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TV-Kritik/Review: Marvel's Luke Cage

TV-Kritik/Review: Marvel's Luke Cage

Intelligente Superhelden-Serie überzeugt mit dem Handwerkszeug des Blaxploitation-Kinos - von Gian-Philip Andreas (06.10.2016)
TV-Kritik/Review: Marvel's Luke Cage
Marvel's Luke Cage
Irgendwann ist es auch für Luke Cage (Mike Colter) genug

Die Erweiterung des "Marvel Cinematic Universe" (MCU) via Netflix geht in die dritte Runde: Nach "Daredevil" und "Jessica Jones" bekommt nun "Marvel's Luke Cage" seine ersten 13 Folgen. Im kommenden Frühjahr soll noch "Iron Fist" folgen, bevor kurz darauf alle vier Comic-Superhelden in einer gemeinsamen Serie ­- "The Defenders" - zusammengeführt werden sollen, ganz so, wie es auf Kino-Ebene mit den "Avengers" geschehen ist. Wenn man wie Marvel und die Plattformbereitsteller dieses vielgleisig operierenden Comic-Konzerns einen derart generalstabsmäßigen Plan vor Augen hat, sollte man zusehen, dass die Einzelteile etwas taugen; andernfalls könnte das Interesse vorzeitig erlahmen. Im Kino konnte nicht jeder Beitrag überzeugen, im Serienbereich läuft es rund, vor allem in der Netflix-Schiene: "Daredevil" und "Jessica Jones" punkteten mit finsterem Neo-Noir und tollen Protagonisten, sie setzen einen Maßstab, dem "Luke Cage" nun ebenfalls gerecht wird. Das vom ehemaligen Musikjournalisten Cheo Hodari Coker konzipierte Projekt ergänzt das Marvel-Universum überzeugend um Aspekte der Black Culture, die in verfilmten Comicwelten bislang randständig geblieben waren. Luke Cage ist der erste schwarze Comic-Superheld im MCU, was Coker nicht als Gimmick behandelt, sondern intensiv in den Plot und in das gesamte Worldbuilding übernimmt - in Form eines optisch wie musikalisch reizvollen Updates der alten Blaxploitation-Filme, angesiedelt im schwarz dominierten Harlem im Norden Manhattans. An das legendär-funkige "Shaft"-Theme von Isaac Hayes, stilprägend für Blaxploitation, erinnert auch der "Luke Cage"-Score von Hip-Hop-Produzent Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad, dem Ex-DJ von "A Tribe Called Quest", die Funk, R&B, Hip Hop und klassische Filmmusik miteinander fusionieren.

Auch sonst werden mit eleganten Edelgangstern, pistolefuchtelnden Kleinganoven, einer ebenso schönen wie taffen Polizistin und detailverliebtem Harlem-Lokalkolorit die Markenzeichen der Blaxploitation abgehakt, elegant am Klischee vorbeigeleitet und mit einem schwermütigen Helden, der über "blackness" an sich (und in Zeiten wie diesen ganz besonders) räsonieren darf, souverän modernisiert. Cage, charismatisch gespielt von Mike Colter, wurde in "Jessica Jones" nachdrücklich eingeführt, als temporärer Sidekick und gelegentlicher Bettgefährte der neurotischen Titelheldin: ein ebenso gewaltiger wie attraktiver und sanftmütiger Mann mit Superkräften und unzerbrechlicher Haut, die sogar Kugeln an sich abprallen lässt. Es ist klar, dass diese "Fähigkeit" nach den zahlreichen Schüssen auf oft unbewaffnete schwarze Männer in den USA der vergangenen Monate kontextuell noch einmal anders wirkt als Anfang der Siebzigerjahre, als die Comicfigur erfunden wurde.

Als Held seiner eigenen Serie fegt sich Cage langsam von hinten aus der Unschärfe ins klare Bild: mit einem Besen. Er, der aus ungeklärten Gründen einige Zeit im Gefängnis verbringen musste und den Tod seiner Frau verarbeiten muss, arbeitet inzwischen in diversen Aushilfsjobs und versucht dabei, nicht aufzufallen: Im Barbershop seines Mentors Pop, eines von "The Wire"-Star Frankie Faison mit Herz, Witz und Autorität gespielten Ex-Ganoven, fegt er den Boden (und lässt seine Superkräfte nur kurz aufblitzen, wenn er die Waschmaschine hochwuchten muss), danach spült er in der Küche des Nachtclubs Harlem's Paradise die Teller. Trotzdem reicht das Geld kaum für die Miete seines Apartments über einem chinesischen Restaurant. Ein gewöhnliches, redliches Leben. Und doch: Wer Talente hat wie die seinen, der sollte sie auch für die Gesellschaft gewinnbringend einsetzen. Hashtag Verantwortung. "Always forward", so lautet Pops Motto, das für Luke zum Mantra wird.

Natürlich wird es Gelegenheiten geben, damit aus Luke Cage der aus den Comics bekannte Powerman werden kann. Das entsprechende Setting breiten die ersten Folgen auf: Das Harlem's Paradise etwa ist der mondäne Club des stets tadellos gewandeten Gangsterbosses Cottonmouth Stokes, stark gespielt von Mahershala Ali aus "House of Cards". Der Crime Lord, der in seiner Lounge ein riesiges Porträt des bekrönten (und früh erschossenen) Rappers Notorious B.I.G. hängen hat und in chillaxter Stimmung seinem Keyboard smoothe Töne entlockt, dealt hauptberuflich mit Waffen. Nebenher möchte er seine Cousine Mariah Dillard dabei unterstützen, in Harlem eine "New Black Renaissance" einzuleiten und dafür ordentlich ab- und abzureißen: Der eisigen Stadträtin, gespielt von Alfre Woodard ("State of Affairs"), sind die mörderischen Methoden ihres Vetters egal, solange sie ihr Geld bringen. Für ihr Projekt darf Cottonmouth gern seine Erpresserjungs losschicken-- als opportunistische Politikerin mit unklarer Schmerzgrenze ist sie eine Figur mit Potenzial.

Misty Knight in Luke Cage
Detective Misty Knight (Simone Missick)
Auf Cottonmouths Spuren befindet sich Detective Misty Knight (Simone Missick), besagte Polizistin, die Aushilfs-Barkeeper Luke im Club abschleppt (nach einer Flirtszene, die dialogmäßig gekonnt knapp am Schund vorbeischrammt). Als zwei von Pop betreute Kleinganoven einen von Cottonmouths Waffendeals durchkreuzen wollen und dabei blutig versagen, beginnen Misty und ihr Kollege Scarpe (Frank Whaley, "Motel") mit den Mordermittlungen. Misty kann Tathergänge in einer Art Rundum-3D-Vision halluzinieren, fast so wie Josh Holloway im Sci-Fi-Murks "Intelligence" - es ist eine der wenigen groben Albernheiten der Serie.

Verkompliziert wird die Lage durch einen Waffenlieferanten namens Diamondback, der eingangs noch fernbleibt (Erik LaRay Harvey wird ihn in späteren Folgen verkörpern), aber Cottonmouth verschärfte Bedingungen aufzwingen will und dafür schon mal seinen Schergen Shades vorschickt: Theo Rossi (Juice aus "Sons of Anarchy") spielt diesen Mann mit Sonnenbrille wie eine süffisante Littlefinger-Kopie: ein Mann fürs Grobe, über dessen Loyalitäten man sich nie allzu sicher sein sollte.

Am Ende der ersten beiden einstündigen Episoden, die man als Einheit begreifen kann (Regie: Paul McGuigan, Drehbuch: Coker), haben sich die Wege von Luke, Cottonmouth, Mariah, Misty und Shades schon tragisch gekreuzt; auch ohne ausformulierte Origin Story hat Luke Motivation genug, um loszulegen mit dem, was er zu tun hat. McGuigan und Coker nehmen sich viel Zeit, um mit der Kamera durch Harlem zu schweifen und die Typen am Straßenrand einzufangen, man kriegt tatsächlich viel von Harlem mit - ähnlich wie Baz Luhrmann das unlängst in "The Get Down" mit der Bronx der 1970er-Jahre schaffte. Erstaunlich ausführliche Dialoge beleuchten das Verhältnis von Luke und Pop: Eine ausgedehnte, stimmungsvolle Szene lang sitzen die beiden zum Beispiel auf einer Bank und reden über die Vergangenheit, zu hören ist dabei nur entferntes Kinderlachen und dezentes Autorauschen. In Momenten wie diesem übernimmt die Comic-Verfilmung den Impressionismus von Indie-Filmen, zudem spickt Coker die Serie mit kulturellen Querverweisen: Da wird Cottonmouths Club-Bühne zum Showcase für real existierende Sänger wie Raphael Saadiq oder Faith Evans; da debattiert man über schwarze Literatur von Donald Goines bis Walter Mosley, von Ralph Ellison bis Chester Himes. Wenn das so weitergeht, wird "Luke Cage" noch zum kleinen Kompendium der Black Culture.

Dass Luke trotz seiner charmanten Exkurse stets eine ruhige, auch gefährliche Abgründigkeit ausstrahlt, passt zur Neo-Noir-Attitüde seiner Vorgänger. Und den Marvel-Nerds sei versprochen: Natürlich tauchen auch in "Luke Cage" Figuren aus den Vorgängerserien auf, in Episode zwei schleicht bereits der schräge Kleinmafioso Turk Barrett durch die Szenerie, auch die Juristen Ben Donovan und Blake Tower (aus "Daredevil") oder Radiomoderatorin Trish aus "Jessica Jones" kommen vor; später in der Staffel stößt schließlich noch Rosario Dawson zum Haupt-Cast, die ihre Krankenschwester Claire Temple aus "Daredevil" hier nahtlos weiterführen darf.

Damit dürften ziemlich breite Zuschauerschichten zufriedengestellt sein: diejenigen, die "Luke Cage" vorrangig als weiteres Mosaiksteinchen im Großen und Ganzen des sich unerbittlich ausdehnenden Marvel-Universums betrachten und dabei ebenso unterhaltsam wie intelligent bedient werden; und jene, die sich weniger für die leicht generische Rachestory mit Cops und Gangstern interessieren als für die liebevolle Art, mit der hier das Handwerkszeug des Blaxploitation-Kinos dazu verwendet wird, um der Bewegtbild-Popkultur den ersten schwarzen Superhelden einzuimpfen. Dessen spezielle Kräfte werden übrigens peinlich genau und in Zeitlupe demonstriert: Als ein Schläger auf Luke eindrischt, führt dies zu einem unappetitlich komplizierten Splitterbruch in der Hand des Angreifers. Don't mess with Powerman!


Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten beiden Episoden von "Luke Cage".

Meine Wertung: 4/5
Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Netflix


 

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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").