"Ich bin Neger, und ich bin Sachse", sagt Sam, Schauspieler aus Leipzig. Sam wurde mit einem Plakat bekannt, auf dem er für das Land Sachsen posierte. Tyron stammt aus Jamaica; er ist Rapper, und er hat einen deutschen Pass. "Ich war mit meinem Vater in Jamaika", sagt er, "und dann allein in Ghana. Ich habe mich da wohl gefühlt, aber ich bin weder Jamaikaner noch Afrikaner. Ich bin ein schwarzer Deutscher". "Black Deutschland" ist ein Dokumentarfilm über die schwarzen Bürger eines weißen Landes, über Menschen, die allein deshalb als Ausländer gelten, weil sie anders aussehen. "Ausländer", das ist nicht unbedingt ein Begriff, der diskriminieren soll, aber er grenzt aus. Es gibt über 100.000 Staatsbürger mit schwarzer Hautfarbe und noch mehr Schwarze, die hier dauerhaft leben, aber sie selbst sehen sich als verschwindend kleine Minderheit. Noah, Sängerin in Berlin, erzählt gerne von dem positiven Schock, den sie einmal auf einer HipHop-Party in München erlebte, als sie 14 Jahre alt war: "Da waren 200 schwarze Jugendliche. Da habe ich einen Nervenzusammenbruch gekriegt, weil ich mich so gefreut habe. Ich wusste ja nicht, dass es so viele gibt." Der Film von Oliver Hardt ist eine intime Studie über das Denken und Fühlen dieser gar nicht so kleinen Minderheit, über schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland, denn zur "Community" gehören auch viele, die hier seit Jahren offiziell leben und arbeiten, aber weiter Amerikaner bleiben oder Bürger von Kamerun. In ihren Wohnungen in Berlin und Frankfurt entwickeln sich freundschaftliche, offene Gespräche über Selbstbilder und Vorurteile, über Ängste und ein tief verwurzeltes Selbstbewusstsein. "Ich lebe jetzt seit sieben Jahren in Berlin", sagt Darius, "aber außerhalb meiner Wohnung gibt es nur ein paar Orte, an denen ich mich sicher fühle". Vincent hält dagegen: "Ich bin 1986 nach Berlin gekommen und bin damit auch ziemlich zufrieden. Ich habe sozusagen eine zweite Heimat hier gefunden." "Black Deutschland" führt in eine unbekannte Welt mitten in Deutschland. Die Schwarzen in diesem Film denken differenziert und politisch, sie wissen, dass "Information die Grundlage ist für jede Veränderung", wie Noah sagt, die im Verein "Der braune Mob" mitarbeitet, einer Organisation, die aufklären will: "Wenn ich nicht weiß, was eine Beleidigung ist, dann benutze ich die Worte natürlich weiter", sagt sie, und deshalb gibt die Gruppe Workshops auch in Nachrichtenredaktionen, eine Art Erste Hilfe gegen Rassismus in der Sprache. Sind die schwarzen Bürger also angekommen in diesem Land? Vincent glaubt, dass die meisten Deutschen ein Problem haben, wie sie gegenüber Ausländern auftreten sollen, eine Spätfolge der Nazizeit und des kollektiven Schuldgefühls. "Die Deutschen haben ein Problem mit ihrer Identität", sagt Vincent, "und wer sich nicht sicher fühlt, kann einem anderen auch nicht das Gefühl der Sicherheit geben".
(hr-fernsehen)
Daten
Länge: ca. 53 min.
| Deutsche TV-Premiere | Di, 24.01.2006 (arte) |
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Cast & Crew
![Darius James]()
![Sam Meffire]()
![Noah Sow]()
![Vincent Mewanu]()
![Tyron Ricketts]()
- Regie: Oliver Hardt












