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TV-Kritik/Review: Der Killer und das Einhorn: "Happy!" verquirlt Comic-Aberwitz mit blutiger Gewalt

TV-Kritik/Review: Der Killer und das Einhorn: "Happy!" verquirlt Comic-Aberwitz mit blutiger Gewalt

von Gian-Philip Andreas (20.12.2017)
Pechschwarze Umsetzung des gleichnamigen Comics von Grant Morrison und Darick Robertson
Christopher Meloni und Patton Oswalt sind der Killer und das Einhorn in "Happy!"
Bild: Syfy
TV-Kritik/Review: Der Killer und das Einhorn: "Happy!" verquirlt Comic-Aberwitz mit blutiger Gewalt/Bild: Syfy

Klar, die Kombination fröhlicher Popkultur mit abrupt-brutalen Gewaltausbrüchen, die kennt man bestens, seit Quentin Tarantino das Spiel mit den Gegensätzen in den Neunzigerjahren zur wirkungsvollsten Blüte brachte. Trotzdem sollte man es nicht versäumen, mal in die ersten Folgen von "Happy!" reinzuschauen, dieser neuen Krimikomödie des amerikanischen Kabelsenders Syfy, in der es Christopher Meloni als Ex-Cop zur Weihnachtszeit mit einem fliegenden Trickfilm-Einhorn zu tun bekommt, mit dem zusammen er die Jagd auf einen perversen Weihnachtsmann eröffnet: Wer auf Makabres und Absurdes steht, wer irre Typen und sardonische Dialoge mag, ist hier fraglos richtig. In vielem ist "Happy!" das geworden, woran ""Bad Santa 2" unlängst noch scheiterte.

Autor Grant Morrison (bekannt geworden mit DCs "Animal Man" in den späten Achtzigern) und Illustrator Darick Robertson setzen mit diesem Projekt ihre eigene Comicreihe um (veröffentlicht 2012 von Image Comics). Als Regisseur der ersten Folgen konnte sich Brian Taylor austoben, der Mann hinter den hochfrequenten "Crank"-Filmen - von Haus aus Kameramann, was man an seinen mit wild-verkanteten Einstellungen und allerlei visuellen Gimmicks operierenden Regiearbeiten gut ablesen kann. Tatsächlich werden sowohl der Comic-Hintergrund von Morrison/Robertson als auch der stylish überkandidelte Regiestil Taylors zu prägenden Merkmalen der ersten Episoden von "Happy!": Es ist eine hochvergnügliche, schön böse und niemals durchhängende Sause, die sich nicht allzu viele Gedanken um lässliche Kleinigkeiten wie Schlüssigkeit macht. Leichtes Kopfweh kommt dann erst im Nachhinein. Damit alles so gut funktioniert, wie es das zunächst zweifelsohne tut, brauchten die Macher allerdings einen starken Darsteller, und der wurde mit Meloni definitiv gefunden.

Der inzwischen 56-Jährige, der sich in zwölf Staffeln "Law & Order: Special Victims Unit" das Profil einer latent aggressiven, aber redlichen Haut erspielt hatte und inzwischen mittels amüsanter Auftritte in "Wet Hot American Summer" versucht, gezielt Risse in dieses Image einzuziehen, ist tatsächlich ziemlich genial als verlotterter Ex-Polizist Nick Sax, den ein (bislang unbekanntes) Schicksal aus der Spur geworfen hat. Inzwischen säuft er wie ein Loch und wirft Pillen gegen alles und jedes ein, sein Geld verdient er als Auftragskiller: Sinnbildlich für den Zustand seiner Rinnsteinexistenz steht eine kurze Sequenz am Anfang, in der er sich in einer Vision den Kopf wegschießt und auf einem Disco-Dancefloor, von Tänzerinnen umringt, umhergroovt, während ihm die Blutfontänen nur so aus dem Schädel schießen: Schon hier gehen Comic-Ästhetik, schwarzer Humor und Taylors verdrogt taumelnder Inszenierungsstil eine sehr spezielle, aber auch sehr sehenswerte Liaison ein. Der Grundton ist gesetzt, und so ähnlich geht es weiter.

Christopher Meloni in Happy
Nick Sax (Christopher Meloni) hat gerade einen Herzanfall und eine Foltersession überstanden ...

Als sein Auftrag, die Neffen des Mafiabosses Francisco "Blue" Scaramucci (Ritchie Coster) umzubringen, in der Absteige einer Prostituierten (Hannah Hodson aus "HawthoRNe") fatal schiefgeht, landet Nick nach einer Herzattacke im Krankenwagen, wo ihm nach mäßig erfolgreicher Wiederbelebung per Defibrillator erstmals der fliegende Happy erscheint: besagtes Einhorn, das sich selbst als Pferd bezeichnet, aber eher wie ein blauer Esel aussieht. Nick hält die Trickfigur (gesprochen von Comedian Patton Oswalt), die kein anderer sehen kann, verständlicherweise für ein Hirngespinst, eine pilleninduzierte Halluzination, doch das Viech lässt sich nicht verjagen.

Was der Zuschauer schnell erfährt, Nick jedoch erst später: Happy ist der "imaginäre Freund" des Mädchens Hailey, das während des Besuchs des ganz schön gruseligen Kinderstars Sonny Shine entführt wurde - und jetzt von Very Bad Santa, einem crackrauchenden Freak in klimpernder Weihnachtsmannverkleidung, in einer Kiste gehalten wird, zusammen mit offenbar ziemlich vielen anderen Kindern. Während man noch rätselt, warum sich Happy nun ausgerechnet den kaputten Menschenfeind Nick als Helfer aussucht, wird es auch schon enthüllt: Nick ist, ohne es zu wissen, Haileys Vater!

Happy in der Syfy-Serie Happy
Wenn ihr nach einer Wiederbelebung dieses fliegende, blaue Einhorn sehen würdet, ihr würdet es auch nicht für real halten...

Ein Gutteil der ersten beiden Episoden beschäftigt sich mit der Abwehr Nicks gegen die fliegende Nervensäge, deren absurde Echtheit er erst zu akzeptieren beginnt, als Happy ihm dabei hilft, sich aus Notlagen zu befreien - was stets äußerst blutig endet. Eine dieser Notlagen ist ein aus dem Ruder laufendes Pokerspiel mit einem Waffenhändler (an deren Ende Happy zugekokst von der Decke baumelt), eine andere der mit diversen sexuellen Fetischen ausgestatte Psychopath Smoothie, ein Helfershelfer von Blue Scaramucci, den Patrick Fischler mit ruhiger Stimme und stierem Blick genau auf dem schmalen Grat zwischen Bedrohung und Karikatur anlegt, der für diesen Comic-Rahmen erforderlich ist. Fischler, bislang ein gern gesehener Gast in ziemlich vielen Serien (von "Lost" über "Mad Men" bis zuletzt "Twin Peaks"), steht hier endlich mal mehr im Zentrum: Es ist seine bis dato fieseste Rolle, nicht nur, weil er bei seinen Folter-Sessions New Orders "Blue Monday" laufen lässt. Am Ende der zweiten Episode passiert dann das Erwartbare: Das teil-animierte Chaos-Duo Nick und Happy rauft sich als Alptraum-Variante von Bob Hoskins und Roger Rabbit zusammen, um Very Bad Santa zur Strecke zu bringen. Damit hat sich die Serie erzähltechnisch eingenordet - und es bleibt abzuwarten, ob Tempo und Irrwitz gehalten werden können.

Was um die beiden herum sonst noch so geschieht, ist nämlich schon weniger aufregend: Da gibt es Detective Merry McCarthy (Lili Mirojnick), deren Mentor (und Geliebter) Nick früher war. Sie ist inzwischen verbittert, womöglich auch durch die Betreuung ihrer dementen Mutter. Dass Haileys redliche Mutter Amanda (Medina Senghore) früher mit Nick verheiratet war, bis er sie mit Merry hinterging, kann man schwer glauben. Dann ist da eben noch Blue Scaramucci, ein Psycho-Don, wie er im Gangsterfilmbuche steht: Während er daheim den Weihnachtsbaum schmückt, gibt er am Telefon die Morddrohungen raus. Darsteller Coster bedient sich hier wieder jener verschlagenen Schmierigkeit, die schon seinen Mayor Chessani im zweiten "True Detective" auszeichnete. Weil Nick aus Versehen an ein wichtiges Passwort gekommen ist (zu einem Datensatz, der die Gangsterwelt ins Wanken bringen könnte), steht er auf Blues Abschussliste - ein eher gesuchter McGuffin, ein dramaturgisch gelegener Anlass, um Nick und Happy permanent vor Ganoven davonhetzen zu lassen.

Smoothie in der Syfy-Serie Happy
Eindrucksvoller Bösewicht: Smoothie (Patrick Fischler), der Folterknecht des Don

Diese Hatz an sich ist aber eine Schau, was zu einem guten Teil an Meloni liegt, der den größten Teil der ersten Folgen in einem blutverschmierten Arztkittel durch die Gegend torkelt, und an den Hard-Boiled-Gossensprüchen, die man ihm in den Mund gelegt hat. Der Spaß, den er an grundverbitterten Sätzen hat wie "My life is an ever-swirling toilet that just won't flush", überträgt sich sofort. Und wie er zu Tschaikowskys "Tanz der Zuckerfee" halb delirant durchs Krankenhaus marodiert, gehört zum Lustigsten, was ich dieses Jahr im Serienbereich gesehen habe. Regisseur Taylor betreibt ein tolles Spiel mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, setzt Raffer ein und Zeitlupen, mitunter sogar gleichzeitig, und er ist ganz in seinem Element, wenn er Nick mitten in eine halluzinierte Ausgabe des Krawall-Talks der "Jerry Springer Show" versetzt.

An Ideen mangelt es hier sichtlich nicht, dennoch mischt sich irgendwann ganz dezent ein schaler Beigeschmack in den Irrwitz: Trägt das auf Staffellänge? Oder sogar über mehr als eine Staffel hinaus? So schön der Gegensatz zwischen dem nihilistischen Killer und dem fröhlichen Tricktier eingangs auch ausgestaltet ist, so groß ist auch die Gefahr, dass dieses Buddy-Duo in nicht allzu ferner Zukunft auf die Nerven fallen könnte.

Gleiches gilt für die gagreich inszenierten Blutfontänen und Gewalteruptionen: In der Überdosis verlieren diese ihre überraschende Wirkung. Man kennt den Effekt von den zahllosen Tarantino-Epigonen der späten Neunziger, die dieses Prinzip auswalzten, bis es niemanden mehr interessierte. Ähnliches droht hier bereits in Episode zwei. Skepsis bleibt also angebracht - auch wenn Melonis kunstvolle Kaputtheit und Happys hysterische Happiness fürs Erste jede Menge Freude bereiten.


Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten zwei Episoden von "Happy!"

Meine Wertung: 3.5/5

Gian-Philip Andreas
© Alle Bilder: Syfy

Die Serie "Happy!" ist am 6. Dezember 2017 in den USA beim Kabelsender Syfy angelaufen. Netflix hat die Serie in Deutschland in sein Angebot aufgenommen.Trailer zu "Happy!" (engl)

Very Bad Santa in Happy
Die große Bedrohung für die kleine Hailey im Hintergrund: Very Bad Santa (Joseph Reitman)

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Über den Autor

  • Gian-Philip Andreas
Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für TV Wunschliste rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").