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TV-Kritik/Review: "Domina": Game of Romans überzeugt mit weiblicher Perspektive
(01.06.2021)

Doch der Weg dorthin war steinig und von unzähligen Intrigen geprägt. Nachdem Julius Caesar wegen seines Machtstrebens von einer Verschwörung von Senatoren ermordet wurde, fand sich die Familie von Livia Drusilla auf der Seite der Verlierer wieder. Während ihr Vater versuchte, an dem Modell der Republik festzuhalten, wurden er und seine Mitstreiter von neuen Machthabern bekämpft und nach und nach zu Fall gebracht. Livia musste deswegen früh lernen, neben ihrem Verstand auch alle anderen ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um sich als Frau in dieser brutalen Gesellschaft zu behaupten.
Die ersten beiden Folgen zeigen Livia als Teenagerin (Nadia Parkes). Sie entstammt einer der ältesten und geachtetsten Familien Roms und hat bei ihrem Vater Marcus Livius (Liam Cunningham) eine sehr unkonventionelle Erziehung genossen. Statt sie zu einer stets nickenden und lächelnden Dame zu erziehen, hat Livius den scharfen Verstand seiner Tochter erkannt und sie schon früh in Diplomatie, Staatskunst und Politik unterrichtet.

Trotzdem muss Livia an ihrem 15. Geburtstag das tun, was von allen Frauen Roms erwartet wird: Sie muss heiraten, um ihrem Mann möglichst viele Kinder zu gebären. Die Wahl von Livius ist dabei auf den Cousin von Livia, Tiberius Claudius Nero (Enzo Cilenti), gefallen, einen äußerst stereotypischen, opportunistischen Senator. Bei der Verbindung der beiden spielen ausschließliche politische Interessen eine Rolle. Bei ihrer Hochzeitsfeier lernt Livia Gaius Julius (Tom Glynn-Carney) kennen und zwischen den beiden funkt es sofort. Gaius ist der gleichnamige Adoptivsohn und Erbe von Gaius Julius Caesar. Seit dessen Ermordung im Senat sinnt Gaius nicht nur auf Rache an den Verschwörern, sondern sucht auch nach einem Weg, um selbst in Rom aufzusteigen. Dabei stellt sich ihm unter anderem Livias Vater entgegen. Der Weg für Drama ist also geebnet!

Zumindest in der Theorie, denn ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, Gaius Verrat an Livius lässt Livia weitestgehend kalt. Das ist nicht nur enttäuschend, sondern im Rahmen des Storytellings auch nicht besonders glaubwürdig. Die Serie gibt sich (mit Erfolg) große Mühe, die besondere und von gegenseitigem Respekt und Zuneigung geprägte Beziehung zwischen Vater und Tochter zu etablieren. Liam Cunningham liefert eine brillante Darstellung eines liebenden Vaters und ehrenhaften, loyalen Politikers. Jedoch hat dies am Ende alles scheinbar kaum Einfluss auf Livia, die unbeirrt ihren Weg geht. Ihre Abgeklärtheit und Berechenbarkeit sind dabei zwar einerseits eine willkommene Abwechslung zu unnötigem Drama und unlogischen Entscheidungen, es wäre aber bei weitem spannender und glaubwürdiger gewesen, wenn Livias innere Zerrissenheit dabei mehr thematisiert worden wäre.
Davon einmal abgesehen, sind die ersten beiden Episoden von einem rasanten Tempo, hohen Einsätzen und viel Gewalt und Sex geprägt - also eigentlich von allem, was man sich als Fan historischer Serien wünschen kann. An einigen Stellen kann man sich der Anleihen an
Schade nur, dass die Serie ab Folge drei einen Zeitsprung um ganze 12 Jahre nach vorn macht und dabei sämtliche Cast Mitglieder austauscht. Auch der ältere Gaius (Matthew McNulty) und vor allem die neue Livia (Kasia Smutniak) machen ihre Sache unbestreitbar gut, aber als Zuschauer hat man sich bereits so gut an die anderen Darsteller gewöhnt, dass der plötzliche Umschwung doch sehr abrupt kommt und man sich nun erst einmal neu orientieren muss. Und das fällt umso schwerer, da die vergangenen 12 Jahre kaum aufgearbeitet werden (zumindest in Folge drei).

Auch der Ton und die Atmosphäre von "Domina" verändern sich ab der dritten Episode. Das Tempo verlangsamt sich merklich, und statt dem nackten Überleben stehen nun auf einmal alltägliche politische Geschäfte auf der Tagesordnung. Das hat zur Folge, dass die Spannungskurve leider erst einmal abflacht und erst gegen Ende der Folge wieder leicht an Fahrt aufnimmt. Die Entscheidung, nach zwei Folgen Zeit und Darsteller zu wechseln, war riskant, und das Ergebnis ist nur mäßig zufriedenstellend. Gegebenenfalls hätte der Wechsel besser funktioniert, wenn man das Leben der jungen Livia eher in Rückblicken, verteilt über die einzelnen Episoden, eingebaut hätte, anstatt von einem Moment auf den anderen.
Trotz der leicht abfallenden Spannungskurve, kann sich "Domina" aber insgesamt einen sicheren Stand im Genre der historischen Serie sichern. Auch wenn die Serie auf den ersten Blick nicht übermäßig innovativ erscheint, so bietet Livias Geschichte doch eine sehr fesselnde, neue Perspektive und beleuchtet auf anschauliche Weise, wie sie sich als Frau im alten Rom behauptet hat. Wer also auf der Suche nach einer visuell und storytechnisch gut aufbereiteten Historienserie mit einer starken Protagonistin ist, und nichts gegen den übermäßigen Gebrauch von Kraftausdrücken einzuwenden hat, wird mit "Domina" auf jeden Fall fündig werden.
Dieser Text beruht auf Sichtung der ersten drei Episoden der Serie "Domina".
Die Ausstrahlung der achtteiligen Auftaktstaffel der Serie erfolgt bei Sky Atlantic ab dem 3. Juni immer donnerstags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen. Die komplette Auftaktstaffel von "Domina" wird zur Premiere auch zum Streaming über Sky Ticket und Sky Q zur Verfügung gestellt.
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