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TV-Kritik/Review: Gotham
(02.10.2014)

Während Superman respektive Superboy immer mal wieder Held eigener Fernsehserien war, von
In der Pilotfolge kommt er aber erst einmal als junger Detective in die Stadt, um seinen Dienst beim Gotham City Police Department anzutreten, einer - wie sich schnell herausstellt - durch und durch korrupten Behörde. Sein erster Fall wird ausgerechnet die brutale Ermordung von Bruce Waynes Eltern bei einem Raubüberfall in einer dunklen Seitenstraße. Diese längst ikonisch gewordene Szene, ebenfalls fester Bestandteil des Mythos, bildet dann auch den Auftakt der gesamten Serie. Hier begnügten sich die Macher um
Dem gerechtigkeitsliebenden, nach den Regeln spielenden Gordon (Ben McKenzie) wird ein Partner zur Seite gestellt, der kaum ungleicher sein könnte: der raubeinige Detective Harvey Bullock (Donal Logue), der gerne mal einen zu Verhörenden hart rannimmt und wie fast alle anderen Cops in der Stadt hier und da die Hand aufhält. Zwar haben sie schon bald einen vermeintlichen Mörder überführt, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht: Er ist nur ein Bauernopfer, das der oberste Pate der Stadt, Carmine Falcone (John Doman), der Öffentlichkeit präsentieren wollte, um den streng ausbalancierten Frieden zwischen Bürgern und organisiertem Verbrechen nach dem Mord an dem angesehenen Ehepaar Wayne zu sichern. Während Gordon und Bullock ihren mehr oder weniger konventionellen Ermittlungen nachgehen, die so ähnlich auch in jedem Crime-Procedural auf NBC oder CBS ablaufen könnten, rücken immer wieder Figuren in den Fokus, die Assoziationen wachrufen: Die junge Taschendiebin Selina Kyle hat den Mord beobachtet, ihr Spitzname Cat und ihre bevorzugte Art der Fortbewegung über die Dächer deuten auf ihre Zukunft als Catwoman hin. Oswald Cobblepot - Markenzeichen: pinguinhafter Gang - ist hier noch ein in der Rangordnung eher niedrig gestellter Handlanger der Gangchefin Fish Mooney. Und Edward Nygma (Corey Michael Smith), der spätere Riddler, arbeitet als Forensiker für die Polizei.
Aber reicht es, ab und zu einen Namen fallen zu lassen, der Batman-Fans aufhorchen lässt, um die Serie wirklich von all den Cop-Shows abzuheben, die Woche für Woche die Programme vor allem der großen US-Networks bevölkern? Nach etwa der Hälfte der Auftaktfolge kommen hier zumindest Zweifel auf. Zu konventionell gestaltet Drehbuchautor Heller die Routine der Ermittlungen von Good Cop und Bad Cop - Verhör, Schießerei, In-die-Falle-Tappen etc. -, so dass am Ende ein etwas schales Gefühl bleibt: War das etwa schon alles?

Tatsächlich rollt die zweite Folge dann einen ganz neuen Fall der Woche auf, was erst einmal schlimmste Befürchtungen zu bestätigen scheint, hier doch nicht mehr als "CSI: Gotham" vorgesetzt zu bekommen. Jedoch gestaltet sich der zweite Fall deutlich interessanter und in seiner Überdrehtheit auch comichafter: Eine Gangsterbande betäubt und entführt unter der Tarnung als barmherzige Helfer auf der Straße lebende Kinder. Gaststar Lili Taylor darf hier als leicht verrückte Entführerin auftrumpfen, was ihr sichtlich Freude bereitet. Insgesamt erinnert der Storystrang angenehm an ähnliche Verrücktheiten aus den Burton-/Schumacher-Kinofilmen der späten 1980er und 1990er Jahre, ohne ins Lächerliche abzugleiten. Gleichzeitig wird auch die übergreifende Hintergrundgeschichte weitererzählt, die sich vor allem mit dem organisierten Verbrechen beschäftigt, das die Stadt fest im Griff hat - und das auch an der Ermordung der Waynes nicht ganz unschuldig zu sein scheint.
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Womit wir bei der Frage wären, ob "Gotham" eher in der Tradition der märchenhaft-verspielten Welt aus den Tim-Burton-Filmen steht oder dem "realistischeren" Ansatz von Nolans "Dark Knight"-Trilogie folgt. Ganz eindeutig ist diese zwar nicht zu beantworten, insgesamt tendiert die Stimmung aber eher zu Burton, nicht nur, weil der (zukünftige) Pinguin hier so eine zentrale Rolle spielt. In Hellers Gotham gibt es zwar keinen zuckerwatteartigen Schnee und keine riesigen Clownfiguren, aber zumindest vereinzelte Gargoyles an den Hausfassaden und Gangster, die eher einem Bilderbuch als einem Handbuch für Terrorismusbekämpfung entsprungen sein könnten. Auch der Score von Graeme Revell erinnert zumindest leicht an Danny Elfman.
Überzeugend ist vor allem der Look der Serie: düster, heruntergekommen, molochartig erscheint Gotham. Der Titel wird dadurch gerechtfertigt, dass die Stadt tatsächlich eine zentrale Rolle spielt. Ein Hauch von "Blade Runner" liegt über der Szenerie mit ihren Straßenschluchten, in die die sich aneinander reihenden Wolkenkratzer keinen Sonnenstrahl durchlassen. Die Stadt wirkt nie wie ein einfach abgefilmtes Manhattan (wie bei Nolan), sondern wie eine dunkle Phantasiewelt, in der eben auch ein Pinguin oder eine Catwoman ihren Platz haben können. Gleichzeitig ist sie der vom Verbrechen durchdrungene Sündenpfuhl, wie ihn vor allem Frank Miller in seinen stilbildenden Graphic Novels der späten 80er Jahre geprägt hat.
Einen guten Riecher bewiesen die Produzenten überwiegend auch bei der Besetzung. Vor allem die Verbrecher sind charismatisch: Robin Lord Taylor als verletzlich-durchgeknallter Cobblepot, Camren Bicondova als gleichermaßen unschuldige wie gewitzte "Cat",
Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten zwei Folgen der Serie.
Marcus Kirzynowski
© Alle Bilder: Warner Bros. TV
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