive Norma. Stoff genug für zumindest die erste Staffel, so dass die anfänglich berechtigte Sorge, den Autoren könnten bereits in der zweiten oder dritten Folge die spannenden Handlungselemente ausgehen, sich vorläufig als unbegründet erweist. Der fast zwangsläufig zu erwartende "mysteriöse Motelgast der Woche" ist jedenfalls auch nach drei Episoden noch nicht in Sicht.
Getragen wird die Serie neben der überzeugenden Atmosphäre vor allem von den beiden hervorragenden Hauptdarstellern. Vera Farmiga ("Up in the Air") spielt Norma Bates als ambivalente Frau, die zwischen ihrem Lebenshunger und der vielleicht etwas zu großen Sorge um ihren Sohn hin und her gerissen ist; alles andere als eine Glucke. Farmiga wechselt in den richtigen Momenten problemlos von Verletzlichkeit zu Härte. Freddie Highmore wirkt tatsächlich wie ein junger Anthony Perkins, die meiste Zeit aber vor allem wie ein ganz normal verwirrter Jugendlicher zwischen Zuneigung zu seiner alleinerziehenden Mutter und sexuellem Erwachen. Erst das Wissen darum, wie diese Figur sich entwickeln wird, macht sein häufig wiederholtes "Mother!" so beängstigend. Etwas überflüssig ist hingegen der neu hinzu erfundene (Halb-)Bruder Normans, Dylan (Max Thieriot). Er soll wohl ein zusätzliches unsicheres Element in die Kleinfamilie bringen, wirkt aber reichlich aufgesetzt. Im Gegensatz zu Norman hasst er die gemeinsame Mutter, nennt sie eine Hure und macht Andeutungen über den Tod ihrer Verflossenen.
Insgesamt ist den Serienautoren um Carlton Cuse, Kerry Ehrin und Anthony Cipriano aber tatsächlich ein mittelgroßes Kunststück gelungen: Dass eine Neuauflage von "Psycho" als Fernsehserie nicht nur halbwegs funktionieren, sondern tatsächlich zu den faszinierendsten neuen Dramaserien zählen könnte, die das US-Fernsehen zu bieten hat, hätten wohl auch Hardcorefans von Norman Bates kaum gedacht. Die Duschszene kann kommen!
Dieses Review basiert auf der Sichtung der ersten drei Episoden von "Bates Motel".
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