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TV-Kritik/Review: Bloodline
(20.03.2015)

"Papa, please pray for me, I was the bad sheep of the family", sang Terry Jacks in seinem Schnulzenklassiker "Seasons in the Sun". Diese Worte könnte auch Danny Rayburn (Ben Mendelsohn) in der neuesten Netflix-Dramaserie
Ihre Prämisse präsentiert die Serie mit dem Holzhammer: Wo Danny auch auftaucht, mit wem er spricht, er wird immer zurückgewiesen, daran erinnert, dass er eben nicht dazu passt: Seine drei Geschwister wohnen alle in der Nähe des elterlichen Familienhotels, sind verheiratet oder zumindest verlobt - Danny trieb sich die vergangenen Jahre in der Welt herum und bringt ungefragt ein Date mit zum jährlichen Familienempfang. Der jüngere Bruder John (Kyle Chandler) arbeitet beim Sheriff Department, die Schwester studiert - Danny hat statt einer angesehenen Tätigkeit ein Tablettenproblem. Außerdem wirkt er wesentlich verbrauchter und mit seiner wirren Frisur unangepasster als die beiden Brüder, die immer aussehen, als würden sie gleich auf der Terrasse den Grill für Familie und Nachbarn anwerfen.
Einen großen Teil der Exposition erledigt die Auftaktfolge mit dem wohl billigsten der möglichen Stilmittel: Beim Abendessen mit Gästen zum Jubiläum des Hotels hält Patriarch Robert eine Tischrede und stellt seine vier Kinder einzeln vor, mit Namen, Beruf, positiven und (bei Danny) negativen Eigenschaften. Cleveres filmisches Erzählen geht anders. Auch sonst neigt die Serie zum Überbetonen (ein überflüssiger Off-Kommentar von John tut sein Übriges dazu), obwohl gleichzeitig in den ersten beiden Folgen unklar bleibt, worauf sie eigentlich hinauswill. Wenn es die Kernaufgabe einer Pilotfolge ist, zu vermitteln, wie sich die Serie anfühlen und warum einen als Zuschauer die zu erzählende Geschichte interessieren soll, scheitert Bloodline auf ganzer Linie. Selten habe ich eine erste Folge gesehen, die so uninspiriert sämtliche Klischees abhandelt, die sich wohl inzwischen als Kriterien für "Qualitätsserien" etabliert haben: eine nur auf den ersten Blick heile Familie, in der dann doch jeder mindestens ein dunkles Geheimnis hütet, der Außenseiter mit dem Suchtproblem, die erste unmotivierte Sexszene nach fünf Minuten, lange Dialoge, die nirgendwo hinführen, ausgiebige Totalen auf das Meer, Boote im Meer, die Sonne, die im Meer versinkt, inklusive Überbelichtungseffekten.
Dabei hat "Bloodline" ein Ensemble aufzuweisen, das jedem Serienautor Tränen (der Freude oder des Neids) in die Augen treiben müsste: Nicht nur Kyle Chandler, jedermanns beliebtester fiktionaler Football-Trainer (aus
Bei diesem großen "Malen nach Zahlen" der Autoren/Produzenten steht nicht nur den Protagonisten (auch bildlich) das Wasser bis zum Hals, auch wir Zuschauer drohen in Langeweile zu ersaufen. Am Ende reicht es eben nicht, die wichtigsten Versatzstücke dessen, was als Qualitätskriterien für anspruchsvolle Serien gilt, zusammenzurühren. Ohne Inspiration und einen originellen Ansatz ergibt sich daraus leider doch nur ein fader Brei.
Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Folgen der Serie.
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: Saeed Ayani © 2015 Netflix, Inc.
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